27. November … hat heute wer Zeit zum Daumen drücken?

Seit gestern schneit es uns ein. Ich mag ja keinen Schnee, ich würde sogar so weit gehen und behaupten, ich hasse ihn. Mein Großer findet ihn toll, der beschäftigt sich stundenlang mit dem kalten Zeug. Ich friere nicht gerne, fang aber an zu bibbern, sobald ich Schnee nur sehe.

Bleibt zu hoffen, dass die Strassen bald frei sind. Heute steht ein Termin nach dem anderen an. Nicht mal in Ruhe krank geschrieben kann man sein. Etwas nervös macht mich der Augenarzttermin. Gestern angerufen, mit dem Anliegen, dass mein rechtes Auge nicht mehr so scharf sieht, wie das linke. Die freundliche Sprechstundenhilfe stellte mir ein paar Fragen und stufte mich dann als Notfall ein, ich solle sofort heute kommen. Ich hab in 39 Jahren nie auch nur annähernd ein Problem mit meinen Augen gehabt. Und jetzt plötzlich fühlen sich seit letzter Woche meine Augen morgens schon so an, als hätte ich sie seit drei Tagen nicht zugemacht; sie brennen, Tränen manchmal, fühlen sich völlig übermüdet an. Wenn ich etwas lese, habe ich einen dunklen Fleck auf den Buchstaben. Mach ich das rechte Aug zu, ist der Fleck weg und ich seh alles ganz scharf. Mach ich das linke Aug zu, ist der Fleck wieder da und alles verschwommen. Ich dachte ja bisher, dass ich wohl doch langsam eine Brille brauch und machte mir höchstens Gedanken, was das wohl wieder kostet und wie ich das bezahlen soll. Nachdem ich aber einen Notfalltermin beim Augenarzt heute bekommen hab und zu allem übel gestern noch meine Mutter am Telefon rief: „Du wirst doch nicht schon grünen Star haben!?!“, bin ich schon sehr gespannt, was da heute wohl bei rum kommt. Angst hab ich keine, konnte auch schlafen wie immer. Aber ich möchte es geklärt haben und bin froh, wenn ich heute Mittag mehr weiß! Drückt mir bitte die Daumen, ich halt euch auf dem Laufenden.

Passt gut auf euch auf da draußen, könnte glatt sein!

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26. November … Danke, dass ich noch nicht zu den „anderen“ gehöre!

… und wieder ein Morgen, an dem man gesund aufgewacht ist. Ok, mein Knie ist immer noch kaputt, aber seit ich schön brav zu Hause sitze ist die Schwellung und der Schmerz fast weg. Und diese Woche muss ich mal einen Termin beim Augenarzt machen, mein rechtes Auge schwächelt. Aber das ist wohl nichts, was man nicht richten kann. Ich glaube, man vergisst viel zu oft, dass man – trotz allem – morgens aufstehen kann,um seinen Alltag aus eigener Kraft zu meistern. Warum hält man das eigentlich für selbstverständlich? Woher nimmt man diesen Glauben, dass man ewig jung und agil bleibt und es sowieso nur „die anderen“ trifft, wenn es mal nicht mehr so gut läuft? Wer sind denn die anderen? Haben die etwa laut „Hier!“ geschrien, als es darum ging, wer eine schwere Krankheit haben möchte? Haben die sich freiwillig gemeldet, um das auf sich zu nehmen? Wohl kaum.

Und vielleicht ist es ja auch eine Tatsache, dass „die anderen“ nicht einfach nur Pech gehabt haben, sondern wir sehr sehr viel Glück! Bisher! Kann sich ja jederzeit ändern, schneller als man denkt! Also vielleicht finden wir ja gelegentlich mal Zeit,um kurz inne zu halten und zu danken; danke, dass mich meine Füße auch heute tragen werden! Dass mein Herz auch heute schlägt. Dass ich auch heute wieder aufgewacht bin. Und danke, dass mir bewusst ist, wie viel Glück ich habe!

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25. November … solange du lieben kannst…

“ Wir verstehen nichts, gar nichts. Es sind so viele Geheimnisse im Wachsen eines Weizenkorns wie im Lauf der Sterne, aber wir wissen, dass nur wir allein fähig sind, zu lieben. Und darum ist auch der geringste Mensch noch viel mehr Wert, als das ganze Weltall.“ Guy De Larigaudie

Manchmal fühlen wir uns ganz klein, unwichtig und nutzlos. Weil wir grade irgendwo an einem Punkt stehen, der uns zeigt, wie winzig wir auf dieser Welt doch sind. Oder uns das Umfeld klar macht, dass wir eigentlich gar nicht gebraucht werden. Manchmal versucht uns auch nur ein einziger Mensch einzureden, das wir nichts sind, nichts können und so rein gar nichts auf die Reihe bekommen. Wodurch auch immer, aber manchmal haben wir selbst dann von uns den Eindruck, dass wir nichts verstehen, dumm sind, nichtig, sinnlos auf dieser Welt. Und wenn wir so weit runter fallen mussten, dann sollten wir uns eines in Erinnerung rufen; ganz egal, wer oder was wir sind – wenn wir fähig bleiben, einander zu lieben, wird unser Wert nie vergehen. Nichts auf dieser Welt ist so stark, so mächtig, so groß wie die Liebe.

