23. März … Danke, mein liebes Leben!

Verzicht, Vernunft, Rücksicht… Im Moment scheint uns alles, was uns umgibt, doof. Wir müssen warten, verbringen die Zeit irgendwo eingepfercht und niemand ist sich grade so sicher, was da draußen eigentlich passiert. Jeden Tag neue Zahlen, neue Erkenntnisse aber auch neue, haarsträubende Fake – News und immer wieder aufs Neue irritierende Rundschreiben. Ich bin unendlich dankbar, dass ich trotz allem in meiner Mitte bin und im Moment für mich nur zählt, die Zeit Zuhause für meine Kinder so gut wie nur möglich zu gestalten. Wir haben so unsere Probleme damit, klar; wer hat die zur Zeit nicht? Aber wir haben in letzter Zeit auch wieder die selten gewordenen Momente, in denen meine Jungs sich aufeinander verlassen und sich freuen, einander zu haben. Da werden die Köpfe zusammen gesteckt, getuschelt, gekichert und dann wieder fleißig der Mama Streiche gespielt. Und manchmal erklärt der Kleine dem Großen ein Spiel am PC. Das sind so seltene Momente geworden, in denen sich die beiden zusammen tun und nicht streiten…

Ich versuch selber, diese ganze Krise für uns zu etwas erträglichem aber auch letztendlich sinnvollem zu machen. Wo wir uns hier in letzter Zeit aus dem Weg gegangen sind müssen wir jetzt nicht nur zusammen halten, sondern auch beisammen sein. Und wir nutzen die Zeit, so gut es nur geht. Wir machen uns klar, welche Bedürfnisse wir haben und suchen Wege, jedem die seinen zu erfüllen. Wir lernen gerade, dankbar zu sein. Dankbar für unsere ursprüngliche Freiheit, die uns so selbstverständlich erschien und die man uns erst mal nehmen musste, um sie schätzen zu lernen. Zur Zeit huschen wir aus dem Haus und ins Auto. Fahren an den Stadtrand und gehen von dort aus in den Wald. Am liebsten möchte man gar nicht gesehen werden, fühlt sich leicht ertappt, wenn man doch unterwegs angesehen wird. Wo nur ist diese Freiheit, tun und lassen zu können, was man will? Spontan einfach nur rausgehen, um was zu unternehmen? So reichlich Zeit und außerhalb der eigenen vier Wände kaum Möglichkeiten, sie zu gestalten. Als gebe es kein Kino, keine Indoor Spielplätze, keine Eisdiele, Spielplätze, Fußballfelder… Wie selbstverständlich einem diese Dinge sind und nie überlegt, wie viel Luxus das letztendlich ist. Seit wie vielen Jahren entbehren Kinder in Syrien, Teilen Afrikas oder anderen Orten dieser Welt solche Sachen? Und wie vielen davon sind sie völlig fremd? Kinder, die sich aus Lumpen einen Fußball zusammen flicken und ihr Glück kaum fassen können, wenn sie auch noch passendes Material finden, um sich ein Tor kennzeichnen zu können. Und wir? Sind empört und können es kaum fassen, dass man selbst Spielplätze absperrt. Das ist nicht frech, das ist notwendig und wenn man einen Moment lang drüber nachdenkt, dann ist es Zeit für Demut. Inne halten, sich mal bewusst werden, in welcher Fülle, welchem Reichtum wir eigentlich Leben und was wir alles inzwischen für selbstverständlich halten…

Mag sein, die Politiker machen nicht immer genau das, was wir uns wünschen. Und auch jetzt haben sie durchaus Fehler gemacht. Aber im Moment suchen sie auch sehr viele Wege, jedem einzelnen zu helfen. Vielleicht ist es auch mal an der Zeit, annehmen zu können, dankbar zu sein und diese Erfahrung so für sich verarbeiten zu können, dass man auch daraus etwas mitnehmen kann. Demut, Zufriedenheit, Dankbarkeit und etwas ganz wertvolles; Zeit! Zeit, die man grade zur Genüge mit sich selbst verbringen kann. Vielleicht jetzt einfach mal ganz bewusst. Sich selbst mal wieder ein paar Fragen beantworten. Was wir zum Leben wirklich brauchen zum Beispiel und wo Unzufriedenheit anfängt, wenn man eigentlich alles hat. Vielleicht wird einem da mal was bewusst, wenn man plötzlich nicht mehr alles einfach im Supermarkt – Regal findet. Einfach mal drüber nachdenken, wie verwöhnt man eigentlich schon ist und wie selten man gedankt hat für das, was man eigentlich alles hat…

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Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

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