19. November … gegen Dummheit gibt es kein Gesetz…

Diese Welt, die wir langsam nicht mehr verstehen. Diesen Wahnsinn überall, von Krieg über Folter, Vergewaltigung, Mord, Totschlag und all diesen schrecklichen Dingen jeden verdammten neuen Tag auf dieser Welt, wir verstehen ihn nicht mehr. Wir schütteln den Kopf, können vieles nicht fassen, bei manchen Dingen schalten wir den Fernseher um oder legen die Zeitung weg; zu viel für unser Gemüt…

Diese Welt, in der langsam so vieles nicht mehr stimmt. Während wir Tonnen an Lebensmittel wegwerfen und verkommen lassen, verhungern Menschen, ein paar Flugstunden entfernt von uns. Während wir langsam Weihnachten planen und uns den niedlichen kleinen Kopf zerbrechen, was wir zum Fest essen wollen oder gar anziehen, verhungern Menschen weil kein Gras mehr nachwächst; Gras, was sie zuletzt gegessen haben, damit sie überhaupt irgendwas im Magen haben. Und dann legen sie sich in ihren Lumpen auf eine Zeitung zum schlafen. Für sie wird es kein Fest der Liebe geben, nur Krieg, wie jeden Tag…

Diese Welt, die wir so gar nicht mehr wollen. In der täglich neue Gesetze und Verbote verfasst und verabschiedet werden. Immer absurdere Regeln und Vorschriften. Nicht mal mehr den Kuchen für in den Kindergarten darf man selber backen, wenn unser Kind Geburtstag hat. Nicht mal das. Viel zu oft fassen wir uns an den Kopf, fragen uns „Gehts noch?“ und wundern uns „Wer braucht denn sowas?“. Wird es denn nie still werden auf dieser Welt? Nie Frieden, für jeden von uns? Nie satt werden, jedes Kind, jeder Mensch? Wir fragen uns, was aus ihr wurde, unserer Welt, die einst in Ordnung war. Ich frag mich das oft und dann geh ich einkaufen, nur das nötigste. Pack meinen Kram in Papiertüten, Plastik ist ja verboten, schlepp mein Zeug zum Auto und steig ein. Da sitz ich, im Stillen, genieß kurz den Moment, ganz allein zu sein nach dem vollen Supermarkt und dann steck ich den Zündschlüssel ins Schloss und mein Blick wandert nach vorne zur Windschutzscheibe. Ich steh auf dem letzten Parkplatz in einer Parkbucht, neben mir ein schmales Beet, welches zur Abgrenzung dient. Da steht ein Auto, links von mir, wo eigentlich Parkverbot ist vor dem Laden. Eine Frau sitzt auf dem Fahrersitz und raucht, bläst aus einem schmalen Spalt den Qualm aus dem Auto. Sie sieht mich an und dann bewegt sich ihr Mund. Da seh ich den jungen Mann, der hinter ihr sitzt und mich angrinst. Auch er hält eine Zigarette in der Hand, an der er jetzt gierig zieht. Auf seinem Schoss sitzt ein Kind, ja ich habe richtig gesehen. Ein Kind, vielleicht zwei, drei Jahre alt. Wieder zieht der junge Kerl an seiner Zigarette und bläst den Rauch am Gesicht des Kindes vorbei aus dem Fensterspalt. Ich bin so irritiert, dass ich noch immer da sitze, die Hand am Zündschlüssel, die Kupplung getreten und doch irgendwie nicht fähig, jetzt wegzufahren. Die Frau fängt jetzt an zu lachen, der junge Kerl fixiert mich immer noch grinsend. Ich verwerfe den Gedanken, auszusteigen und den zwei Erwachsenen in dem Auto die Meinung zu sagen; es gibt Menschen auf dieser Welt, die nur grinsend darauf warten, dass ihnen jemand sagt, was mit ihnen falsch läuft und die beiden sehen exakt danach aus. Ich lass mein Auto an, lächel spontan und ohne Grund die beiden an und leg den Rückwärtsgang ein. „Ja genau, zeig ihnen die Zähne“, denk ich mir und lächel noch breiter. Ich setz mein Auto langsam zurück und erst jetzt sehe ich an der Frau vorbei durch die zwei Vordersitze neben dem Mann auf der Rücksitzbank den Maxi Cosi, in dem ein Baby liegt. Irgendein Laut entkommt mir, es klingt nach „Boah“, ich schüttel den Kopf und seh zu, dass ich den Parkplatz verlasse. 3000 Euro Strafe wären für die beiden Raucher in dem Auto noch viel zu wenig, denk ich mir…

Diese Welt, die ich nicht wirklich versteh, hat der Mensch selbst erschaffen. Diese absurden, komischen und manchmal kaum nachvollziehbaren Vorschriften braucht man erst, wenn es Menschen gibt, die sonst das nicht auf die Reihe bekommen, was ein normal denkender Mensch als selbstverständlich ansieht. Und ich frage mich; wenn wir es nicht mal auf die Reihe bekommen, das zu schützen, was uns selbst am liebsten sein sollte – unsere eigenen Kinder – wie werden wir es dann jemals schaffen, jeden auf dieser Welt wenigstens soweit zu respektieren, dass wir keine Kriege mehr brauchen? Wir sind Welten davon entfernt, auch nur annähernd Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für jeden aufzubringen. Wir sind Leben davon entfernt, zu begreifen; alles, wirklich alles auf dieser Welt fängt bei uns selber an. Und solange wir selbst es nicht im Kleinen – an uns selbst und unseren unmittelbar Nächsten – schaffen, bessere Menschen zu sein, so wird es unmöglich bleiben, aus unserer Welt einen besseren Ort zu machen…

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Bild von TheOtherKev auf Pixabay

Ein Kommentar zu „19. November … gegen Dummheit gibt es kein Gesetz…

  1. Sooo… vieles habe ich zuletzt gelesen, solch eine Fülle an ge-wichtigen Themen, „Einstiegen“ zu Gesprächen und noch viel mehr. … Doch da fällt mir ein „Denk-Satz“ ein : “ Dankt IHM mit T a t e n , nicht mit Worten! “ So will ich es halten, und das Schweigen und In-mir-Bewegen des gerade „Aufgenommenen“
    ist vielleicht eher ein Tun, als wenn ich jetzt hier viel antworten würde. Welcher Mensch h a t überhaupt eine Antwort? Wir werden sie nun von „Oben“ vernehmen müssen.

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