23. November … mein Schweigen bringt mich um…

Mir wurde als Kind schon beigebracht, immer die Wahrheit zu sagen. Gleichzeitig wurde mir oft das Gefühl gegeben, als Mädchen nicht so geliebt zu werden, wie meine Brüder. Dabei wollte ich einfach nur geliebt werden, mehr nicht. Beachtet werden, auch mal gelobt, so wie ich es bei meinen Brüdern oft erlebte. Ich fühlte mich übersehen, nicht wertvoll, ungeliebt. Irgendwann fing ich an, Geschichten zu erzählen, damit man mich beachtet. Damit man mir zuhört, zuhören muss. Mich vielleicht einfach mal in den Arm nimmt. Das Ergebnis dürfte bekannt sein; man glaubte mir irgendwann nichts mehr und entfernte sich noch mehr von mir. Ich war immerhin nur die, die Mist erzählte…

Heute entfernen sich Menschen von mir weil ich ihnen sage, was ich denke. Anfangs immer. Ich hab Menschen immer offen und ehrlich gesagt, was ich denke. Nachdem das auch keinem gefiel, fing ich an, abzuwägen. Hält mein Gegenüber das aus? Kann ich das sagen? Mit der Zeit also nicht mehr offen und direkt, sondern sorgfältig verpackt und sehr überlegt. Was auf Dauer ziemlich anstrengend ist und letztendlich den gleichen Effekt hat; sie nehmen es mir übel…

Man lernt, zu schweigen, wenn man mehr Menschen verletzt als erreicht mit seinen Worten. Mir wurde mal gesagt, mein Ton sei manchmal schlimmer als jede Waffe. Jede Waffe? Dank meiner Shooter – Games kenn ich sehr sehr viele Waffen. Wenn meine Stimme schlimmer ist, als jede von ihnen, dann ist das übel. Sehr übel. Vor allem auch für mich, da ich in den seltensten Fällen jemanden bewusst verletzen möchte. Aber nun, wie wir ja wissen; wir sind, was wir sind und egal, wie sehr ich an meinem – oder soll ich besser gesagt dem der Anderen? – Problem gearbeitet habe; es ist ein Problem geblieben, trotz allem. Und ich lerne immer mehr, dass es der größte Fehler ist, gar nichts zu sagen, bevor man das Falsche sagt. Zu schweigen, obwohl man doch so viel zu sagen hätte, nur eben nicht das, was der Andere hören möchte. Schweigen macht manchmal mehr kaputt als reden. Auch wenn man weiß, dass wohl ein sinnvolles, ruhiges Gespräch nicht funktionieren wird, man sollte es immer suchen. Suchen, bevor es zu spät ist. Denn letztendlich ist Schweigen auf Dauer, nur um jemanden nicht zu verletzen, auch nur eine Lüge…

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Bild von Ella_87 auf Pixabay

8 Kommentare zu „23. November … mein Schweigen bringt mich um…

  1. Schweigen —— , nicht antworten auf Worte…… —- kann manchmal der bessere Weg sein, als zu antworten. Aber es muß wohl doch etwas gesagt werden, nur was? Ich möchte die Beantwortung der vielen offenen Fragen lieber dem Himmel überlassen. Und ich denke mal: Wer am Leid der Welt so starken Anteil nimmt, wird sich doch nicht schweigend in die Einsamkeit zurückziehen , sondern zu helfen versuchen. Allerdings, jetzt spreche ich wie von einer Kanzel, erhöhe mich, um andere zu kritisieren? Ich glaube, da liegt das Problem…. , nicht nur bei mir jetzt, sondern auch in diesem besonderen Schicksalsgeflecht. Wir sind hier in unserem Erdenleben ja in einer „Schule“ und haben „Lektionen “ zu lernen, auch vor allem Fehler zu erkennen, die noch in uns selbst stecken und erkannt werden wollen. Und der einzige Weg, sie zu erkennen, ist wahrsxheinlichmgenau die Situation, in der wir uns jetzt befinden, wozu auch die Aussichtslosigkeit gehört, daraus wieder herauszufinden, wenn wir die Fehler nicht erkennen, die da noch zu erkennen sind.
    Weil aber auch ich noch Fehler habe , habe ich kein Rexht, mich als „Richter/in“ über andere zu erheben.wenn ich zum Beispiel (in der Bibel) lese: “ Du sollst
    nicht…“ und dies nur anderen Menschen predige und sie zu Zucht und Ordnung und Gehorsam erziehe, es aber selbst nicht tue, setze ich mich selbst „auf ein „hohes Roß“, fühle mich größer, höher, besser, überlegener., stärker, machtvoller als die anderen, …. vor allem die Kleinen, Schwachen, „unwissenden“
    Kinder. Und wenn es – wie in der Theologie – darum geht, die Weiblichkeit klein zu halten, damit das männliche Wort umso größer erscheint, dann kann ich mir vorstellen, das sich da Protest regt in den Unterdrückten und Übersehenen, Überhörten, Gedemütigten. Das dadurch erfahrene Leid aber ließ ja zugleich die Seele reifen und fühlsamer maxhen für das Leid anderer, gerade solcher, die so übersehen und gedemütigt werden. Und wenn das, was wir sagen, nur als „Unsinn“ bezeixhnet wird, dann fangen wir eben an zu schreiben. Und wenn das, was wir sxhreiben, von niemandem gelesen wird, und das, was wjr Gutes taten, keine Wirkungen zeigte, dann meinen wir, es bliebe nur noch das Schweigen und das Sich-Zurückziehen. Damit haben wkr aber genau die gleiche Haltung eingenommen, die wkr zuvor bei anderen kritisierten. Schon einmal darüber nachgedacht? 🌸🌿

