21. September 2020 … Prost!

Heute hab ich mir quasi im Vorbeigehen und ohne nachzudenken beim Einkaufen einen Fruchtsaft mitgenommen. Klar hab ich den auch bezahlt und daheim hab ich mir dann erst mal einen ordentlichen Schuss Wodka dazu gegönnt. Ich bin da nicht sonderlich stolz drauf aber es tat gut…

Hatte ich erwähnt, dass ich einen Termin beim Psychologen in Aussicht hatte? Musste ich ja wegen der Kinder das ein oder andere mal verschieben aber letztendlich hab ich es dann Ende letzter Woche endlich geschafft. Was hab ich da Hoffnung reingelegt! Ich Idiot… Der Psychologe entpuppte sich als Sozialpädagoge und erkannte mein Problem nicht. Ich erzählte ihr von dem Vorfall im Wohnheim, was meinem Sohn dort angetan wurde und diese „Therapeutin“ oder was auch immer wagte es tatsächlich, mir nahe legen zu wollen, dass solche sexuellen Experimente in dem Alter nicht ungewöhnlich seien…

Mir fehlen da noch immer die Worte. Es steht mir scheinbar nicht zu, meinen elfjährigen Sohn so gut zu kennen, um einschätzen zu können, was er will und was nicht. Es steht mir nicht zu, ihm zu glauben und es steht mir nicht zu, an dem, was ihm angetan wurde, kaputt zu gehen. Und zu allem Übel habe ich sogar einen ärztlichen Bericht und einen Brief von der Staatsanwaltschaft und beides bestätigt, dass meinem Sohn was angetan wurde…

Ich kann gar nicht sagen,wie sehr ich nicht mehr mag. Wie sehr mich diese Machtlosigkeit, dieses nichts tun können kaputt macht. In einem Moment lähmt es mich, im nächsten macht es mich rasend vor Wut und letztendlich höhlt es mich langsam aber stetig aus. Egal was ich mache, anfange, suche, will; alles endet damit, dass ich irgendwann plötzlich orientierungslos irgendwo stehe, es ist dunkel um mich rum und ich sehe leuchtende Zahlen auf meinem Handydisplay vor mir. Sie sind weiß, groß und es sind immer die selben; 22:04. Die Uhrzeit, als das Telefon klingelte, mir noch der Gedanke durch den Kopf schießt „Da muss was passiert sein!“ und seither ist nichts mehr, wie es war. Egal wie sehr ich den Kopf schüttel, nein brülle, Wodka in mich rein schütte, die Augen zukneife – ich kann es nicht ungeschehen machen. Als hätte ein Karussell angefangen, sich zu drehen, immer schneller und irgendwann ist es außer Kontrolle geraten und es dreht sich rasend schnell immer weiter. Und ich klammer mich fest, verzweifelt, mit schwindender Hoffnung, dass es irgendwann einfach wieder stehen bleiben wird und dem Wissen, dass es mir das Genick brechen wird, wenn ich einfach los lasse und von diesem wahnsinnig gewordenen sich immer weiter abwärts drehenden Ding abspringe. Ich werd das nicht überleben, das weiß ich. Aber irgendwann, irgendwann werd ich mich nicht mehr halten können…

Manchmal ist vergessen Gnade, denke ich mir. Und schütte noch mehr Wodka rein. Vergessen wäre Gnade. Vergessen…

Bild von Terri Sharp auf Pixabay 

3 Kommentare zu „21. September 2020 … Prost!

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