1.März … mancher Leute Sorgen möchte man haben…

Heute waren wir im Wald, spazieren. Bei blauem Himmel und strahlender Sonne, schön wars. Daheim im Garten hab ich dann mit dem Großen noch eine Runde Fußball gespielt. Und natürlich hat mein Sohn wieder den Fußball auf das Garagendach gekickt. Ich hab es aufgegeben, die Bälle dort wieder runter zu holen; der Boden ist überall uneben, es sind ältere Garagen mit einem Dach, das nicht wirklich trägt und eine Schräge hat. Mit der Leiter kommt man kaum hoch und es ist jedesmal ein sehr wackeliger Akt. Jedenfalls versuchte ich gekonnt, diesen Ball da oben zu ignorieren; wir haben ja mehrere und der Gärtner, welcher regelmäßig das Garagendach säubert, wirft uns die Bälle wieder runter. Es dauerte nicht lange, da klingelte der Nachbar mit einer Leiter unter dem Arm; ich möchte doch rauskommen und den Ball da runter holen. Ja klar, unbedingt. Mit meinen zwei Kindern an der Backe muss ich da jetzt schnell schnell dringend hoch steigen. Er gab nicht nach und so kletterte ich an der Garage rum, bis der Ball wieder unten war. Und es folgte das übliche oberflächliche Gespräch über die Launen meines Kindes. Aber heute schnitt ich ihm das Wort ab, unserem Nachbarn. Ich erklärte ihm, dass in ein paar Wochen die lang ersehnte Ruhe eintreten wird, nach der sich hier scheinbar jeder sehnt. Wenn mein Sohn erfolgreich in einer Wohngruppe untergebracht worden ist, dann wird es hier ruhiger, versprochen…

Etwas irritiert hat er mich dann schon angesehen, der Herr Nachbar. Und dann meinte er: „Aber dann haben Sie ja wahrscheinlich auch weniger Geld, wenn der weg ist!“ In solchen Momenten bin ich echt froh, dass einen die Welt langsam abgehärtet hat und man sich über nichts mehr wundert oder gar nach Luft schnappt. Ja, Herr Nachbar, ich geb meinen Sohn aus meiner Obhut nach fast 11 Jahren und alles, was mir daran Sorgen macht ist die Tatsache, dass ich dann weniger Geld haben werde… Logisch, was sonst?!? Wen interessiert das schon, dass mein Kind fort sein wird, ich nicht mehr erlebe, wie er durch die Pubertät erwachsen wird und sich sein Weg entwickeln wird. Ich werd bei vielen Dingen nicht dabei sein und die schönen Momente, die wir immer hatten und auch immer noch haben zwischendurch, die werd ich alle verpassen. Aber hey, alles halb so wild aber die Kohle! Die Kohle wird ohne ihn echt knapp… Und für alle, die wieder gar nichts verstehen – das ist Ironie! IRONIE!!!

Ich frag mich ja langsam, ob es da draußen irgendwen gibt, der mich ein klein wenig verstehen kann. Der ungefähr weiß, wie es mir grade geht. Ist irgendwer da draußen, der nicht froh ist, wenn mein behindertes Kind endlich weg ist? Er keinen Lärm mehr macht, stört, auffällt, nervt? Ja er ist laut, sehr laut manchmal. Er kann ordentlich nerven und bekommt vieles nicht so hin, wie es andere gern hätten. Aber verdammt noch mal, er ist mein Sohn. Er wird hier geliebt, bedingungslos und er wird hier vermisst werden, jeden einzelnen Tag. Ich weiß, ich steh das auch noch durch, versprochen! Aber eine nette, humane Reaktion auf unsere Situation hier, das wäre tatsächlich was schönes gewesen. Bisher kam nur „Oh wird dann schön ruhig hier, was?“ oder „Cool, dann kannst endlich wieder normal arbeiten gehen.“. Mein persönlicher Favorit; „Na wird aber auch Zeit…“. Mal ehrlich, ich bin auch kein Empathiefetzen rund um die Uhr aber es gibt Momente, da ist etwas Menschlichkeit echt angebracht. Muss nicht viel sein aber vorhanden, vorhanden sollte sie sein. Und ich wünsche niemandem, dass er irgendwann eine solche Entscheidung – nämlich sein Kind aus dem Haus geben zu müssen – treffen muss. Und jedem, dem es nicht erspart bleibt wünsche ich wenigstens einen Menschen, der ihn einfach nur in den Arm nimmt. Das ist die Kehrseite, wenn man immer stark ist. Die Menschen um einen rum härten mit ab; sie gehen einfach immer davon aus, dass es einem nichts ausmacht. Dass man alles einfach wegsteckt und wie immer alleine damit klar kommt. Ja, komme ich, keine Sorge. Nur die dummen Kommentare, die müssten nicht wirklich sein. Manche Menschen denken keinen Moment nach, bevor sie den Mund aufmachen…

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Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay

5 Kommentare zu „1.März … mancher Leute Sorgen möchte man haben…

    1. Danke der Nachfrage; die Zeit ist etwas anstrengend für uns alle. Jeder Tag droht ein Kampf zu werden und fast jeden Tag geht etwas zu Bruch. Diese Corona – Ausnahmesituation ist besonders für meinen Großen, der wirklich sehr strukturierte Tagesabläufe braucht, die Hölle. Und wir alle befinden uns mit ihm notgedrungen darin. Wir freuen uns sehr, wenn die Zeit vorbei ist. Ich hoffe, Dir und Deinen Lieben geht es gut!

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      1. Es freut mich das ihr Stark seit und das wird ihr auch brauchen. Es wird für mich schwierig zu glauben was gerade passiert. Ich befinde mich in Hamburg und meine Liebste in Hannover bevor das alles ausbrach waren wir fast soweit zusammen zu ziehen. Mist.

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      2. Die Zeit wird kommen, ganz bestimmt. Es gibt für alles eine Zeit und so schwer es im Moment scheint, es wird auch eine nach Corona geben! Ich wünsche euch viel Kraft für die Zeit und bleibt gesund!

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      3. Du und alle Deine Nähe stehenden auch. Ich beschäftige mit den Blog schreiben. Bin noch nicht lange hier m ,Es bringt mir hier viel Spass habe auch schon geblockt. Das nächste Thema wird sich um Corona unser Regierung Merkel drehen.

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