30. Oktober … ich weiß nur, dass du fort bist!

Mein Sohn erzählt mir heute direkt nach dem Aufwachen, dass ihn Opa wieder besucht hat. Mein Vater komme öfters vorbei und bringe immer eine Kleinigkeit mit. Die beiden haben sich nie kennen gelernt, mein Vater war schon acht Jahre nicht mehr auf dieser Welt, als mein Sohn geboren wurde. Wir haben auch noch nie groß über ihn gesprochen, er ist der verstorbene Mann von Oma und wurde nie hinterfragt von meinen Kindern. Letzte Nacht hat er meinem Sohn im Traum Kakao mitgebracht. „Kakao?“ war meine erstaunte Frage und mein Sohn meinte: „Ja, er weiß dass ich den Kakao aus seiner Gegend lieber mag als unseren.“ Dass mein Vater an der Grenze zur Schweiz gelebt hat, wusste mein Sohn nicht. Wahrscheinlich denkt er, dass er auch in der Schweiz gewohnt hat, so wie Oma. Obwohl das das Einzige ist, was wir mal geklärt hatten; Oma ist aus der Schweiz, Opa aus Deutschland…

Und dann fällt mir bei unserem Gespräch plötzlich wieder auf; du hast seinen Todestag vergessen! Oder kommt der noch? Ich hab ein sehr gutes Gedächtnis; oft kann ich mir jahrelang merken, welche Dinge an welchem Tag passiert sind. Aber eines kann ich mir seit 18 Jahren nicht merken; den Todestag meines Vaters. Ich weiß das Jahr, es passierte irgendwann nach dem 11. September 2001, der Amerika verändert hat.  Ich kenn die Uhrzeit, denn wenige Stunden vorher hab ich seine Hand noch gehalten. Den Tag konnte ich mir aber nie merken. Und jedes mal, wenn mir das auffällt, muss ich lächeln, nachdem ich mich einen Moment lang geschämt hab. Sein Tod damals war bei mir der ausschlaggebende Punkt, Wege zu finden, mit den Energien Verstorbener zu kommunizieren. Wir hatten uns viel zu viel zu Lebzeiten nicht gesagt; eigentlich haben wir nie wirklich miteinander gesprochen. Das konnte und wollte ich so nicht stehen lassen. Heute weiß ich, dass das alles keine Rolle spielt. Jahre war die Energie meines Vaters immer wieder bei mir und es hat völlig genügt, einfach mit ihm zu sprechen. Wenn man mit seinem Herzen spricht, dann bekommt man im Herzen auch eine Antwort. Ganz ohne Tischchen oder Tonbandaufnahmen. Mein Vater hat mir nie wirklich gefehlt; zum einen ist es wohl schwierig, etwas zu vermissen, was man nicht kennt und zum anderen wusste ich, dass er noch immer hier war. Seine Energie verweilte noch lange bei mir. Die wenigen Dinge, die mir von ihm geblieben sind, liegen auf dem Dachboden; alles, bis auf ein Bild von ihm. Ich müsste hoch gehen und nach seiner Sterbeanzeige suchen, dann wüsste ich, wann er gestorben ist. Aber ich mache es nie; es spielt keine Rolle. Er starb viel zu jung und er starb, bevor wir einen Weg zueinander gefunden haben; das sind die Dinge, die – wenn überhaupt – heute noch eine Rolle spielen. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass es Menschen gibt, die man zu Lebzeiten nie ganz loslassen sollte. Da sollte man den Stolz mal beiseite lassen und hinten anstellen, wie verletzt man sich fühlen mag. Man sollte sich nicht den Rest seines Lebens fragen, ob man nochmal hätte reden können miteinander; man sollte es einfach versuchen, zu Lebzeiten, solange es noch geht. Mag sein, wir glauben, uns blieben noch so viele Jahre Zeit und das allein ist schon manches mal ein Irrtum. Und wie viel Zeit jemand anderem bleibt, das wissen wir noch viel weniger. Also seht zu, dass ihr die Dinge klärt, bevor einem von euch die Zeit ausgeht…

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