19. Januar … lebst du manchmal, während du stirbst?

„Manche Leute behaupten, es gäbe kein Leben nach dem Tod“, sagte ein Schüler.                 „Tun sie das?“ fragte der Meister.                                                                                                       „Wäre es nicht furchtbar zu sterben, ohne jemals wieder zu sehen, zu hören, zu lieben oder sich zu bewegen?“                                                                                                                         „Findest du das furchtbar?“ erwiderte der Meister. „Das ist doch bei den meisten Menschen so, noch bevor sie sterben.“

Aus dem Buch „Gib deiner Seele Zeit“ von Anthony de Mello

Angst vor dem Tod hatte ich nie. Vor dem Sterben vielleicht aber sicher nicht vor dem Tod. Nur wenn man lange genug darüber nachdenkt, was einem letztendlich alles entgehen könnte, wenn man jetzt sterben müsste, könnte einen kurz nervös machen. Kurz; denn sind wir mal ehrlich: für wie viele Dinge, die wir in diesem Moment noch so gern gemacht, erlebt und uns gewünscht hätten, wäre längst Zeit gewesen? Was davon – von unserer „to-do-Liste“ – steht auf selbiger schon ewig geschrieben, es wäre ein leichtes gewesen, es einfach irgendwann zu tun und wir haben nur einfach nie damit angefangen?

Wie viel haben wir nicht gesehen, weil wir mit offenen Augen blind waren für die Schönheit dieser Welt? Wie oft haben wir wohl einfach nicht gesehen, wie nah dran wir waren am Glück, am Ziel, an unserem Traum? Aber wir waren ja viel zu beschäftigt, voller Zweifel und umgeben von Menschen, die nie an uns glaubten…

Wie oft haben wir wohl nichts gehört nur weil die Worte nicht in unser Denken passten? Wie oft blieb es still weil wir anderen ihre Meinung verboten haben, wir um Ruhe gebeten haben oder uns ganz einfach abgewendet haben von jedem, der uns die Wahrheit sagen wollte? Wie oft haben wir nicht gehört, was wirklich wichtig gewesen wäre, nur weil unser Verstand so weit fort war, während wir lauschten…

Wie oft haben wir uns in der Liebe geirrt? Waren hörig und abhängig und nannten es Liebe? Wie oft haben wir geliebt, ohne auch nur einen Moment lang zu hinterfragen; liebt er mich, so wie ich ihn liebe? Und wie oft haben wir Liebe einfach nicht bemerkt, als sie an unsere Tür klopfte, während wir an einer anderen um Einlass flehten? Wie oft haben wir uns wohl selbst betrogen, während wir glaubten, es sei Liebe…

Wie oft standen wir still, mit starrem Blick auf unser Ziel und diesem unbändigen Wunsch in unserem Herzen, endlich dort anzukommen? Wie oft hatten wir diesen einen Moment, als unser Kopf dachte „Da, da ist sie, unsere Chance!“ und wir haben gelächelt wie ein Idiot und uns kein Stück bewegt? Viel zu lange haben wir uns gefragt, ob er das wirklich ist, dieser eine, so besonders kostbare Moment und haben ihn versäumt, während wir von besseren Zeiten träumten…

Wie oft haben wir nicht gelebt, während wir auf unser Sterben warten? Wie oft…

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Bild von Briam Cute auf Pixabay

2 Kommentare zu „19. Januar … lebst du manchmal, während du stirbst?

  1. Ich habe gestern nachdem es mir körperlich nicht so gut ging, nichts schlimmes nur der Stress in einer alten TVserie den Spruch gehört ‚Sterben gehört zum Leben‘
    Es ist nur die Frage wie man gelebt hat. Sicher kann man nicht Alles richtig machen, doch wir können unser Leben
    lebenswert gestalten so gut es geht und nie zweifeln

    Liken

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