27. Januar … bleib nur nie stehen…

… und so geht jeder seinen Weg. Mal laut, mal leise, mal schnell, mal geduckt. Manchmal im Regen, oftmals im Schatten, wie oft mit mehr Hoffnung als einem guten Plan? Wie oft mit dem letzten, was man hat…

Wir lachen viel zu lange, während in uns drin längst etwas zerbricht. Wir bleiben tapfer aufrecht stehen, obwohl die Kraft längst fehlt und es uns nur noch danach sehnt, endlich in die Knie gehen zu können. Wir kämpfen, bis zum bitteren Ende, manchmal obwohl wir längst wissen, wie sehr wir verloren haben. Aber das ist wie eine gute Hand beim Poker; die gibt man nicht einfach auf und irgendwann hat man auch zu viel gesetzt, um einfach so die Karten hinzuwerfen…

Manchmal verwehren wir uns selbst Tränen, die endlich fortwaschen würden, was uns quält. Aber wir schlucken weiter, schweigen still und versuchen, wenigstens ein kleines Lächeln hinzubekommen. Ein kleines nur, für mehr fehlt längst die Kraft…

Und wenn wir uns ansehen, vor dem Spiegel stehend, die Falten ignorierend, die wässrigen Augen und das verräterische Rot und mit dem Handrücken die Spuren aus unserem Gesicht wischen. Wenn wir uns ein weiteres mal mit tiefem Blick in unsere eigenen Abgründe schauen und wieder mal einmal mehr selbst versprechen; ich bring dich hier raus, ich bekomm uns hier durch, wie immer! Und wir dieses Flüstern in uns zu ignorieren versuchen. Dieses Flüstern, welches uns sagt; ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, bring mich nach Haus…

Wie oft schließen wir die Augen, nur um nicht mehr zu sehen. Erschöpft, entmutigt, verloren. Wenn wir tief in uns drin nach unserem eigenen Herzschlag suchen und uns für einen Moment nicht mal mehr sicher sind, ob er noch da ist. Und dann finden wir ihn, in eine dunkle Ecke gedrängt wie ein verschrecktes, gejagtes Kaninchen. Wir wagen kaum zu atmen, um besonders leise zu sein, voller Hoffnung, ihn dann wieder zu hören; unseren Herzschlag, diesen Takt unseres Lebens, aus dem wir manchmal geraten…

Warum sieht das bei jedem anderen so einfach aus, dieses leben? – fragen wir uns, während wir jedes Detail ignorieren. Wer weiß das schon, wie viel hinter jeder einzelnen Fassade Mensch steckt. Wie viel Tränen, Schmerz, Fleiß, Disziplin, Reue, Angst in jedem von uns steckt – oder auch nicht. Wer hinterfragt schon den Preis, wenn man neidet? Wen interessiert, wie lang der Weg war bis hin zum Erfolg, wie teuer, schwer und einsam?

… so geht jeder seinen Weg und versucht, zu lächeln. Versucht, weiterzugehen, seinen Weg, irgendwie…

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Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

3 Kommentare zu „27. Januar … bleib nur nie stehen…

  1. Oh, über dieser eisigen Landschaft scheint ja doch noch die Sonne …. Und in diesen ehrlichen Worten steckt noch so viel Hoffnung und Leben. Es scheint so, als ob darin etwas Höheres, Helleres, Lichteres spricht, was also offen ist für die „Hilfen“, die kein Mensch zu geben vermag und wir selbst uns auch nicht. ⛅🌈🌹

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