10. Dezember … das sind nur Phasen!

Reden hilft! – wie oft habe ich das schon gesagt? Wieder und immer wieder, besonders Menschen, denen wir notgedrungen begegnen und dementsprechend auch mal mitbekommen, wie es bei uns manchmal zu geht. Schon lange hab ich mir angewöhnt, den Menschen offen zu begegnen. Sie quasi drauf vorbereiten, was mein Sohn manchmal so liefert und sie zu bitten, immer einfach zu mir zu kommen, wenn es ein Problem gibt. Die wenigsten tun es…

Was hab ich nicht alles gelernt durch meinen Sohn! Demut, gesund sein zu dürfen, „normal“ zu sein, meinen selbst gewählten Weg immer weiter gehen zu dürfen. Dankbarkeit, für jedes noch so kleine entgegen kommen der Gesellschaft, des Umfelds, unserer Familie. Liebe, für meine Kinder aber auch für mich selbst und trotz allem – immer noch – für diese Welt, auf der wir sein dürfen. Geduld, für all die Menschen um uns herum, die noch so viel wachsen müssen an sich selbst und auch die extra Portion Geduld für meinen Großen, der grade so tief drin steckt, in der Pubertät und sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt. Er mag viel lieber bei seinen Puppen und Teddybären bleiben und mag es gar nicht, dass es ihm langsam peinlich wird. Was erinnert er mich grade an mich selbst, als ich in seinem Alter war! Ich hab die Welt so sehr gehasst, jeden einzelnen Menschen auf ihr, auch mich. Wenn ich in seine wütenden blauen Augen schaue, dann fühle ich die Hilflosigkeit und oft denke ich: nimm ihn einfach in den Arm, das hättest du damals am meisten gewollt – dass dich jemand in den Arm nimmt. Aber das hasst er noch viel mehr, angefasst werden. Und so steh ich vor ihm, fast so hilflos wie er selbst und versuche, ihm all meine Liebe zu geben während er mich zutiefst hasst…

Das sind Phasen – wie oft hört man das als Mutter, als Vater. Das sind Phasen, die gehen vorbei. Ja, das mag sein aber niemand sagt dir vorher, dass danach nur die nächste Phase kommt und noch weniger glaubt man jedes mal, es könnte noch schlimmer kommen. Und jedes mal kommt es schlimmer… Ich hab gelernt, sie auszuhalten, diese Phasen, jede. Und gelernt; es sind Phasen, die gehen vorbei aber wir, wir gehen nicht vorbei. Wir müssen sie aushalten, diese Phasen. Unsere eigenen, die der Anderen. Was hätte ich mir gewünscht, jemand wäre während meinen Phasen standhaft neben mir geblieben, an meiner Seite? Hätte geglaubt für mich, wär aufrecht stehen geblieben für mich, hätte gelebt für mich. Hätte mir die Hände gereicht, mir in die Augen gesehen und mir gesagt: bleib einfach nur stehen, gib nicht nach, gib nicht auf, das geht vorbei! Wie ein Sturm, der an uns zerrt und reißt, bis wir erschöpft fragen, wie lange noch – bis er vergeht! Das versuche ich für meinen Sohn; standhaft neben ihm bleiben, ans seiner Seite, aufrecht. Ihn immer wissen lassen, ich bin bei dir, du hast all meine Liebe, wir schaffen das. Das sind Phasen, die gehen vorbei. Machen Platz für Neue, die auch wieder vorbei gehen. Aber wir, wir bleiben. wir bleiben stehen, immer…

Bild von Franz Bachinger auf Pixabay 

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