7. Dezember … manche Hilfe geht zu weit!

Hilfeplangespräch. Da steckt doch eigentlich alles drin, oder? Ein Gespräch, um den Plan aufzustellen, wie meinem Sohn geholfen werden kann. Im Hort. So weit, so gut. Zweimal im Jahr findet so ein Gespräch statt. Anwesend dabei sind die Gruppenleitung vom Hort, jemand vom Jugendamt und ich. Es wird besprochen, wo mein Sohn dringend Hilfe benötigt, wie man es bewältigen kann, wo Förderbedarf ist. Eine Formsache letztendlich, da der Hort über das Jugendamt abgerechnet wird und deswegen der Hilfebedarf abgeklärt werden muss.

Gestern fand solch ein Gespräch statt. Und wieder mal wurden Grenzen überschritten. Dieses mal weit, wie ich finde. Bei der Medikamentenumstellung ist nicht alles glatt verlaufen, was man an der Laune meines Großen deutlich gemerkt hat. Allerdings – und das finde ich sehr entspannend – gehen seine körperlich gezeigten Aggressionen zurück, dafür packt er jetzt verbal groß aus. Wobei es uns allen lieber ist, von ihm blöd angeredet zu werden, als geschlagen oder Gegenstände von ihm hinterher geworfen zu bekommen. Lange Rede, kurzer Sinn, wir sind zufrieden und ich versuche, seine verbalen Entgleisungen in erträgliche Grenzen zu bringen. Aus irgendeinem Grund kam das bei der Gruppenleitung nicht so an; im Hort sei er ja ganz anders. Ja, weiß ich. Dort wird er bei Fehlverhalten ausgegrenzt, wird bestochen damit er Arbeiten erledigt, wird belohnt wenn er was richtig macht. Das System dort ist simpel; kleine Arbeiten werden mit Geld belohnt. Entgleisungen führen dazu, dass Kinder an bestimmten Stellen auch mal stundenlang Strafsitzen. Von Ausflügen werden die Auffälligen ausgegrenzt. Belohnt wird mit Geld, Essen gehen beim Chinesen und solchen Scherzen. Letztendlich der simple Deal; tu was ich sage und ich mach, was du willst! Mein Sohn räumt Zuhause seinen Teller nicht mehr nach dem Essen weg weil ich ihn dafür nicht bezahle. Zumindest hat er das versucht. Einmal, danach nicht mehr…

Mir gefällt nicht, wie der Hort „erzieht“. Das ist einfach nicht in meinem Sinne. Und ich weiß aus sicheren Quellen, dass mein Sohn auch im Hort kein Vorzeigekind ist. Er gehorcht dort auch nicht, er hat Angst. Vor allem vor der Gruppenleitung. Panische Angst. Nachdem sie mir also gestern gesagt hat, im Hort sei alles anders, da hat es mir dann mal gelangt. Ja, hab ich gesagt, wir alle sind halt dann zu dumm für dieses Kind. Alle, außer Ihnen…

Nachdem ich ihr das immer noch versucht höflich erwidert hatte, drehte sie sich zu dem Herrn vom Jugendamt und meinte trocken: „Vielleicht schicken wir ihn doch besser nach Markten.“ Markten ist eine Ortschaft bei uns in der Gegend, in der es betreutes Wohnen gibt für Verhaltensauffällige Kinder. Wir haben noch nie über diese Einrichtung gesprochen, geschweige denn überlegt, meinen Sohn dort unterzubringen. Die Gruppenleitung von seinem Hort und das Jugendamt wohl schon und das überschreitet meines Erachtens deutlich ihre Kompetenzen. Zumal es keine Gründe dafür gibt. Mein Sohn wird weder misshandelt, noch verwahrlost er oder wirft andere driftige Gründe auf, um ihn aus meiner Familie zu holen. Auf mein verwundertes Fragen, wie sie auf diese tolle Entscheidung – die sie auch noch rotzfrech alleine getroffen hat- komme, erwiderte sie; ich sehe doch, dass es Ihnen nicht gut geht!

Ja, so einfach ist das also. Ich meine, mit dicker Erkältung und an dem Tag, an dem man nach vier Tagen endlich mal wieder so was vergleichbares wie eine Stimme hat, da sieht man nun mal nicht gerade top aus. Ich bin trotzdem noch immer der Meinung, ob es mir denn nun gut geht oder nicht, das sollte man schon mir überlassen. Jedenfalls hab ich mir nur noch einen Termin beim Jugendamt selbst geben lassen und hab mich dann verabschiedet. Auf der Ebene diskutier ich erst weiter, wenn ich überprüft habe, wie weit die Kompetenzen dieser Dame reichen. Und ich weiß jetzt schon; so weit, wie sie es scheinbar gerne hätte, sicher nicht…

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Bild von Jörg Vieli auf Pixabay

3 Kommentare zu „7. Dezember … manche Hilfe geht zu weit!

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