30. Dezember … das darfst doch so gar nicht mehr sagen!

Als ich Kind war, hatte ich wie jeder andere Mensch in diesem frühen Alter diese Leichtigkeit des Seins. Wir dachten nicht drüber nach, ob es korrekt ist, eine Semmel mit zerdrücktem Negerkuss darin beim Tante Emma – Laden auf dem Dorf zu bestellen – wir taten es einfach, wenn wir die 50 Pfennige dafür auftreiben konnten. Gingen wir mal zum Essen aus mit unseren Eltern, dann war es völlig normal, sich den Kopf zu zerbrechen, ob man ein Wiener Schnitzel oder doch das Zigeunerschnitzel nimmt. Wir waren stolz darauf, im November mit unseren bunten Laternen am St. Martins – Umzug zu laufen und freuten uns wie Bolle auf den Christkindlmarkt. Keiner dachte sich was schlechtes dabei, wenn man jemanden wissen ließ „Mach das selber, ich bin nicht dein Neger!“ – immerhin wussten wir, dass es heutzutage undenkbar ist, Menschen zu versklaven oder dass ein Mensch allein aufgrund seiner Hautfarbe andere oder gar keine Rechte hat. Und uns war klar, dass man einem Schwarzen nicht sagen musste, dass er ein Neger ist. Wobei, als ich ein Kind war, da kannte ich lange Zeit die schwarzen Menschen rein vom Hören-Sagen oder Bildern; als der erste Schwarze den Weg in unser Dorf fand, war „Cool Runnings“ ein bekannter Film und unser dunkelhäutiger neuer Einwohner eine kleine Sensation…

Ich würde nicht behaupten, heute sei alles besser. Mir wird nur inzwischen von meinen Kindern beigebracht, wie man die Dinge heute benennt. Lichterfest, Wintermarkt, Schwarzer, Schnitzel mit Paprika… Meine Kinder können meine Kindheit in diesen Dingen nicht verstehen; „Nein Mama, das heißt so!“ hör ich da oft. Womit ich kein Problem habe, ist Veränderung, Entwicklung – die mir persönlich sehr wichtig ist, besonders meine und die meiner Kinder – Fortschritt. Aber muss sich ein Land wirklich so sehr verändern, nur um jedem, der mit anderen Traditionen hierher kommt, nicht zu nahe zu treten? Ihn nicht zu irritieren, in seiner Kultur zu verletzen? Dafür verletzt ihr meine Kultur, meine Rechte, meine bis heute geliebten Erinnerungen? Ich gebe Jahr für Jahr meine Traditionen auf, um andere damit nicht zu stören? Andere, in diesem Fall Menschen, die sich dieses Land, in dem ich geboren wurde – und ja, mein Land darf ich ja nicht sagen, es gehört mir ja nicht und es zu behaupten ist arrogant *Ironie off* – als besseren Ort zum Leben ausgesucht haben. Mir ist durchaus bewusst, dass all diese Veränderung aus unseren eigenen Reihen kommt und umso weniger verstehe ich sie…

Neuerdings geht der Trend ja auch extrem in Richtung Klimawandel. Und weil man das jetzt schon länger jeden Freitag thematisiert, ist die Zeit endgültig reif; Feuerwerk an Silvester wird verpönt. Wo es die letzten Jahre noch hieß, man solle weniger böllern wegen den Tieren und den traumatisierten Flüchtlingen, so schreit man jetzt ganz laut: Feinstaub! Wie ein Aussätziger wird man behandelt, wenn man es wagt, diese schmutzigen Raketen und Kracher in den Einkaufswagen zu legen; Leben am Limit, neue Version, wenn man sich damit in die Schlagen an den Kassen reiht. Leute, wisst ihr was? Mir wird immer mehr bewusst, warum ich mich von der Gesellschaft entferne. Das, was da angestrebt wird, erscheint mir mehr und mehr nicht mehr lebenswert. Jegliche Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenentscheidung geht da verloren! Wir fangen an, uns selbst zu knechten, wo wir vorher nach Freiheit gesucht haben. Inzwischen wird bestimmt, womit unsere Kinder geimpft werden sollen, während ich meinen Kindern immer noch das Gleiche beibringe; wir sind alle gleich. Wir haben alle Hunger, Durst, Sehnsucht, Liebe… Es geht nur jeder anders damit um. Denn jeder Mensch, egal wie er aussieht, wo er herkommt oder ob er hier Zuhause ist, jeder Mensch fällt diese eine Entscheidung ganz für sich allein; wer er ist. Und ob sein Handeln oder irgendeines seiner gesprochenen Worte jemanden verletzen soll oder ganz schlicht und einfach seine Art zu leben ist…

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6 Kommentare zu „30. Dezember … das darfst doch so gar nicht mehr sagen!

  1. Ich könnte den Fadn jetzt weiterspinnen – beliebig lang! Der arme Papa von Pipi Langstrumpf, zum Beispiel, darf keinen Negerkönig mehr sein! Hallo? Und was ist mit dem niedlichen Sarotti-Mohren? Und… ach, ehe ich mich jetzt aufrege, mach ich mir jetzt erst mal wieder ein Zigeuner-Schnitzel und singe dabei lauthals Lustig ist das Zigeunerleben.
    Liebe Grüße,
    Werner

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  2. Ich habe auch meine liebe Mühe mit der manchmal schon fanatisch politischen Korrektheit. Wieso muss sich meine Muttersprache verbiegen? Wieso muss ich mich verbiegen?
    Früher habe ich beim Bäcker einen Mohrenkopf verlangt. Heute kommt mir das Wort nicht mehr über die Lippen. Wie eine, die der Sprache nicht mächtig ist, zeige ich mit dem Finger auf „Den dessen Name nicht mehr genannt werden darf“.

    Guten Rutsch ins 2020
    Emma Engel

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