21. August … warum willst du das überleben?

Eigentlich müsste hier jedes mal 6. August stehen; der Tag, an dem meine Zeit stehen blieb. Mein Sohn steht inzwischen auf der Warteliste für eine Psychosomatische Klinik für Autisten; traurig, dass wir dort jetzt etwa zwei Monate warten müssen, bis was frei wird. Immerhin haben wir Einzelzimmer in Aussicht; wäre er in ein Mehrbettzimmer gekommen würde ich wohl jede Nacht Amok laufen, während ich nicht schlafen kann…

In einer Woche geht endlich der Hort wieder los für meine Kinder. Ich bin sehr froh, dann finde ich vielleicht die Zeit, mir selbst Hilfe zu holen. Uns wurde nach 12 Tagen – und schlaflosen Nächten – vom Jugendamt angeboten, uns in München in einer Sozialpsychologischen Einrichtung vorzustellen. Das Jugendamt war so freundlich, dort schon für uns vorzusprechen und unsere Situation darzustellen. Nachdem das Jugendamt mit den Schuldigen gesprochen hatte wohlgemerkt! Und das finde ich frech. Denn nachdem mein Anwalt bis heute beim Staatsanwalt nicht an die Akte kommt gehe ich davon aus, dass da was ordentlich vertuscht werden soll. Oder – ich sage es jetzt mal frei heraus – der Täter geschützt. Dabei handelt es sich nämlich um einen zehnjährigen schwarzen Jungen. Noch Fragen? Dem armen Täter wird bestimmt längst geholfen, während wir immer noch damit alleine sind. Und nein, nach 12 Tagen bin ich nicht mehr bereit, mich auf irgendwelche psychologischen Fachkräfte einzulassen, die von der Täterseite geimpft wurden. Sicher nicht! Ich werde das an die Öffentlichkeit bringen, was passiert ist; nicht mehr aber auch nicht weniger. Und nur weil jemand Zeit schinden will in der Hoffnung, es interessiert dann keinen mehr, heißt das nicht, dass wir uns nicht wehren werden. Ich kann im Moment nicht mal sagen, wie viel von mir noch übrig ist, so viel Leere spüre ich in mir. Und noch mehr frage ich mich; was ist von meinem Sohn übrig? Wird er irgendwann drüber sprechen? Ich weiß es nicht…

Ich weiß nicht, wie viel Kraft ich irgendwann finden werde, um all diese Anteile in mir zurück zu holen, die da zerbrochen sind und immer noch zerbrechen. Ich weiß zwar jetzt, warum das Leben mich stark werden ließ. Warum ich Schweigen lernte und wie man den Kopf abstellt. Ich hab das alles nur gelernt, um jetzt überleben zu können. Überleben, während das Herz sich fragt, wofür…

mountains-5246545_1920

Bild von Николай Воробьев auf Pixabay

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s