20. Februar … das Schlimmste auf dieser Welt…

Am Kennedy Airport führte ein Journalist mal eine Umfrage zum Thema durch:
„Was denkst du, was ist das Allerschlimmste auf der Welt?“
Die Menschen sagten: Krieg, Armut, Verrat, Krankheit….
In der Flughafenhalle war auch ein Zen-Mönch, Sung San. Der Journalist, als er das buddhistische Gewand bemerkte, stellte dem Mönch die gleiche Frage. Der Mönch antwortete aber eine Gegenfrage:
– Wer du bist?
– Ich, John Smith.
– Nein, es ist ein Name, aber wer bist du?
– Ich bin ein Fernsehreporter für so und so ein Unternehmen.
– Nein. Das ist ein Beruf, aber wer bist du?
– Ich bin ein
Mensch ! ..
– Nein, das ist deine biologische Spezies, aber wer bist du?
Der Reporter erkannte schließlich, was der Mönch damit meinte und erstarrte mit offenem Mund, da er nichts sagen konnte.
Der Mönch sprach :
„Genau das ist das Allerschlimmste auf der Welt – nicht zu wissen,
wer du bist„ ….
Unbekannter Verfasser
Mir wurde auf ähnlich harte Art und Weise einst vorgeführt, dass ich keine hatte, wer ich bin. Bei mir war es kein Mönch, sondern irgendein Typ, den ich beim Trampen aufgegabelt hatte und wir gingen ein Stück unseres Weges gemeinsam; beim Trampen, nicht im Leben, wir haben uns nach den wenigen Stunden nie wieder gesehen. Allerdings haben wir die ganze Zeit über ein sehr intensives und für mich lehrreiches Gespräch geführt. Zwar konnte ich damals nichts damit anfangen, außer dass ich rebellischer wurde, als ich ohnehin schon war, aber das Gespräch versatnd ich Jahre später und erinnere mich noch heute daran…
„Mach mal den Mund auf“, hatte er gesagt und war stehen geblieben. „Mach den Mund auf!“, forderte er ein weiteres mal auf und mein Mund klappte gehorsam auf. „Siehst du, du tust was ich sage. Ich meinte aber, dass du dich wehren sollst. Sagen sollst, was dich stört. Äußern sollst, was dich bedrückt. Nur so kann man dich verstehen und vielleicht sogar helfen!“, hatte er gesagt, nachdem er erst mal herzhaft gelacht hatte. Ich war ihm nicht böse, zu keiner Zeit, obwohl er teilweise gnadenlos ehrlich zu mir war. Und das, obwohl wir uns nicht kannten. Als unsere Wege sich trennten, rief er mit erhobener Hand „Finde raus, wer du bist!“ und ging fort. Ich wollte lachen, denn warum sollte ich das bitte tun? Ich würde ja schließlich wohl am besten wissen, wer ich bin. Oder? ODER???
Ich wusste es nicht und diese Tatsache tat irgendwo tief in mir weh. sehr weh. Ich war zwar noch sehr jung, 16 oder 17 denke ich, aber ich konnte nicht mal die Frage beantworten, was ich wollte, was mir gefiel und was nicht. Ich war innerlich meistens genauso leer wie mein Geldbeutel und WENN irgendwas tatsächlich meinen Kopf durchwanderte, dann höchstens der Dunst von irgendeinem Joint. Aber lassen wir das Thema, das wird zu umfangreich. Jedenfalls fing bei mir die Phase des Nachdenkens nun richtig an. Wie bis dahin zwar auch nicht zukunftsorientiert oder dergleichen; nein es war eher rein philosophisches Denken. Worüber sich manch einer gewundert haben mag – manchmal auch ich selbst – was da in jungen Jahren an Weisheiten aus mir raussprudelte. Tatsache ist aber, dass ich erst Jahre später, als mein Vater überraschend starb, angefangen hatte, mich zu hinterfragen. Die Neugier in mir selbst war geweckt, herauszufinden, wer ich bin. Als mein Vater dann plötzlich für immer von dieser Welt verschwand, da wurden diese Fragen noch intensiver, wichtiger und vor allem all meine Antworten darauf ehrlicher. Ich wusste also irgendwann tatsächlich eine Antwort darauf zu geben, wer ich bin. Ich ahnte damals zwar zu keiner Zeit, dass da der wohl weit größere Teil meines selbst noch fehlte und war erst mal zufrieden damit. Erst seit ich die Dunkelheit in mir selbst wieder zulasse, mit ihr lebe und sie anerkenne als Teil meiner Seele, weiß ich auch wirklich, wer ich bin. Manchmal reicht es eben nicht, sich selbst Fragen zu stellen und Antworten darauf zu geben. Manchmal müssen wir auf Wege gehen, die uns unergründlich und so fern von unserer Norm erscheinen, nur um uns genau dort selbst zu begegnen. Also, wer bist du? Und wenn du mir nicht wenigstens deinen Namen nennen kannst, deinen richtigen Namen, der dich durch all deine Leben begleitet von Anbeginn deiner Zeit, dann wirst du meine Frage nicht beantworten können… 😉
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Image by Alain Audet from Pixabay

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