9. März … danke für nichts!

Heute vor 41 Jahren begann mein derzeitiges Leben. Ich weiß, ich war nicht immer gut zu dir und ich weiß, ich hab viel, sehr viel falsch gemacht. Ich hab vertraut, als es der größte Fehler war und denen misstraut, die es gut mit mir meinten. Ich hab lange, sehr lange nach Liebe gesucht und sie abgelehnt von denen, deren Liebe mir nicht gut genug erschien. Manches mal hab ich mit Füßen getreten, was man mir vor selbige legen wollte und mit der Hand sehnsuchtsvoll nach dem gegriffen, was mir unmöglich war. Während ich nach Gerechtigkeit verlangte wurde ich ungerecht und während ich kämpfte, gab ich mich selbst auf. Ich war voll von diesem Zwiespalt in mir selbst und die meiste Zeit voller Wut und Hass. Seit inzwischen 11 Jahren hab ich diese Dinge abgelegt und angefangen, ein um die andere Wunde in mir zu heilen. Ich küss sie fort mit meiner Liebe zu mir selbst und lass gehen, was längst nicht mehr zu mir gehört und nicht mehr ich bin. Es war und ist ein schöner  aber auch schwerer Weg, der mich aber stark und mit Liebe und Demut reich gemacht hat….

Es hat mich gelehrt, dass man im Leben um nichts kämpfen muss weil das, was zu einem gehört auch zu einem kommt und alles andere nicht für einen gemacht ist. Und doch stehe ich heute mehr denn je hier und kämpfe; kämpfe allein um den Boden unter meinen Füßen; dass er hält, nicht wegbricht, mir nicht den Weg ins bodenlose frei macht. Das, was mir unausweichlich erschien, das wird gerade zu unserem Teufelskreis und ich weiß gerade nicht, wie ich da wieder rauskommen soll. Die Entscheidung, meinen Sohn in ein Wohnheim zu geben war sehr sehr schwer für mich und tobt bei jedem Gedanken daran wie ein Sturm durch mich und zerstört. Er rüttelt an meinem Glauben, an meinen Mauern, an meinem blutenden Mutterherz und ich kann jedes mal nur hoffen, er reißt nichts davon gänzlich ein…

Ich sollte Dinge tun wie klären, ob wir in unserer Wohnung zu zweit bleiben können, da sie im Moment vom Amt bezahlt wird. Mehr denn je brauch ich einen Job, denn wenn mein Großer erst mal weg ist werden wir hier gnadenlos in der Wirklichkeit aufschlagen finanziell. Es gibt genug, worum ich mich kümmern sollte und ich habe es inzwischen realisiert aber jedes mal, wenn ich auch nur ansatzweise irgendwas davon angehen will, kommen mir die Tränen und in mir drin blockiert sich alles. Ich dachte immer, ich bin stark; vielleicht, weil es mir ständig irgendwer gesagt hat. Aber dafür, mein Kind wegzugeben, dafür bin ich nicht stark genug. Dafür bin ich definitiv zu schwach.Das ist eine Grenze, die ich mit Sicherheit nie finden wollte. Nicht in mir, nicht auf dieser Welt…

Nun hatte ich mich ja endlich mal wieder aufgerafft und erlaubt, mir was zu gönnen; einen kleinen Ausflug nach München hatte ich geplant. Allerdings schlägt dort grade dieser Corona – Virus so groß an, dass ich entschieden hatte, doch mit dem Auto zu fahren. Morgen sollte es losgehen und ich war froh, heute noch auf die Schnelle einen Termin bei meinem Mechaniker bekommen zu haben. Wir hatten geglaubt, die zweite Zündspule hätte sich jetzt auch noch verabschiedet. Leider stellte sich heraus, dass es der Zylinder selber ist. Die Reparatur übersteigt meine Möglichkeiten. Wird also nichts mit München und einen Job zu bekommen wird ohne Auto auch immer unwahrscheinlicher…

Es ist für mich absolut ok, mein liebes Leben, dass du deinen Preis forderst für all die Jahre, wo ich dich schlecht behandelt hab. Als ich das erste mal sterben wollte, war ich 19 und es überlebt zu haben war für mich Anlass, all die Jahre nach meinem Selbstmordversuch als Bonus zu sehen. Ein Bonus, den ich nie haben wollte. 22 Jahre Bonus inzwischen und in den letzten Jahren war ich sogar froh drum. Aber jetzt, jetzt werden deine Rechnungen langsam teuer, liebes Leben. Teuer und schneiden weiter ein, als ins Fleisch. Und wenigstens heute, an meinem Geburtstag hättest du mal damit aufhören können. Ich nehm dir das grad ein wenig übel; aber nur ein wenig. Wir alle ernten, was wir säen und ich muss lernen, dass ich im entscheidendem Moment nichts gesät habe. Ich werde auch das überstehen, ich weiß nur noch nicht wie…

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Image by Enrique Meseguer from Pixabay

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