12. Februar … nicht jedes Geschenk muss man annehmen…

Wahrheit oder Pflicht – kennt ihr das Spiel? Es geht darum, sich zu entscheiden, ob man eine Frage von seinem Gegenüber mit absoluter Wahrheit beantworten will oder lieber eine Pflicht erfüllt. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals dieses Spiel gespielt zu haben. Ich weiß nur, dass ich mich eine Zeit lang so gefühlt habe. Lieber irgendeine Pflicht – und sei sie noch so bescheuert oder hart – erfüllt, als noch jemanden mit der Wahrheit zu verletzen. Jeder will immer nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit und dann heulen sie rum, wenn man sie ihnen tatsächlich sagt. Irgendwann hab ich angefangen, einfach zu schweigen. Wenn man Menschen lange genug anschweigt gehen sie von allein. Oder werden still. Manchmal beides…

Auch das hat nur wieder zu Streit, Missverständnissen und sonstigem geführt. Erst seit ich aufgehört habe, diesen einen Wunsch zu haben – Teil von diesem Ganzen zu sein – ist es gut. Es interessiert mich nicht mehr, ob ich irgendwo dazu gehöre. Ob ich für irgendwen da draußen genug bin; gut genug. Und wenn ich jetzt mal direkt werden darf; es interessiert mich einen Scheiß, was andere von mir denken. Das hat mich viel zu lange interessiert. Ich schweige lieber weil ich kein Gegenüber zum Reden habe, als zu schweigen weil ich nicht sagen kann, was ich denke. Und mittlerweile ist es mir auch völlig egal, dass mich diese Einstellung meine Familie kostet. Familie sucht man sich ohnehin nicht aus. Mir hat jemand gesagt, dass er es gerade deshalb schön findet, einander zu kennen weil man sich sonst nie begegnet wäre. Meine Familie besteht aus Menschen, die nie miteinander zu tun gehabt hätten, wären wir nicht Brüder und Schwestern, Vater, Mutter. So wenig haben wir miteinander zu tun und so weit hat uns das Leben voneinander entfernt. Ok, dachte ich mir, so kann man es auch sehen und ich versuchte diesen Weg zu gehen. Meine Familie als Geschenk zu sehen; eines, welches ich unter anderen Umständen nie bekommen hätte. Und was soll ich sagen; dieser Gedanke hat mich nicht weiter gebracht. Ehrlich gesagt keinen Millimeter. Im Gegenteil. Ich weiß jetzt, dass ich für mich selbst recht hatte; niemand muss Menschen als Geschenk betrachten, die einfach keinen Platz in seinem Leben haben. Und falls sich jemand fragt, warum sie keinen Platz in meinem Leben fanden; man hat mir in ihrem Leben keinen gegeben…

Für mich war in letzter Zeit das beste Geschenk, mein Handy zu verlieren. Da hat sich die letzte Spreu vom Weizen getrennt für mich. Und ich werd einen Teufel tun und zusehen, dass ich dieses Teil wieder bekomme. Ich bin inzwischen froh um jede Nummer, die ich mit ihm verloren habe. Noch nie war ich mir selbst und alleine mehr genug. Noch nie. Ich hab meine größte Angst besiegt; die Angst vor dem Alleinsein. Schon lange kann ich allein sein. Aber inzwischen macht es mir nichts mehr aus, zu wissen; du bist ganz auf dich alleine gestellt. Da ist kein Netz mehr, kein doppelter Boden, irgendeine Reißleine. Du bist allein, egal was kommt. Und das löst in mir nichts mehr aus. nichts, außer die Erkenntnis; ich weiß und ich werde es trotzdem schaffen!

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Image by Laurent Verdier from Pixabay

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