12. Januar … auch Wahrheit ist manchmal eine Lüge!

Jeder hat seine eigene Wahrheit – an diesem Satz bin ich lange nicht vorbei gekommen. Bedeutet das denn nicht letztendlich, dass jeder einfach behaupten kann, was richtig oder wahr ist und es zählt immer? Werden dadurch nicht auch Lügen zur Wahrheit? Ich hab diesen Satz lange nicht wirklich verstanden. Heute weiß ich; ein jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit allein dadurch, dass jeder diese Welt anders wahrnimmt. Während der eine unüberlegt etwas sagt, sich umdreht und geht, bleibt der andere verletzt zurück. Was für den einen ein achtlos fallen gelassenes Wort bedeutet, über das er weder vorher noch danach nachgedacht hat, kann für den, der es zu hören bekam das Ende seiner heilen Welt bedeuten. Der eine wird sagen „Ich hab doch nur diesen einen Satz gesagt, was ist daran so schlimm?“, während der andere an genau diesem Satz zerbricht. Womit jeder seine eigene Wahrheit hat; vielleicht nicht recht, aber wahr und das nur, weil das Empfinden bei jedem nun mal anders ist….

Meine Wahrheit hat Ende letzten Jahres dazu geführt, dass sich meine Schwester aus meinem Leben verabschiedet hat. Was sie zwar ein paar Tage später abstreiten wollte, mich aber leider nicht interessiert. Jedenfalls hat ihr meine Wahrheit nicht gefallen und das, obwohl sie lediglich diese eine Frage enthalten hat; würden wir (meine Familie) irgendwas miteinander zu tun haben, wären wir nicht verwandt? Aus irgendeinem Grund hat diese – für mich harmlose und einfach nur als Ergebnis der Ereignisse des vergangenen Jahres – Frage sie derart getriggert, dass sie auf ihre übliche Art verschwand. Sie warf mir an den Kopf, was ihr an mir alles nicht passt, schimpfte noch ein wenig vor sich hin und war dann weg. Gut, das war ihre Entscheidung. Es gibt Menschen, die über gewisse Dinge einfach nicht raus kommen. Das ist ihre Baustelle, nicht meine. Aber meine Mutter rief das kurz vor Weihnachten auf den Plan, da ich nicht vor hatte, in irgendeinem Streit, den ich noch nicht mal verstand, scheinheilig als Familie vereint zu feiern. Ich hab uns also kurzerhand vom Familienfest wieder ausgeladen, was meiner Mutter gar nicht gefiel. Als sie aber merkte, dass unsere Diskussion nur in die Richtung führte, dass ich sie meiner Schwester hinterher aus meinem Leben werfen würde, wurde sie lammfromm. Versucht mir seither alles recht zu machen, kein falsches Wort zu verlieren, nur weil sie Angst hat, meine Kinder nicht mehr zu sehen…

In diesem Gespräch mit meiner Mutter ging es mal wieder sinnlos weit zurück in die Vergangenheit, nur um rauszufinden; auch hier hatte jeder seine eigene Wahrheit. Allerdings war eine Stelle durchaus interessant; ihre liebevolle Aussage zu meiner zweiten Schwangerschaft vor inzwischen fast 10 Jahren. Meine Jungs sind eineinhalb Jahre auseinander und als meine Mutter erfuhr, dass ich „schon wieder“ schwanger war, da kam von ihr nur die Frage: brauchst ausgerechnet du noch ein Kind? Nein, brauchte ich ehrlich gesagt nicht. Aber nach ihrer kontraproduktiven Antwort empfand ich es als Zeitverschwendung, ihr zu erklären, wie wenig das alles geplant war. Immerhin war der Vater meines zweiten Kindes sterilisiert… Und auf diesen Punkt kamen meine Mutter und ich nun kurz vor der letzten Weihnacht zu sprechen; warum war meine Mutter damals, als ich zum zweiten mal schwanger geworden bin, eigentlich aus meinem Leben geflogen. Nun, ich erklärte es ihr und meine Mutter schrie entsetzt auf: Nein, sowas habe sie nie gesagt oder besser gefragt – ob ausgerechnet ich noch ein Kind bräuchte. Sie habe damals lediglich gesagt: Oh nein, noch ein Kind ohne Hoffnung…

Ähm… ja…. ich frage mich, wer ihr irgendwann erklären wird, warum sie diesmal aus meinem Leben fliegt. Ich werde es jedenfalls nicht tun. Denn ich weiß eines; hätte sie das damals, vor fast 10 Jahren wirklich zu mir gesagt – meine Kinder seien ohne Hoffnung – dann hätte sie keinen Weg zurück in mein Leben gefunden. Niemals. Es ist das Eine, an meiner elendigen Vergangenheit festzuhalten und mich lebenslang als Versager und hoffnungslosen Fall sehen zu wollen. Es ist aber etwas Anderes, mir noch immer absprechen zu wollen, dass sich mein Leben und ich selbst als Mensch extrem verändert hat, seit ich Kinder habe. Und endlich, endlich kommt Wahrheit ans Licht; es ist halt doch nicht immer jedem seine eigene Wahrheit sondern hin und wieder schlicht Lüge, was einmal war. Ich jedenfalls bin es leid, da offensichtlich sinnlos weiter zu diskutieren. Ich lebe mein Leben im Hier und Jetzt und werde einen Teufel tun, wieder und wieder die Vergangenheit auszugraben, nur weil scheinbar manch einer in dieser noch etwas sucht. Und wer immer noch glaubt, ich geh meinen Weg nicht, ganz egal, was es mich kostet, der dürfte langsam merken, dass er falsch liegt. Mich interessiert es schon lange nicht mehr, was hinter mir liegen bleibt. Die Dinge, die wirklich zählen, die sind bei mir, alles andere spielt keine Rolle mehr. Ich kämpfe schon lange um nichts mehr, vor allem nicht um Dinge, die nie erkämpft werden sollten. Und das habe ich definitiv letztes Jahr gelernt; seinen Platz in seiner Familie sollte man sich nicht erkämpfen müssen…

 

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Bild von Alain Audet auf Pixabay

2 Kommentare zu „12. Januar … auch Wahrheit ist manchmal eine Lüge!

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