9. April … zur Zeit haben wir viel Zeit…

… ich hab die Hände im Schoß. Seit Tagen. Wir spielen, basteln, kochen, backen und  nebenher mach ich den Haushalt und die Versorgung und doch liegen meine Hände in meinem Schoß und ruhen. So fühlt es sich an. Erstaunlicherweise werden wir mit jedem Tag ruhiger, friedlicher, entspannter; auch der Große. Drei Wochen sind es nun, seit die Schulen geschlossen wurden und  das ganze Leben bis auf wenige Ausflüge raus in die Natur Zuhause statt findet. In der ersten Woche schlug mir der Große die Wohnung kurz und klein. Die zweite Woche fing er an, überall hin zu spucken. Und in der dritten Woche kam er jetzt zur Ruhe. Und ich bin so dankbar, dass wir grade diese Pause erleben und sein Handeln und Reagieren in Bahnen kommt, die für alle erträglich und angemessen sind.

Mich hat eine Ruhe befallen, welche ich zwar kenne aber selten mehr als einen oder zwei Tage am Stück gelebt habe. Ich bin so ein kleines Energiebündel, immer neugierig; nicht auf das, was andere Menschen betrifft aber immer auf alles, was das Leben zu bieten hat. Oft hab ich eine ruhelose Kraft in mir, welche ausgelebt werden will und die mich manches mal schon umgetrieben hat. Gut, ich weiß immer was damit anzufangen, sie treibt mich voran aber sie macht auch manches mal einfach nicht mehr Halt und treibt mich bis zur Erschöpfung. Auch jetzt haben meine Tage wieder 14 bis 16 Stunden, wo sich alles um die Kinder dreht; der eine steht morgens extrem früh auf, der andere mag abends einfach nicht schlafen. Sie ergänzen sich so wunderbar…

Und jetzt ist diese Ruhe bei uns eingekehrt und sie fühlt sich grade an, als wolle sie bleiben. Ich werd einen Teufel tun und das in Frage stellen oder für selbstverständlich anzunehmen; wir genießen es einfach nur. Wir haben uns damit abgefunden, dass unser aller Leben grade still steht und haben vergessen, was vielleicht gerade alles verloren geht oder versäumt wird. Dafür sind wir dankbar geworden für jeden noch so kleinen Moment, den wir friedlich miteinander verbringen und uns daran zu erfreuen, dass wir wenigstens einander haben. Wie viele da draußen sind grade ganz allein und wie viele davon haben genau das nie gelernt; mit sich alleine sein? Ich weiß wie das ist, ich hab das lange nicht gekonnt. Da geht so eine Isolation, wie sie gerade geschieht, bestimmt an manch Grenze. Wie viele Jahre meines Lebens lag ich abends wach und hab die Stille gefürchtet; diese unvermeidbare Stille, wenn die Welt leise wird und der Kopf anfängt, Fragen zu stellen. Wie sehr habe ich das gehasst? Heute bin ich froh, wenn es abends endlich still wird und ich sauge sie förmlich in mich auf, diese Stille. Diesen Frieden. Und mein Kopf, der ist längst schon still. Stellt nur Fragen, die ich tatsächlich noch an diese Welt habe…

Die Frage „Wann wird dieser Zustand „Corona“ vorbei sein?“ – die stelle ich nicht. Es wird vergehen, so viel ist sicher. Mag sein, es wird nicht mehr alles so, wie es vor wenigen Wochen noch war. Aber vielleicht nutzen wir einfach auch die Zeit und fragen uns selbst; wollen wir es denn wieder so haben, wie es vorher war? Oder ist das jetzt und hier der perfekte Zeitpunkt, etwas völlig neues, anderes zu wollen? Und ist Freiheit tatsächlich allein die Entscheidung, wann ich mit wie vielen wo hin gehen darf oder tatsächlich weitaus mehr? Beginnt Freiheit vielleicht doch in uns selbst und wird uns nie genommen, auch jetzt nicht? Wie viele Fragen habt ihr euch schon beantwortet, seit unser schnelles, bisher gewohntes Leben nahezu still steht? Nutzt du die Zeit?

Was auch immer ihr macht; kommt gut durch diese stürmische Zeit, ich wünsch euch Kraft und eine Hand voll Glaube an eine Zeit danach…

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Bild von annca auf Pixabay

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