31. Juli … und nach dem Sturm da wird es still…

11 Jahre habe ich drauf gewartet, dass mein Sohn mich in den Arm nimmt. Gestern hat er es getan. Aber nur, um mich festzuhalten, damit ich nicht ohne ihn heimgehen kann. Ich musste nach Hause, zu meinem anderen Kind und ihn, meinen Großen, im Wohnheim lassen. Er hat geweint, gebettelt, gefleht und es hat ihm nichts genutzt. Zum ersten mal in seinem Leben hatte ich sein Gesicht in meinen beiden Händen und er hat sich nicht gewehrt. Er hat mich angesehen mit seinen wunderschönen blauen Augen und hat stumm gefleht, dass ich das hier nicht mache. Dass ich nicht ohne ihn heim geh. Ich weiß nicht, wem es mehr weh getan hat, dass ich am Ende alleine ging, ihm oder mir…

Abends rief er mich an, sprach nicht viel mit mir. War er wütend auf mich oder hatte er auch diesen Kloß im Hals, so wie ich? Ich weiß es nicht. Nachts lag ich wach und hoffte, er kann schlafen, irgendwie. Er weint nicht, so wie ich. Er verzeiht mir, irgendwann…

Es ist so still geworden bei uns ohne ihn. So still und alles fühlt sich an, als wär die Zeit stehen geblieben. Was hatte ich immer Angst, einem meiner Söhne passiert irgendwann was und er ist dann nicht mehr hier. Aber jetzt, jetzt schluck ich meine Tränen runter und denke mir; DAS, eines meiner Kinder ganz verlieren, das könnte ich nie ertragen. Es tut doch schon so weh, dass er jetzt wo anders wohnt…

Und ich bitte heute nur, dass die Zeit doch vergeht und ich am Abend im Wohnheim anrufen kann. Hören kann, dass es ihm gut geht. Spüren kann, dass er noch da ist, wenn auch weiter weg. Und ich hoffe so sehr, ihm tut das grade nicht so sehr weh wie mir. Dass er weiß, wie sehr ich ihn liebe und dass das immer so sein wird, ganz egal wo er ist. Und wie sehr ich mich drauf freue, wenn er uns irgendwann besuchen darf und dann wieder lächelnd ununterbrochen redet. Von der Welt, nicht seiner, nein von der Welt und wie er sie erlebt. Was hat es mich genervt, dass er nie still war und jetzt? Jetzt ist es viel zu still, viel zu still…

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Bild von Susanne Edele auf Pixabay

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