31. Oktober … zerbrechen ist letztendlich auch eine Chance!

„… das ist wie bei der Bundeswehr, da wirst du gebrochen und dann neu zusammen gebaut…“

Ja, genau so ist das Leben. Manche fragen sich, wie man so viel aushalten kann. Wie soll man all die Dinge nur ertragen, tragen und überleben? Wie nur soll man aufrecht stehen bleiben wenn einen die Last auf den Schultern immer mehr nach unten drückt, in die Knie zwingt und langsam schwerer wiegt als das, was man eigentlich ertragen kann…

Wie soll man nach vorne schauen, wenn einen der Sturm zwingt, den Kopf zu beugen, nach unten zu sehen, um vielleicht noch seine eigenen Füße zu erkennen. Wie soll man den Weg finden wenn das Licht längst ausgegangen ist und die Dunkelheit einen liebevoll an der Hand genommen hat. Wie soll man seinem Herz folgen, wenn einem an jeder Ecke wer begegnet, der es einem achtlos aus der Brust reißt und sich einen Dreck darum schert, ob man es überlebt. Sag, wie gehen wir weiter, erhobenen Hauptes, wenn wir all den Lügen begegnen und zu spüren bekommen, dass Respekt längst eine Seltenheit geworden ist. Wem glauben wir in all dem Zweifel, wem vertrauen wir, nachdem genau das wieder und wieder missbraucht wurde. Wem folgen wir irgendwann, wenn wir den Weg längst vergessen haben und uns nur noch vage daran erinnern, dass wir immer weiter gehen wollten…

Woran sollen wir glauben, wenn wir von allen Göttern verlassen sind, unsere Gebete ungehört verhallen irgendwo draußen in der finsteren Nacht. Woran glauben wir und was wird uns halten, wenn wir wieder einmal fallen. Und wer glaubt für uns, wenn wir es irgendwann selbst nicht mehr können, wer glaubt für uns und nimmt uns mit. Wer holt uns ab von diesen Momenten im Leben, in denen alles zerbricht und wir kaum zu atmen wagen aus lauter Angst, dieser winzige Splitter, der da grade noch so überlebt hat, könnte auch noch zerbrechen, vergehen… Wer holt uns ab, bringt uns hier fort aus unserer Hölle, geboren aus unseren größten Ängsten und schlimmsten Dämonen. Wer nimmt uns mit, wenn die Angst uns lähmt, unsere Füße uns nicht mehr gehorchen und wir nur noch spüren, wie irgendwas ganz tief in uns drin zerbricht und wir können nichts dagegen tun…

Es gibt vieles im Leben, das uns widerfährt und dann küsst uns das Glück, schickt uns jemanden, der für uns stehen bleiben kann, während wir ins Bodenlose fallen. Aber manchmal, manchmal fallen wir und wissen schon in diesem Moment, dass nichts und niemand mehr uns diesmal folgen kann, folgen wird, bei uns bleibt. Es wird still, sehr still und während unser Leben zerbricht stehen wir machtlos da und fragen diese verdammte Welt; warum, sag, warum machst du das mit mir? Warum zerstörst du all das, was ich so mühsam aufgebaut hab? Und die Welt schaut dich an und schweigt… Mir hat jemand gesagt, dass ich nicht mehr ich selbst bin, seit meinem Sohn schlimmes passiert ist. So kenn ich dich gar nicht, das hörte ich oft in den letzten Wochen. Und dass es schwer werden würde, wieder ich selbst zu werden. Ich nickte und ging weiter meinen Weg, steil bergab, bis ganz nach unten. Und als ich endlich unten angekommen war setzte ich mich einen Moment und hielt inne. Ich sah nicht nach oben, mir war auch so klar, wie weit der Weg da rauf sein wird. Ich schrie nicht mehr um Hilfe, ich wollte längst keine mehr. Ich hielt inne und schwieg und dann, dann entschied ich, nie wieder ich selbst zu werden. Ich wollte nicht mehr so werden wie ich vor diesem Fall war. Ich wollte gar nicht dahin zurück, wo ich her gekommen war und dieser tiefe Fall angefangen hatte. Nein, das will ich gar nicht. Ich war zersprungen, in tausend Teile; nicht durch den tiefen Fall, sondern durch den tiefen Schmerz, der in mir entstanden ist, während ich fiel. Dieser Schmerz auf dem Weg nach unten, der längst vergangen war, bevor ich auf hartem Boden aufschlug. Tausend Teile meiner selbst lagen da, auf trockenem harten Boden und es wäre töricht gewesen, sie zu nehmen und wieder zusammen zu bauen wie ein Puzzle, welches auseinander gefallen war. Ich hab sie beisammen, die die ich finden konnte. Ich hab die Teile beisammen und werde sehen, was ich daraus mach. Mag sein, das Leben hat mich gebrochen aber ich werde einmal mehr nicht das tun, was jetzt von mir erwartet wird. Ich werd nicht einfach wieder brav das werden, was ich mal war. Ich werde lernen; wenn du am Leben zerbrichst, dann nimm deine Teile wieder an dich und mach was neues draus. Vielleicht was größeres, was besseres, vielleicht aber auch einfach nur wieder ein klein wenig mehr ich selbst. Ich werde nicht zu Erfahrungen, ich werde zu dieser einen Entscheidung mehr, die ich jetzt treffe…

Bild von Thorsten Frenzel auf Pixabay 

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