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    1. Ich suche grade den Punkt, wo ich kritisiert habe. Dann könnte ich ansetzen… 😉 Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, geschieht nicht, um irgendwen zu belehren oder zu kritisieren; höchstens, um vielleicht Gedanken anzustoßen. Ich gehe sicher nicht davon aus, besser als andere zu sein; im Gegenteil, ich betone selbst hier des öfteren, was schlechtes in mir steckt. Darum geht es hier auch gar nicht, nicht für mich. Ich gebe hier täglich Gedanken wieder, meist bauen die sich auf einen einzigen Satz auf, der mir im Kopf hängt. Ob das jemand liest ist mir dabei nicht das wichtigste. Was jeder einzelne daraus macht, liegt bei jedem einzelnen. Du interpretierst da sehr interessante Dinge rein und ich mag es, wie Du meine Bilder betrachtest. Was aber ganz sicher nicht der Fall ist; ich bin weder einsam noch schweige ich aus Einsamkeit. Ich habe Menschen um mich, mit denen ich mich wunderbar und über alles unterhalten kann. Nur eben habe ich aktuell den Zeitpunkt verpasst, einem Menschen in meinem nahen Umfeld zu sagen, was ich wirklich denke. Eben weil ich weiß, welche Konsequenzen es haben wird und weil ich dachte, ich kann dem schweigend aus dem Weg gehen. Das heißt aber nicht, dass ich vereinsame und mit niemandem mehr rede. Ich achte nur sehr darauf, mit wem ich worüber rede und wie sehr ich dabei direkt werde. Übrigens bin ich – und war ich schon immer – Einzelgänger. Ich lege nicht sehr viel Wert auf Gesellschaft, kann sehr gut alleine sein und fühle mich nicht einsam. Warum auch, ich habe diese Lebensart selbst gewählt. Ich habe sehr wenige Menschen in meinem direkten Umfeld, gewollt. Und ich lebe sehr ztufrieden damit.

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      1. Danke für diese Antwort. Es entsteht so ein ganz anderes Bild, als ich es zuvor hatte. Ich dachte, es sei eine schwere Krise und Notlage, in der ich helfen wollte. Aber wie es scheint, werde ich nicht gebraucht.

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  2. Hey 🙂 dein Beitrag hat mich sehr berührt!
    Hast du es denn schon mal mit der bekannten „Ich-Formel“ versucht (wie ich das jetzt mal nennen – Orginal Begriff fällt mir gerade nicht ein).
    Das ist eine Methode, die oft in Erziehungsanstalten (z.B. Kindergarten) benutzt wird.
    Also anstatt, dass du zb. Sagst „DU vehst mir auf die Nerven/ DU machst das nicht richtig“ etc. redet man von sich aus, wie es einem selbst damit geht „ICH fühle mich gerade nicht gut/ ICH finde….“ Damit verhinderst du, dass dein Gegenüber nach Starker Kritik in den Verteidigungsmodus wechselt und dich dann eben angreift mit Worten wie: „Du bist zu ehrlich/ deine Worte tun mir weh“

    Ein Versuch ist es Wert/:) Viel Glück damit und ein schönes Wochenende wünsch ich dir 😆 lass dich nicht unterkriegen! ~lg Ceyes.

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  3. Wo der Punkt der Kritik war? Bitte das vorher selbst Geschriebene noch mal nachlesen. Die „Kritik“ bezog sich doch auf die Nichtbeachtung….zu Hause. Wodurch die Beachtung des eigenen „Leides“ und der innerlich reservierten Haltung, ebenso eine gewisse Kampfeslust, als gerechtfertigt dargestellt wurde.

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      1. Gut, aber es ist nicht meine Aufgabe zu kritisieren. Das muß schon jeder selber tun und das Selbstgeschriebene erneut „unter die Lupe nehmen“, auch im Hinblick auf die möglichen Wirkungen auf andere. Wenn man das wirklich ehrlich und selbstkritisch macht, versteht man die Reaktionen der anderen auch viel besser u d wird dann im (inneren) „Urteil“ auch viel milder….💕

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