7. April … Lügen werden dich nicht retten…

Kennt ihr das? Man hält jemandem die helfende Hand hin und sie wird nicht genommen. Mehr noch; derjenige kommt tatsächlich auf die Idee, mich retten zu wollen… Ich hab mir hier noch nie sehnlicher den Smiley gewünscht, der Tränen lacht!

Ich weiß, die Möglichkeit, jemanden retten zu können auf dieser Welt, der in irgendeiner Art und Weise gerettet werden muss – und ich rede jetzt nicht von einem Notfall, sondern viel mehr von Suchtkranken, Psychischkranken, Selbstzerstörern und dergleichen – ist sehr gering. Was aber noch aussichtsloser ist; mich retten zu wollen. Ich meine, da geht man einmal in die Stille, lässt sich kurzerhand auf ein spontanes Selbstexperiment ein und dann kommt schon jemand, der einen retten will. Zumindest weiß ich jetzt; im Ernstfall wäre jemand da. Aber ansonsten kann ich nur sagen; mir ist sicher nicht zu helfen. Ich entscheide ganz alleine, wie es mir geht und auch wenn das vielleicht irritierend ist für manch einen aber ja, ich habe mich jetzt einfach mal dazu entschieden, dass es mir nicht gut geht. Und ich spüre seit zwei Tagen, dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich in letzter Zeit getroffen habe.

Was ich sicher nicht tun werde – weder jetzt noch irgendwann – ist, mich selbst mit einer Lüge aufrecht zu halten. Wurde mir tatsächlich empfohlen; mach es dir vor, tu einfach, als ob; es wird dir gut tun! Ganz ehrlich; wer sich selbst belügen muss, damit er das Leben erträgt, der hat nichts verstanden. Gar nichts. Ich meine, jeder geht seinen Weg so, wie er kann und ich habe nicht vor, darüber zu urteilen. Aber jemandem die Empfehlung mitzugeben, sich selbst zu belügen, damit es leichter wird – das irritiert mich doch sehr. Und sagt mir; dieser Mensch hat nicht nur die einfachsten Grundlagen nicht verstanden, nein, der kennt mich auch noch sehr schlecht. Selbst wenn sich dadurch mein ganzes Leben schlagartig verändern würde – mich selbst belügen würde ich auch dafür nicht. In dem Moment, wo wir aufhören, ehrlich mit uns selbst zu sein, fangen wir an, uns selbst zu verlieren. Und DAS wird mir in diesem Leben sicher nicht mehr passieren…

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6. April … wenn man sich selbst wieder spüren muss…

Nur um eines mal klarzustellen, bevor man mich wieder besorgt fragt; wenn ich sage, ich steh an einem Abgrund, dann spreche ich von einem emotionalen Abgrund. Und wenn ich dann auch noch sage, ich überlege zu springen, dann bedeutet das, dass mir durchaus bewusst ist, dass ich grade gefühlsmäßig in ein tiefes Loch fallen kann. KANN, denn ich habe gelernt, ganz alleine zu entscheiden, wann es mir gut geht und wann nicht. Nun sind in letzter Zeit einfach viele Dinge passiert, die es mir durchaus möglich machen, mich runterzuziehen. Was mich am meisten mitgenommen hat, ist die Tatsache, dass jemand versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Das allein finde ich schon furchtbar und hinzu kam für mich diese eine Erinnerung; wie leer man sich fühlt, wenn man bereit ist, den Freitod zu wählen. Das schlimmste ist der Punkt, wenn man nicht mal mehr diese Leere in sich selbst fühlen kann und genau daran wurde ich erinnert. Man spürt sich selber nicht mehr…

Vielleicht ist dabei die Frage in mir entstanden; wie sehr kann ich mich selbst eigentlich noch fühlen? Und was ist da nicht einfacher, als sich selbst Gefühle zu erlauben, um es herauszufinden? Da mir grade eine Überdosis an „läuft in manchen Dingen grad nicht so gut“ zur Verfügung steht, ist das doch die perfekte Chance. Ich wollte ohnehin wissen, ob ich mir selbst noch weh tun kann, nachdem es andere längst nicht mehr können. Mir kann man nicht mehr weh tun, niemand. Außer ich vielleicht…

Ich bin also gesprungen, gestern Nachmittag. Wunderschöner Hechtsprung, ganz wie früher. Verdammt tiefer Abgrund ist das hier und ja, es hat ordentlich weh getan! Ziel erreicht, mein ganz persönliches zumindest. Jetzt muss ich nur irgendwie wieder hier raus. Aber vorher genieße ich noch ein wenig die Stille und die Dunkelheit hier unten. So vertraut…

Und wer das Positive bei mir zur Zeit vermisst; manchmal muss man sich mal wieder bewusst schlecht fühlen, um wieder schätzen zu können, wie gut es einem eigentlich geht. Und ja, das kann ich wieder, definitiv! Ich kann wieder schätzen, wo ich steh, wer ich bin und vor allem; ich kann jetzt wieder an meinen Zielen arbeiten, intensiv. Ich spür mich wieder und das tut soooo gut!

