1. November … auf die Gräber, fertig, los!

Da ist er vorbei, der goldene Oktober. Wir hatten eine ruhige, kleine Helloween – Feier daheim und sind dann noch spontan in die Stadt rüber gelaufen. Wir haben nach Adventskalendern geschaut, die Kinder haben aber keinen gefunden, der ihnen gefallen hätte. Als wir wieder daheim waren, war ich erschöpft und müde. Aber immerhin, heute hat mein Sohn endlich mal wieder fast bis fünf geschlafen. Seit der Zeitumstellung kam er immer um vier…

Heute heißt es, das Auto bloß nicht bewegen; direkt am Friedhof, wo wir hier wohnen, wird heute alles zugeparkt. Wer seinen Parkplatz heute verlässt, hat bis Abend keinen mehr. Regelrechte Völkerwanderungen marschieren hier jedes Jahr an Allerheiligen vorbei. Ich persönlich hab es ja gar nicht mit Gräbern. Als ich noch ein Kind war, hat mich meine Mutter jedes mal, wenn wir in der Schweiz waren, auf das Grab ihrer Schwester geschleift. Da hatte ich noch nicht viel verstanden vom Sterben und tot sein. Ich hatte meine Tante auf ihrer Hochzeit und dann im Krankenhaus, in dem sie dann starb, gesehen, da war ich grade mal zwei Jahre alt. Und doch hatte ich für den Rest meines Lebens ein Bild von ihr im Kopf; eine wunderschöne Frau ohne Haare. Erst viel später hab ich begriffen, dass der Kampf gegen ihren Krebs sie die Haare gekostet hatte. Aber jedes mal, wenn wir an diesem kleinen Grab standen, still schweigend und jeder in sich ruhend, fragte ich mich, wie diese große Frau da unten Platz hatte. Für mich war und blieb es unvorstellbar, dass jemand da unten Frieden finden würde, in der feuchten, dunklen Erde. Und doch wurde das immer wieder von meiner Mutter und Oma versichert; Tante hat jetzt Frieden…

Selbst das Grab meines Vaters hab ich lediglich zweimal besucht, inzwischen gibt es das gar nicht mehr. Kurz wütend hat mich dabei nur gemacht, dass die letzte Lebensgefährtin vorzeitig und stillschweigend das Grab einfach aufgelöst hat; als meine Mutter es besuchen wollte, war es einfach fort. Die Tatsache, dass es nicht mehr existiert, finde ich nicht so schlimm. Menschen, die man nach ihrem Tod nicht vergisst, hat man im Herzen, nicht im Grab. Von daher kann ich solch großen Andrang am Friedhof nicht nachvollziehen. Pflichtbesuch zum vorgegebenen Termin. Aber jedem das Seine und ich wünsche euch allen ein friedliches Allerheiligen!

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Bild von Pexels auf Pixabay

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