11. Oktober … an dir zerbrech ich nicht!

“ Die schwierigste Zeit in unserem Leben ist die beste Gelegenheit, innere Stärke zu entwickeln.“

Dalai Lama

In den letzten Wochen bin ich durch viele Phasen und manche davon hab ich mit Alkohol betäubt und schweigend hinter mich gebracht. Manchmal hätte ich unglaublich gern geschrien, gebrüllt, einfach nur auf mich aufmerksam gemacht. Hallo, ich bin hier, hier unten, hilf mir! Wie tief ich letztendlich fallen würde war mir eigentlich egal, nur machte ich mir Sorgen, dass mich irgendwann gar keiner mehr hören kann wenn ich zu tief falle. Zwei Dinge haben mich wohl vor schlimmeren bewahrt; ein sehr guter Zockerkumpel, der plötzlich aus dem Nichts wieder auftauchte und mit mir zocken wollte. Es lenkte ab und seine aktuelle Therapie gegen den Alkohol zeigte mir sehr deutlich, wo ich landen würde, wenn ich nicht sofort die Flasche zurück in den Schrank stellte. Ich tat es, investierte ein wenig Geld in ein paar gute Spiele und versuche, Spaß beim Gamen zu haben. Es gelingt…

Wer mich hier ein Stück weit kennt, der weiß, dass ich einen Versuch, mir das Leben zu nehmen, hinter mir habe und mich Jahre danach wieder vor die Entscheidung stellte; willst du sterben oder leben? Sich das Leben zu nehmen muss nicht immer bedeuten, dass man seinen Körper so schwer verletzt, dass dieser stirbt. Manchmal, manchmal stirbt in uns drin zu viel und wir lassen nur unseren Körper zurück, während unsere Seele, unser Geist, unser Herz längst tot ist. Lebensfreude vergeht, jeglicher Sinn geht verloren und wir verlieren jegliche Kraft und doch geht man jeden Tag raus auf ein sinnloses Schlachtfeld – der Kampf gegen sich selbst. Wie lebendig begraben; man weiß, dass es vorbei ist und kann doch nicht sterben. Jahre meines Lebens hab ich in dem Zustand verbracht, nachdem meine Zwillinge damals starben. Jedes verdammt Jahr danach hab ich als nutzlosen Bonus gesehen, den ich nie haben wollte und der mir doch aufgezwängt wurde. Was hasste ich diese Welt! Und genau diese Erinnerungen haben mich jetzt davor bewahrt, innerlich zu sterben. So gern ich es getan hätte, so verlockend und einfach es mir auch erschien, einfach in dieses Loch zu fallen und jegliche Erwartung, da jemals wieder rauszukommen einfach abzustellen – ich entschied mich dagegen. Es ist das Eine, wenn wir all unsere Kraft, unseren Willen und sämtliche Anteile unseres Selbst in diesen einen letzten Kampf gegen uns selbst legen, um zu überleben. Ein schmerzlicher Kampf, einer, der Wunden gebiert die nie ganz vergehen und uns alles abverlangt, was wir noch haben. Ihn zu überstehen heißt letztendlich sich selbst zu überleben und das zu einer Zeit, in der man sich selbst nur noch hasst. Es ist aber was ganz anderes, diesen Kampf zu überstehen, nur um danach an etwas viel kleinerem zu scheitern. Sich selbst überleben und dann an wem anders zu Grunde gehen? Das ist genau der Punkt, mit dem ich in letzter Zeit nicht einverstanden war. Das werde ich nicht zulassen und dieser Gedanke weckt nicht nur Lebensgeister in mir sondern sogar Kampfgeist. Ich weiß, wie sinnlos es ist, immer kämpfen zu wollen. Aber kennt ihr das, wenn ihr einen Gedanken im Kopf habt und dann fats automatisch die Fäuste nach oben gehen, ihr euch kampfbereit macht, nur für den Fall? Da steh ich grade und eine leise Stimme in mir sagt: „Ruhig, ganz ruhig…“ und ich lächel kaum merkbar. „Ich bin ruhig, keine Sorge. Ich bin ruhig. Aber der Sturm, der werde jetzt ich!“

Ich will nicht dankbar sein für diese Aufgabe, die uns da auferlegt wurde. Es dürfte klar sein, dass ich es verhindert hätte, wenn ich es nur gekonnt hätte. Aber ein gewisses Potential hab ich darin erkannt. Wachse daran, so wie du seit Jahren an manch unmenschlichem gewachsen bist oder zerbreche. Mehr Möglichkeiten hat man oft nicht. Mein Lehrer hat mal gesagt: „Wenn wir krank werden gibt es nur zwei Möglichkeiten; wir werden wieder gesund oder wir sterben.“ So einfach und brutal zugleich ist es manchmal; wir bleiben stehen oder wir fallen um. Und egal, wie sehr manches oft tief in uns drin schmerzt; wir haben oft ganz allein die Wahl, wofür wir uns entscheiden. Leben oder sterben. Lebendig bleiben oder innerlich vergehen.

Bild von İbrahim Mücahit Yıldız auf Pixabay 

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