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5. April … ich mach das jetzt einfach…

Ja, das Leben geht manchmal seine eigenen Wege, findet ihr nicht? An einem Tag trifft es Entscheidungen für einen, am anderen Tag ist es noch gemeiner; da will man tapfer endlich die Hoffnung töten und dann kommt jemand, nimmt liebevoll den letzten Rest meiner Hoffnung in eigener Sache in die Hand und schüttelt den Kopf. „Tu´s nicht!“, hat er gesagt, mehr nicht…

Ich weiß auch noch immer nicht, wo mein Verstand zur Zeit spazieren geht, hab ihn seit einer Weile nicht mehr gesehen. Jedes mal, wenn ich mich an diesen doofen Abgrund stelle, rechne ich damit, dass er endlich auftaucht und mir die Leviten liest. Aber nö, hat er scheinbar nicht vor. Selber schuld, denk ich mir inzwischen. Ich will nämlich jetzt tatsächlich wissen, wie tief er ist, dieser Abgrund. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, ob ich dieses mal vorsichtig genug bin und mich da einfach mal nach unten abseile oder ob da die alte Nici durchkommt, ich paar Schritte zurück mache und mit Anlauf Kopf voran reinspringe. Ich fürchte, ich werd es auf die gute, alte Art machen, jetzt, wo der Verstand grad mal nicht da ist. Wäre doch eine gute Gelegenheit.Und mal ganz ehrlich; manche Dinge sind es doch wert, dass sie weh tun, oder? Und vielleicht ist es auch für mich mal wieder an der Zeit, dass ich mich selbst fühlen kann…

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4. April … manche Dinge wird man einfach nicht los…

Vielleicht muss ich zugeben, dass die letzten Tage nicht ganz einfach für mich waren. Obwohl ich nicht wirklich ständig am nachdenken war, fiel es mir schwer, einfach bei mir zu sein. So eine gewisse Leere irgendwie; nichts zu fokussieren, festzuhalten, greifbar. Ein merkwürdiger Zustand. Ein paar Kleinigkeiten sind mir wohl auch entgangen. Unter anderem mein Abo hier von meinem Blog. Im März hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob ich es verlängern werde oder nicht. Überraschenderweise spielte ich tatsächlich mit dem Gedanken, den Blog hier dicht zu machen. Woher dieser Gedanke kam, kann ich nicht sagen. Irgendwie hänge ich ja dran; an manchen Menschen hier und an dem immer wieder befreienden Gefühl, welches mir das Schreiben hier gibt. Erstaunlicherweise gibt es auch nach bald einem Jahr immer noch Feedback und manches mal entstehen auch interessante Gespräche.

Tatsache ist nun aber, dass ich den Zeitpunkt, etwas gegen die automatische Verlängerung meines Blogs hier zu unternehmen, verpasst habe. Ist in den letzten Tagen einfach untergegangen. Mir wurde also quasi die Entscheidung längst abgenommen. Was soll ich sagen; es wird seine Gründe haben. Als ich im Mai letzten Jahres hier anfing zu schreiben, habe ich mir immer gesagt; solange es jemand liest, werd ich hier schreiben. Und wenn ich nur einen einzigen Menschen damit erreichen werde, der vielleicht etwas von hier mitnehmen kann – gedanklich – dann hat es sich gelohnt. Dem werde ich wohl noch eine ganze Weile treu bleiben, diesem Gedanken. Für mich ist es inzwischen auch ein kleines Ritual geworden, morgens etwas früher aufzustehen, meinen ersten Kaffee zu schlürfen und hier meine Gedankenkommode zu entlehren. Ich mag die morgendliche Stille, wenn die Kids noch schlafen und ich in mich reinhorche. Was bewegt mich heute, was will gesagt werden, wo steh ich grad?

