11. November … erst foltern, dann feiern!

Heute darf ich mir ein Muttermal entfernen lassen. Ich war ja jetzt mit vierzig auch mal beim Hautscreening, immerhin hab ich einige Muttermale und sonstige Farbkleckse auf meiner Haut. Ausgerechnet meinen – von mir immer gedachten – Schönheitsfleck unter der Pobacke. Mein Hautarzt hat mir leider nicht viel dazu gesagt, nur was von örtlicher Betäubung und nähen wegen der Infektionsgefahr. Ich gehör ja zu der Sorte; gib mir eine Vollnarkose und du kannst an mir operieren was du willst. Alles andere ist nichts für mich. Ich hab so ein kleines Problem mit Nadeln, da fängt es schon mal an. Hab ich eine Nadel erst mal gesehen, ist es nahezu unmöglich, die noch irgendwie in mich reinzubekommen. Ok, ich hab das heute soweit im Griff, dass ich nicht mehr, wie früher, jedem Arzt oder anders beteiligtem vorher zu sagen. „Sieh zu, dass ich keine Nadel sehe!“ und pass selber auf, dass ich keine sehe. Aber mal ehrlich; dieses an einem rumgeschnibbel wenn man bei Bewusstsein ist, das ist einfach nicht so toll. Vor allem nähen halte ich einfach nur für barbarisch. Wobei ich guter Dinge bin, dass das ein bis zwei Stiche werden heute, mehr nicht…

Nach meinem letzten Kaiserschnitt bin ich da ja auch leicht vorgeschädigt. Ich hatte einen Arzt gefunden, der mir das Kind zur Welt holt und danach die Gebärmutter raus nimmt. Dafür bekam ich nicht nur eine spinale Betäubung – also von der Brust abwärts betäubt über den Rücken – sondern man setzte mir diesmal eine Nadel mit einem kleinen Schlauch in den Rücken. Daran sollte nach der OP eine Schmerzpumpe, damit ich mir selber Schmerzmittel nachgeben konnte. Man rechnet nach einer Komplett – Op der Gebärmutter durchaus mit größeren Schmerzen. Jedenfalls wurde diese Nadel bei mir dreimal gestochen, zwischendurch die Liege gewechselt, weil ich in meinem eigenen Blut saß, bis man glaubte, jetzt sei es gut. Im OP wurde ich mehrmals gefragt, ob ich noch was spüre und ich bejahte jedesmal. Scheinbar glaubte man mir irgendwann nicht mehr und fing mit dem Kaiserschnitt an. Eine zeitlang versuchte ich, die Zähne zusammen zu beißen. Mit Sicherheit spürte ich nicht alles, aber ich spürte was und irgendwann wurde mir sehr schlecht, mein Kreislauf machte schlapp und ich konnte mir ein schreien nicht mehr verkneifen. Man holte meinen Sohn auf die Welt und ich brüllte, während man meine Begleitung aus dem OP entfernte. Dann ging alles ganz schnell und man erlöste mich mit einer Vollnarkose. Noch am selben Tag rutschte die Nadel von der Schmerzpumpe aus meinem Rücken. Ich hatte mich schon gewundert, dass es immer nass wurde, wenn die Pumpe Schmerzmittel abgab. Die hatte wohl nie dort gesessen, wo sie hingehört hätte. Jedenfalls lass ich seither keinen Arzt mehr mit einem Skalpell in meine Nähe, ohne vorher eine Vollnarkose zu bekommen…

Nun ist das halt ein kleines Muttermal und mein Hautarzt ist nicht gerade jemand, der gerne redet. Ich denke auch, er hätte schallend gelacht und wär am Ende vom Stuhl gefallen, wenn ich ihm mein Anliegen vorgebracht hätte. Leuchtet mir ja auch alles ein. Also gilt es heute, die Zähne zusammenbeißen und es so über mich ergehen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass ich danach noch sitzen und so kann, am Nachmittag muss ich in den Hort meiner Kinder, St. Martin feiern. Und das heißt, erst mal in der Kirche sitzen, bevor es zum Umzug geht. Ich bin mir aber sicher, der Tag heute geht auch vorbei, wie jeder andere auch…

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Bild von Michael Gaida auf Pixabay

2 Kommentare zu „11. November … erst foltern, dann feiern!

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