22. August … ich wollt nie Mensch sein…

Mein Weg war nie sonderlich leicht und ich muss gestehen, das meiste davon hab ich mir selbst schwer gemacht. Ich bin selten den einfachsten Weg gegangen; sondern hab viel zu oft auf das beharrt, was ich haben wollte oder oft glaubte, zum leben brauchte. Letztendlich hab ich mich nur nach dem gesehnt, wonach es jeden sehnt; nach Liebe und vielleicht ein Stück Geborgenheit. Nur hab ich nichts davon ertragen und jeden Menschen, der mir näher kam umso weiter von mir fortgestoßen. Viel zu oft hatte ich Angst, etwas zu verlieren noch bevor ich es überhaupt gehabt habe. Also von vornherein zerstören, denn was ich erst gar nicht bekomm, das kann ich später auch nicht verlieren…

Ich musste viel lernen, sehr viel, um auch nur annähernd irgendwie in der Gesellschaft überleben zu können. Nicht einbringen, mitleben, sondern nur überleben. Mir hat das gereicht irgendwann, ich bin kein Gesellschaftsmensch. Und irgendwann hab ich sogar angefangen, in meinen Abgründen Menschlichkeit zu suchen. Ich hab Menschlichkeit gesucht in meinen tiefsten Abgründen und jetzt finde ich nur noch Abgründe in der Menschlichkeit. Menschen fühlen wohl nur so lange mit einem, bis es weh tut. Dann ertragen sie es nicht mehr und gehen. Lassen dich stehen, allein, mit dem Schmerz, den sie nicht ertragen. Aber der, den dieser Schmerz eigentlich betrifft, der kann nicht gehen. Der steht mit erhobenem Schild und trotzigem Blick und mehr Mut als Kraft da und wartet auf den großen Faustschlag. Und dann kommt der Schmerz, schnippt einen weg und man verliert sein Schild. Egal, man steht wieder auf. Wieder auf die Füße, eine Hand schützend vors Gesicht, noch mehr Trotz, noch mehr Mut, inzwischen vielleicht sogar etwas Wut. Der zweite Schlag, trifft, haut einen um und man fragt sich, ob man das Schild vielleicht noch mal haben kann, welches man vorhin noch hatte. Und irgendwann weiß man, dass der nächste Schlag kommt, das Schild weg ist und man weder Mut noch Trotz aufbringen wird sondern nur noch Verzweiflung und die dumpfe Erinnerung, warum man versucht, stehen zu bleiben. Die Kinder! Tu es für die Kinder…

Ich weiß, wir werden keine Gerechtigkeit bekommen. Wir werden keine Entschuldigung bekommen, nichts. Wir werden einfach nur weiter machen müssen wie bisher. Nur mit mehr Schmerz. Und umso länger ich diesen Gedanken mitnehmen muss, umso mehr Wut und Trotz bekomm ich zurück. Wir leben in einem Land, wo es momentan geahndet wird, wenn man beim Betreten eines Ladens keine Maske aufsetzt. Wenn man aber ein Kind missbraucht passiert nichts. Gar nichts. Nur der Täter wird geschützt. Könnte ja sonst wieder einer kommen und sagen, dass er recht hatte. Könnte ja wieder einer seine Vorurteile gegenüber Ausländern vorbringen und am Ende sogar recht haben damit. Also lieber totschweigen und hoffen, keiner bekommt es mit. Da kämpft man sein halbes Leben, um am Leben zu bleiben nur um irgendwann feststellen zu dürfen; diese Menschlichkeit, die man mir nahe gelegt hat und die jeder gesellschaftsfähige Mensch auf dieser Welt angeblich braucht, diese Menschlichkeit ist der größte Abgrund von allen…

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Bild von MichaelGaida auf Pixabay

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