Ihr werdet mich also noch nicht so schnell los hier. Und ich bin froh, dass ich keine Entscheidung mehr treffen muss. Manche Dinge im Leben entscheiden sich eben von ganz allein und oft ist das einfach das Beste, was man machen kann; den Dingen ihren Lauf lassen. Denn manchmal finden sie den richtigen Weg von ganz allein… 😉

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3. April … wenn gar nichts mehr geht und du nicht mehr reden willst…

Wenn Menschen beschließen, nicht mehr leben zu wollen; was geht dann in ihnen vor? Ich meine, was genau zerbricht in dem Moment in einem selbst, wenn man tatsächlich den Mut aufbringt, sich selbst das Leben zu nehmen? Und ich sage bewusst „Mut“, denn ich weiß, wovon ich rede. Bei mir war es eine Kurzschlussreaktion; nichts geplantes, nichts gewolltes, sondern an einem sehr tiefen Punkt in meinem Leben der plötzliche, sehr intensive Wunsch, sterben zu können, zu dürfen. Dieses tiefe Gefühl in mir, mit absoluter Sicherheit zu wissen; das ist der einzige Weg, frei zu sein. Frei vom Schmerz – in der Seele und im Herz – , frei von der Angst – vor sich selbst, vor dem Leben und vor allem frei von seinem Geist, der einen in der Finsternis fesselt und frei von dieser manchmal so beschissenen Welt. Ich wollte einfach nur sterben, nichts mehr sehen, hören und vor allem – nie wieder fühlen! Bei meinem ersten Versuch hatte ich diese Tabletten plötzlich in der Hand und ohne drüber nachzudenken setzte ich mich seelenruhig mit einer Wasserflasche an den Tisch und fing an, sie zu schlucken. Ich hatte etwa die halbe Packung geschluckt, als ein Kumpel von mir zur Tür rein kam, sich neben mich setzte und ansah. Er tat nichts, außer mir zuzusehen und irgendwann sagte er: „Friss das Zeug ruhig weiter, irgendwann wird es dir die Lunge schon zerreißen.“ Kurze Zeit nach diesem Satz muss ich das Bewusstsein verloren haben und er blieb bei mir, bis ich durch diesen kläglichen Versuch durch war…

Für mich spielt es keine Rolle mehr, warum, weshalb oder wieso ich das damals gemacht habe. Vielmehr werde ich dieses Gefühl in meinem Herzen – und es war damals seit sehr langer Zeit das erste Gefühl in dieser Gegend für mich – nie vergessen. Diese Schwerelosigkeit, wenn die Gleichgültigkeit verschwindet – endlich – und diese Wärme einen durchflutet. Sterben – dieses Wort hat mich damals regelrecht berauscht. War wie ein Ruf, der durch meinen Kopf hallte und ich wusste, ich würde ihm folgen. Von einem Moment auf den anderen, ohne Vorwarnung. Wie eine brutale Keule, die einen mitten ins Gesicht trifft und in die Knie zwingt. Ich verstehe Menschen, die sagen, sie wollen sterben. Wer diesen Ruf aus seinem Innersten heraus jemals gehört hat, weiß, wie das ist. Und nein, da hilft kein Reden mehr. Da holt man niemanden mehr raus…

Mich selbst beschäftigt dieser Vorfall in meinem Leben nicht mehr wirklich. Ich weiß, heute bin ich weit stärker als dieser Ruf. Sollte ich ihn jemals wieder hören, ich werd widerstehen. Wenn man an einen Punkt im Leben kommt, wo rein gar nichts mehr weh tut; nichts und man kann sich selbst nicht einmal mehr Leid zufügen, dann wird es gefährlich still in einem selbst. Vielleicht stehe ich deswegen von Zeit zu Zeit noch heute an einem Abgrund und such den Schmerz. Wer fühlen kann, der lebt. Und wenn man sich selbst Leid zufügen muss, um sich selbst wieder zu spüren, aber man fühlt. Ein guter Freund hat dieses Gefühl fürs Leben – sich selbst zu fühlen – grad für einen Moment verloren. Er hat auch diesen Ruf gehört, ist ihm gefolgt, hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Er hat überlebt und ich weiß, jetzt kommt der schlimme Teil für ihn; er muss lernen, damit zu leben. Er muss lernen, damit zu leben, dass er sich selbst überlebt hat und für mich war das damals ein brutaler Lehrgang. Ich wünsche ihm alle Kraft der Welt und den Mut, wieder stärker zu werden, als seine Angst. Angst – das war eines unserer letzten Gespräche vor kurzem und dann wurde es still um ihn…

 