Wenn wir also tatsächlich mal von unserem Weg abkommen und den Glauben verlieren, auf dieser Welt irgendwas wert zu sein, dann wird uns eines ganz sicher helfen; sich erinnern, dass wir die Macht besitzen, zu lieben. Und sehr wahrscheinlich irgendwo da draußen jemand ist, der auch uns liebt.

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24. November … ich hab dann mal Zeit…

So, nun hab ich Zwangspause. Krank geschrieben bis zum Termin fürs MRT, der ist am 10. Dezember. Das wird wahrscheinlich nichts mehr mit der Meniskus – OP dieses Jahr. Das heißt, ich hab jetzt endlich mal jede Menge Zeit zum Zocken und für meine Schularbeiten. Gestern war ich gleich mal so faul und hab nur gezockt. Dafür ist heute mein Knie zum ersten mal nicht mehr geschwollen. Man glaubt es ja immer kaum, aber das mit dem mal nichts tun und Bein ruhig lagern bringt halt am Ende doch was. Muss sie lernen, die kleine sture Nicole, die erst mit dem Kopf unter dem Arm zum Arzt geht. Musste gestern erst mal die Krankenkasse anrufen und mich erkundigen, wie das inzwischen mit der Krankmeldung funktioniert.

Jetzt heißt es also abwarten, Bein hochlegen. Kaffee trinken. So wie ich mich kenn, wird mir spätestens Dienstag nächste Woche langweilig sein. Zum Glück weiß ich mich ja zu beschäftigen. Für Weihnachten stehen ja auch noch Vorbereitungen an. Bei unserem heutigen Familientreffen werden wir mal absprechen, wie das alles ablaufen soll am 24. Dezember. Und bis dahin mach ich schön brav Schularbeiten und widme mich ein wenig guten Games. Also gerne her mit euren Spieletipps für Konsole. Ich hätte endlich Zeit dafür… 😉

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23. November … komm rein und setz dich, vertrauter Schmerz

In letzter Zeit erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich den süßen, vertrauten Schmerz suche. Vor zwei Tagen hab ich mir eine uralte CD rausgekramt, ein bestimmtes Lied rausgesucht und dann beim Auto fahren schön laut angehört. Dreimal, viermal, fünfmal. Die gute alte Zeit! Immer wieder beeindruckend, wie einen Musik schlagartig um Jahre, manchmal sogar ein halbes Leben, zurück katapultieren kann. Ich fand es jedenfalls so schön, dass ich mir gleich die nächste CD rausgekramt habe, auf der zwei Titel sind, zu dem mein Herz am liebsten weinen würde.

Wie ich dich manchmal liebe, du vertrauter Schmerz. Ich hab dich vermisst! Du bringst mir Erinnerung in einer Form – so intensiv – wie es anders nicht geht. Du bist das einzige, was einem manchmal bleibt, wenn man geliebtes verliert. Wenn man ein Loch füllen muss, eine Lücke, die jemand hinterlässt, wenn er fort gegangen ist – von uns oder gar von dieser Welt – dann bist du da und legst dich leise aber fühlbar da hinein und füllst die Leere. Anfangs schmerzend, unerträglich, begegnet man dir mit Wut. Man brüllt dich an, hasst dich, beweint dich, scheitert an dir. So lange, bis man versucht, dich zu akzeptieren und zu ertragen. Es mag viel Zeit vergehen, aber irgendwann kann man mit dir leben. Und alles, was von dir bleibt, ist ein wunder Punkt der uns brandmarkt, vielleicht ein Leben lang.

Ich habe aufgehört, mich an Menschen erinnern zu wollen, die längst gegangen sind. Wenn ich ihnen nahe sein will, dann berühr ich bewusst den wunden Punkt, den der Schmerz hinterlassen hat, als sie gehen mussten. Weil man sich ihnen dann am nächsten fühlt. Weil dieser kleine, geliebte Schmerz das einzige ist, was blieb; von einer schönen Zeit, von einem Lebensabschnitt, von einem Mensch, der einem mal die Welt bedeutet hat. Ich behüte diesen Schmerz wie einen Schatz. Und manchmal, wenn mich die Sehnsucht ruft, dann muss ich ihn spüren. Nicht wie früher, um lebendig zu sein, sondern heute auf meine ganz eigene Art; um geliebtes nie ganz sterben zu lassen…

