28. Februar … wenn Worte fehlen…

Hier ist es ganz schön still geworden. Ich hatte immer Phasen, in denen ich still wurde, mich zurück zog und ein paar Dinge sortieren ging. Mir war es immer wichtig, zu wissen, wo ich stehe. Nicht auf dieser Welt oder in der Gesellschaft, sondern allein vor mir selbst. Emotionen sind was feines aber manche von ihnen lassen uns manchmal Dinge sagen oder sogar tun, die wir – hätten wir lange genug darüber nach gedacht – so ganz sicher nicht gesagt oder getan hätten. Besonders diese Emotionen haben mir früher viele Wege verbaut, sie blockiert, bevor ich noch wirklich auf ihnen wandelte. Eine Meinung zu haben ist das eine; sie jedem mitzuteilen das andere. Die Menschen sind noch nicht so weit, dass man ihnen einfach alles sagen kann…

Nun, ich stecke seit einer Weile wieder im Schweigen. Bisher war es immer so, dass die Worte von ganz allein kamen und mit ihnen die Veränderung. Denn jedes mal, wenn ch aus der Stille zurück kam, dann durfte ich wieder einen Punkt hinter mir lassen, den ich verstanden hatte. Entwicklung, etwas, das ich sehr geschätzt habe in diesem Leben und mir war eines dabei wichtig geworden; kein Stillstand. Klar, jeder muss mal verschnaufen, ausschlafen, Pause machen aber den absoluten Stillstand, den wusste ich immer zu vermeiden. Besonders, nachdem mein Leben in den letzten 11 Jahren in vielen Dingen Stillstand bedeutete, es war immer Teil meiner Freiheit, mich wenigstens in meiner Entwicklung immer weiter zu bewegen. Aber jetzt, jetzt fehlen mir die Worte. Sie kommen einfach nicht. Es bleibt still, unerträglich still in mir und ich kann regelrecht hören, wie sie laut wird, die Stille. Ich setze an, hebe mein Wort, will gegen sie angehen und sie, sie steht einfach nur da, vor mir und lächelt wissend. Sie lächelt weil sie weiß, dass ich auch diesmal keine Worte finden werde…

Ich war 10 Jahre alt, als ich das Schreiben anfing. Entstanden in dem Moment, wo ich das Tagebuch einer Freundin meiner Schwester kurz halten sollte. In dem unbeobachteten Moment schlug ich es auf und sah unzählige Worte, Zeile für Zeile, Seite für Seite. Und nur zwei davon las ich und sie standen immer und immer wieder auf den Seiten; liebes Tagebuch. Unterstrichen waren diese Worte und jedes mal stand ein Datum in der selben Zeile. Und so fing ich noch am selben Tag an, mit einem Buch zu sprechen. Ich begann mein erstes Tagebuch und schenkte ihm all die Worte, die niemand hören wollte. Meine Einsamkeit, sie war wohl schon immer da. Jetzt, jetzt kann ich nicht mal mehr schreiben und das war doch oft das einzige, was mich noch am Leben gehalten hat…

Und nun steh ich hier, bald 42 Jahre alt und finde keine Worte mehr. Ich sprech schon lang nicht mehr, mit niemanden. Wie es mir wirklich geht, was mir Sorgen macht, wo ich steh; kein Wort verlier ich mehr darüber. Ich merke, wie viel ich die letzten Wochen, Monate, ja sogar Jahre geredet habe und wo hat es mich am Ende hin gebracht? Hier her, an den Punkt, an dem mein Sohn fort ist und ich zurück geblieben bin mit all den Wunden in und an mir, die sein Fortgehen im letzten Jahr geschlagen hat. Mich hat zerstört, was da letzten Sommer passiert ist und vor allem auch, wie man damit umgegangen ist. Es hat mich zerstört, restlos und ich finde für diese Ungerechtigkeit keine Worte mehr. Auch für den Schmerz nicht, die Leere, den Verstand…

Tatsache ist, dass ich sogar an dem Punkt war, an dem ich überlegte, wie ich meinen Großen und mich töten könnte, damit das aufhört. Dieser Zustand, diese Leere, mein Verstand. Ich glaube, das schlimmste daran war, dass ich nicht mal mehr erschrocken bin vor diesem Gedanken. Für mich schien es für einen Moment lang das einzig richtige, was ich noch tun konnte. Und so sehr ich weiß, dass ich es nie tun werde, so süß war dieser wunderbare Gedanke, endlich Frieden zu finden. Ich hab einst über 10 Jahre gekämpft, um Frieden auf dieser Welt für mich zu finden. Kein leichter Kampf, ein langer harter Weg und eine Zeit lang war ich froh, ihn geschafft zu haben. Aber jetzt, jetzt steh ich hier und weiß; Frieden, Frieden finde ich in diesem Leben hier nicht mehr…

Ich weiß, dass ich weiter machen werde, dieses Leben zu Ende bringen werde weil ich es muss. Diese Dinge im Leben, die uns immer wieder passieren, die passieren nun mal so lange, bis wir sie verstanden haben. Immer wieder, immer wieder ein neuer Versuch, immer wieder scheitern, scheitern oft an uns selbst. Bis wir das Richtige tun, bis wir diese eine Aufgabe, die da dahinter steckte, verstanden haben. Was, wenn wir die Aufgabe gar nicht kennen? Ja, was dann? Tja, das ist wohl das schwierige an dem Ganzen; die Aufgabe kennen wir nie…

Ich jedenfalls, ich weiß nun, dass ich nichts von all dem hier in diesem Leben noch mal erleben möchte. Auch nicht die schönen Tage. Denn letztendlich sind das auch nur die Tage mehr, an denen man den Schmerz erträgt…

Bild von David Mark auf Pixabay 

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