28. Mai … manchmal einfach nur die Klappe halten…

Ihr glaubt nicht, wie oft ich in letzter Zeit für meinen Mut bewundert werde. Erst heute rief die Ärztin von der Klinik an, die meinen behinderten Sohn und mich die letzten Jahre hauptsächlich wegen Medikation begleitet hat. Sie soll einen Arztbrief schreiben wegen der Heimunterbringung meines Sohnes. Ein paar Punkte brachte sie hervor, ob das so ok sei, wenn sie das schreibt. Ich hab es abgenickt, was spielt es noch für eine Rolle? In den letzten zehn Jahren hat mich nie jemand gefragt, ob irgendwas ok für mich ist. Egal wo ich auf Hilfe hoffte, darum bat oder suchte, es ging immer nur um Medikamente oder Heimunterbringung. Dass ich dem Jahre aus dem Weg gegangen bin und es immer wieder abgelehnt habe, das fand keiner mutig, nur schlichtweg dumm. Aber jetzt, jetzt findet man mich mutig weil ich meinen Sohn ins Heim gebe. Mutig?

Ich hab der Ärztin heute am Telefon gesagt, dass das absolut rein gar nichts mit Mut zu tun hat, sondern schlichtweg damit, keine andere Wahl mehr zu haben. Es wäre ganz einfach grob fahrlässig, darauf zu warten, das was schlimmeres passiert. Ich habe da nichts entschieden und Mut für irgendwas aufgebracht. Ich habe einfach nur erkannt, dass es nicht mehr anders geht weil tatsächlich niemand in der Lage ist, uns zu helfen. Und nein, die Heimunterbringung meines Kindes hat mich nicht viel Überwindung gekostet – das kostet es mich immer noch. Wo wart ihr eigentlich alle in den letzten Jahren? Als mein Sohn mit einem Messer auf mich losging, ich in der Klinik um Hilfe bat und man mich nach 30 Minuten mit ihm wieder heim schickte weil er dem Psychologen versprochen hatte, mir nichts zu tun? DAS war mutig, ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Oder ihm zu verzeihen, dass er versucht hat, mir den Arm zu brechen. Über dem Schmerz zu stehen, als er mir mit voller Wucht mit einer Krücke ins Gesicht geschlagen hat. DAS war mutig. Und die dämliche Frage wegzustecken, ob ich meinem Kind wenigstens da endlich mal eine geschallert habe…. Nein, habe ich nicht, im übrigen. Nicht, dass wieder einer fragt…

Ich hab viel Mut aufgebracht in den letzten Jahren. Sehr viel. Das hat nur niemand erkannt. Das muss mir keiner anerkennen; nur bemerken hätte es der ein oder andere dürfen. Jetzt, jetzt ist es kein Mut mehr. Viel mehr hat genau der mich verlassen, diesen Wahnsinn bei uns zu Hause weiter verantworten zu wollen, zu können. Und langsam ertrage ich diese stumpfen Phrasen nicht mehr, die jetzt von allen Seiten kommen. Jahrelang hat es keinen interessiert, wie es uns geht, wie wir das schaffen, ob wir das schaffen. Dann darf man uns jetzt auch gerne in Frieden auseinander gehen lassen. Ich hab nichts entschieden, ich finde keinen Mut mehr. Ich bin lediglich einen Weg zu Ende gegangen, auf dem uns niemand je unterstützt hat. Ganz allein mussten wir diesen Weg gehen; den schlichten Weg, eine Familie zu sein. Keiner ist ihn mit uns gegangen, keiner. Dann werd ich ihn jetzt auch alleine zu Ende gehen. Manche Menschen möchte man einfach nur abstellen können, um sich deren Gerede nicht mehr anhören zu müssen. Und mal nur so am Rande; wenn man nicht so genau weiß, was man sagen soll, dann vielleicht in dem Moment einfach mal Still sein. Weil die falschen Worte oft viel zu viel zerstören…

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Bild von enriquelopezgarre auf Pixabay

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