2. April … warum darf ich dich nicht halten…

… manchmal muss man sein Herz behutsam in den Arm nehmen, ihm vorsichtig sagen, dass es jetzt stark sein muss und ihm dann klar machen, dass etwas, was es sich so sehnlich wünscht, nie sein wird. Manche Dinge kann man eine Weile aufrecht halten, obwohl sie längst verloren sind. Man hält sie einfach aufrecht; stur, tapfer, trotzig. Weil man nicht aufgeben will; es nicht wahrhaben will oder einfach nur weil man halt nicht aufgeben kann…

Bis dann dieser eine gefürchtete Moment kommt, in dem man sich endlich eingesteht; es geht nicht, es macht keinen Sinn, es darf nicht sein. Man kann noch so oft dieses eine Lied anhören, welches exakt das aussagt, was man denkt und fühlt – es ändert nichts, nie. Ich erkenn da eine riesen Baustelle; ich muss lernen, aufgeben zu können, selbst wenn man mit eigenen Händen diese verdammte Hoffnung töten muss dafür. Lern das endlich, altes Mädchen, sonst tut es irgendwann wieder weh…

Gestern hatte ich diesen winzigen Moment, in dem Sehnsucht in meinem Herzen aufkam. Die Sehnsucht, meinen Kopf irgendwo anlehnen zu können und für einen Moment – nur einen Seufzer lang – schwach sein zu dürfen. Mein Herz hat müde gelächelt und diesen Moment einfach beiseite geschoben. Dann hat es gelacht und gesagt: „Ja ne, ist klar! Und als nächstes willst du sagen dürfen, dass du das alles nicht mehr schaffst? Reiß dich zusammen!“ und die Sehnsucht war wieder fort. Ich bin halt auch nicht immer nur stark. Auch ich hab meine Momente, wo mich diese wunderschöne Welt gerne mal von hinten betrachten darf. Niemand ist unbesiegbar, auch ich nicht. Manchmal bin ich auch nur einen ticken stärker als die Angst. Und darauf kommt es letztendlich an; im richtigen Moment einen Funken stärker sein als das, was droht, uns umzuwerfen…

So und nun geh ich wieder mein Lied anhören. Dieser verdammte Song hat immer noch eine Stelle, die weh tut. Und ich hab immer noch dieses große Bedürfnis, herauszufinden, wie tief dieser Abgrund wohl ist. Wo ist eigentlich die Vernunft,wenn man sie mal braucht…

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1. April … weine nicht um mich, weine nicht!

Ganz ehrlich? Mir wär jetzt total nach verkriechen; mich selbst, irgendwo verstecken. Keinen sehen, keinen hören, nur ich und die Musik. Wobei mir zur Zeit ein einziges Lied reicht. Juhuuu ich hab es geschafft! *Ironie off*

Vielleicht wollte ich ja, dass es mal wieder weh tut; ich wusste ja gar nicht mehr so recht, wie es sich anfühlt. Und ihr wisst ja, wie das ist; wenn man mit dem Feuer spielt… Aber so sehr ich mich jetzt gern in dieses wunderschöne, tiefe Loch fallen lassen würde – es zieht mich regelrecht magisch an – werde ich zusehen, dass ich genau das nicht tun werde! Ich werd stehen bleiben, mal wieder, wie immer. Stehen bleiben, stark sein, weitermachen. Ich werd auch jetzt mein bestes geben.

Ich hab wieder angefangen, Gedichte zu schreiben. Hab ich schon lang nicht mehr gemacht, zumindest nicht gezielt, bewusst. Oft ist es ja so, dass meine Seele was zu sagen hat und ich schreibe es für sie auf. Und erst wenn ich fertig bin und es lese, verstehe ich, was sie erzählt hat. Was sie mir gestern diktierte, war nicht ganz das, was ich hören wollte. Diese Dunkelheit hab ich schon lang nicht mehr gefühlt. Und so sehr ich erst mal erschrocken bin, wie finster es in meiner Seele wohl grad aussieht, so wohlig hat mein Herz geseufzt; die Dunkelheit, unser guter alter Freund! Mein Verstand schrie  nur „Arrgghhhhh!“ und schnaubte – er ist dagegen, definitiv! Und ich? Was denke ich? Mir ist es endlich egal, ob sie uns wieder holt, die Dunkelheit. Manchmal hat man Phasen in seinem Leben, da ist einem fast alles egal. Und bevor jetzt wieder ein besorgter Aufschrei kommt; nein, ich geb nichts auf – weder mich noch das Licht. Ich weiß nur, dass ich auch das überstehen werde. Manchmal kommt nach der Stille der Abgrund. Und auch wenn ich keine Lust darauf habe, da reinzufallen; wissen, wie tief er ist, würde ich schon gern wissen…

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