26. Februar … Schuld ändert nichts!

Es gibt derzeit einiges, worüber ich mich tierisch aufregen könnte und ich bin so dankbar, dass ich es nicht muss! Herzhaft lachen musste ich heute sogar schon, als ich erfahren habe, warum die Nachbarn ausziehen. Ja genau, die über uns. Die Nachbarn, die aus unserer 3 – Zimmerwohnung zwei Zimmer gemacht haben, da das hintere Kinderzimmer nachts unbewohnbar ist. Weil ein Erwachsener nachts dort oben drüber so rumbrüllt, dass man jedes Wort versteht und manchmal noch dermaßen poltert und trampelt, dass man manchmal befürchtet, er kommt bald durch die Decke durch nach unten…

Sie ziehen aus weil mein behindertes Kind zu laut ist. Tagsüber. Während ihnen selbst das Wort Nachtruhe absolut fremd ist, während wir diese seit Jahren einhalten, trotz allem. Und es ist nicht so, dass sich mal einer der Nachbarn bei uns beschwert hätte oder so. Nö, man hat kein einziges mal etwas zu uns gesagt. Und das, obwohl ich anfangs, als sie einzogen, direkt hingegangen bin und erklärt habe, was bei uns los ist. Dass man meinen Sohn, der sehr laut werden kann, wenn ihm was nicht passt bestimmt mal zu hören bekommen wird. Oder er sie auf seltsame Art und Weise ansprechen könnte, was beides mit seiner Behinderung zusammenhängt. Von Anfang an hatte ich darum gebeten, einfach mit uns zu reden, wenn irgendwas sein sollte. Es kam nie was. Heute hab ich erfahren, dass sie mit uns zu viel Stress hatten – von dem ich nicht mal was weiß – und deswegen ausziehen werden. Schade eigentlich, dass sie nie erfahren werden, wie sehr ich mich freue, wenn sie weg sind…

Reden hilft, sag ich immer. Auch ich rede zur Zeit mehr als sonst. Mir geht das nahe, was gerade bei uns passiert und ich muss zur Zeit an vielen Ecken einiges erklären, regeln und klar stellen. Nur eines werd ich sicher nicht mehr; mich rechtfertigen. Wer mich fragt, warum ich es soweit hab kommen lassen, der kann gerne eine Auflistung haben von den Adressen, wo ich um Hilfe gefragt habe. Und zuletzt, als mein Sohn mit dem Messer auf mich losgehen wollte und ich direkt zur Psychosomatischen gerannt bin. Was war da passiert? Man redete 2 Stunden auf meinen Sohn ein, dass man das nicht darf. Und danach schickte man mich mit ihm nach Hause, er würde uns nichts tun, das habe er dem Psychologen versprochen. Da frage ich mich, wer hat es wirklich so weit kommen lassen? Wer? Als der Psychologe damals zum Abschied meinte, vielleicht sollte ich doch mal über ein Wohnheim nachdenken, da fragte ich ihn, ob mein Sohn nicht zu allererst mal in eine Psychiatrie gehöre. Immerhin wollte er mich grade abstechen. Nein, mein Sohn wurde mir einfach wieder mit nach Hause gegeben. Und ich war mir nicht sicher, ob das normal ist; aber musste es ein Psychologe nicht besser wissen als ich? Nein, ich werde mich nicht mehr rechtfertigen. Ich werde auch keinen Psychologen mehr fragen, sondern nur noch das Jugendamt machen lassen. Mit mir einen guten Platz finden. Was danach kommt werd ich ohnehin mit mir selber ausmachen müssen. Aber erklären werde ich niemandem mehr, was die letzten 10 Jahre auch niemanden interessiert hat. Und Vorwürfe werden inzwischen gekonnt ignoriert. Wenn es jemanden gibt, dem ich Rede und Antwort stehen muss, dem ich irgendwas schuldig bin, dann sind das meine Kinder und mein Gewissen; sonst niemand. Und wenn bei uns hier so etwas wie Normalität einziehen wird, nachdem mein Sohn ausziehen musste, dann werde ich an einigen Stellen dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Die ganze Wahrheit. Zwar werde ich damit kein Recht für uns mehr bekommen, denn nichts wird mir die Zeit zurück drehen und es wieder ermöglichen, dass mein Sohn bei mir leben kann. Aber ich wünsche mir zutiefst, dass Menschen, die Hilfe suchen, so wie wir es getan haben, diese auch bekommen. Wirklich bekommen und nicht allein gelassen werden wie wir bis zu einem tragischen Ende, das allen weh tut. Es geht nicht um Schuld oder darum, einen Schuldigen zu finden. Sondern um viele Fehler, die gemacht wurden und bei anderen Menschen, die einen ähnlichen Weg wie wir gehen vielleicht vermieden werden können. Es ist ohnehin schwer, einen Menschen mit großem Handikap Zuhause zu betreuen; erst recht, wenn man als Elternteil damit alleine ist und ganz nebenbei noch „normalen“ Geschwisterkindern gerecht werden sollte. Wenn man dann aber auch noch auf der Suche nach Hilfe überall scheitert und weiter geschickt wird weil sich niemand so wirklich zuständig fühlt oder dem ganzen gewachsen, dann kann das fatale Folgen haben. Ich als Laie zum Beispiel, ich war dem auch nicht wirklich gewachsen und doch musste ich. Ich hab Fachleuten vertraut und sehe jetzt, wo es uns hingebracht hat. Ich glaube, das war einer meiner größten Fehler. Sicher nicht mein einziger aber mein größter…

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Image by 024-657-834 from Pixabay

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