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22. November … das wars mit Weihnachten ausfallen lassen…

Gestern war meine Schwester da. Ich musste ja zum Meeting und brauchte wen für meine Kinder. Wir haben uns kurz unterhalten, unter anderem auch über Weihnachten, da sie wissen wollte, was sich die Kinder wünschen. Hab ihr dann erklärt, dass wir eigentlich gar nicht feiern, sie den Kindern aber trotzdem gern was schenken kann. Hab ihr dann erklärt, dass unsere Wohnung für einen Weihnachtsbaum einfach zu klein ist. Außerdem müsste ich extra alles kaufen, wir haben nicht eine einzige Christbaumkugel. Wofür auch, sonst gab es bei Oma oder Tante immer einen Baum… Und bei der Laune, welche mein Großer zur Zeit hat, würde der Baum ohnehin innerhalb der ersten 24 Stunden durch die Wohnung fliegen. Nö, nicht mit mir! Fang ich erst gar nicht an…

Meine Schwester kam dann auf die Idee, mir ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen. Sie verreist ja über Weihnachten und hat alles nötige für einen Christbaum daheim. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber nachdem sie meinen Bruder gefragt hat, ob er auch kommt und der tatsächlich zugesagt hat, klang die Idee langsam gar nicht mehr so schlecht. Mein kleiner Bruder ist ein ziemlich witziges Kerlchen, hat sich grad von seiner Freundin getrennt und ist umgezogen. Er wusste auch nicht recht, wohin an Weihnachten.

Nun also klappt das wohl doch nicht, Weihnachten dieses Jahr gepflegt ausfallen zu lassen. Aber irgendwie stört es mich heute gar nicht mehr, so wie gestern im ersten Moment. Ich muss mich jetzt zwar etwas beeilen, denn ich hab noch rein gar nichts angefangen. Aber ich freu mich inzwischen auf Heilig Abend. Wird bestimmt lustig. Wie mein Großer schon sagte; dann machen wir eine Party! Mit meinem Brüderchen klappt das bestimmt… 😉

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21. November … weil ich dich lieb, so wie du bist!

So, heute bin tatsächlich mal ich dran; es geht zum Chirurgen, heute hoffentlich endlich der richtige.Dass der Meniskus wieder kaputt ist gilt ja schon als sicher. Die Frage ist ja nur, wie sehr ist er kaputt und bekomm ich den netten Chirurg wieder dazu, das ambulant zu operieren? Wenn ich nicht spätestens abends wieder daheim bin, ist für meinen Großen Polen offen. Da steht ihm irgendwie seine Behinderung im Weg, mir zu vertrauen; wenn ich sag, ich komm wieder, dann komm ich wieder! Selbst der Elternabend in der Schule wird da zum Problem. Er brüllt so lange, bis ich zurück bin. Also, einmal bitte Daumen drücken, damit alles so laufen kann, wie es für uns am besten wäre!

Nachmittag geht es noch zum Meeting in die Arbeit. Offiziell. Inoffiziell wird das wohl wieder „den Anschiss von ganz oben abholen“. Als Dankeschön, dass man jeden Tag, an dem man keine Termine hat, der Arbeit zur Verfügung stellt. Ich glaub, ich könnte jetzt den Blog hier bis Ende des Jahres mit Vorfällen aus meiner Arbeit füllen; Fakt ist, ich werde es sicher nicht tun. Es würde nichts ändern, außer dass ich wohl noch mehr auf den Keks bekomme.

Manches muss man halt hinnehmen. Und mit Geduld aussitzen, bis sich was besseres findet. In einer anderen Situation wäre ich wohl längst weg und hätte mir andere Arbeit gesucht. Aber ein behindertes Kind macht unflexibel und man muss (erst mal) nehmen, was man bekommt. Ich mach ja nicht umsonst für viel Geld nebenbei Schule. Manchmal schon traurig, wie viel dafür getan wird, dass ein behindertes Kind im Heim ohne Probleme betreut werden kann. Es aber keine Unterstützung dafür gibt, sein Kind bei sich Zuhause in der eigenen Familie groß zu bekommen. Da versagt der Staat, da versagen viele, wenn ihr mich fragt. Dafür gibt es Fachpersonal, die kommen im Heim dann schon klar mit meinem Sohn. Mutterliebe wird da wohl überbewertet. Oder liebt dieses Fachpersonal dann meinen Sohn, so wie ich ihn liebe? Und zeigen sie es ihm auch, so wie ich es ihm zeige? Besonders dann, wenn er es am wenigsten verdient hätte? Seht ihr, deswegen ist mein behinderter Sohn Zuhause bei Mutti. Und da wird er auch bleiben, auch wenn das für mich bedeutet, erst mal für Mindestlohn jobben zu gehen…

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