1. Dezember … hängt ihn, den Dämon!

Erinnert ihr euch an das Bild, welches ich mal im Internet gefunden habe? Das Bild, welches einen Dämon zeigt, der liebevoll umarmt wird von einem Engel? Ich hatte hier darüber geschrieben, weil es mich zutiefst berührt hat. Dieses Bild trage ich seit meiner Kindheit in meinem Kopf und ich fand es sehr faszinierend, dass es jemand zu Papier gebracht hat. Ich hab den Maler damals angeschrieben und darum gebeten, mir genau dieses Bild auch zu malen. Wir einigten uns auf Preis und Größe und auch darauf, dass ich einen anderen Engel haben wollte, ansonsten exakt das gleiche Bild.

Nach knapp zwei Wochen erhielt ich das fertige Werk. Ehrfürchtig hielt ich den großen Umschlag in der Hand; ich konnte ihn fühlen, dieses Wesen auf dem Bild, diesen Dämon, der mein halbes Leben bestimmt hatte. Der mein Herz gequält, meine Seele gefoltert und die tiefste Dunkelheit in mir entfacht hat. Was hab ich gegen ihn gekämpft, wie tief dabei verletzt; nicht nur er mich, sondern auch und besonders ich mich selbst. Wie viel Wut und Hass hab ich gefühlt und nie bedacht; genau das hat ihn stark gemacht. Groß und stark. Ich hab ihn genährt; ich hab gegen etwas gekämpft, das ich selbst erschaffen, großgezogen und nahezu unbesiegbar gemacht habe. Letztendlich ein Kampf gegen mich selbst, den ich nur verlieren konnte; hätte ich gewonnen, hätte ich dabei mich selbst besiegt…

Irgendwann war ich bereit, ihn anzusehen. Ich öffnete den Umschlag, holte tief Luft und sah ihn an. Ich konnte sein Wehklagen beinahe hören. Wie er schrie, stöhnte, sich wand. Er hat seinen Schrecken verloren. Vielleicht nicht seine Kraft, aber seinen Schrecken und jegliche Macht. Die hab heute ich. Und wenn ich mich daran erinnern muss, dann seh ich ihn an, sein Bild; es hängt über meiner kleinen, selbstgebauten Werkbank, an der ich meine Münzen säge. Dann seh ich ihn an und ich verzeihe ihm. Verzeihe ihm jeden Schmerz. Jede Minute meines Lebens, die er mich gekostet hat. Jeden Moment, in dem ich glaubte, ich könne ihn nie besiegen und würde mein Leben lang unter seinem Joch leiden. Und ich verzeihe mir, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Dass mir lange nicht klar war, woher er wirklich kam und dass ich allein ihn hab entstehen lassen aus meinem Schmerz. Wir sind keine Freunde geworden, dafür ist zu viel passiert. Aber wir sind uns nicht mehr Feind. Und wir wissen beide, dass sein Kampf nie aufhören wird. Nur meiner, mein Kampf, der ist zu Ende. Ich werde ihm nie wieder Macht geben über mich…

Das Bild hab ich rahmen lassen und nun hab ich ihn aufgehängt, meinen Dämon.

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3 Kommentare zu „1. Dezember … hängt ihn, den Dämon!

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