2. Oktober … Vertrauen, jetzt erst recht!

Vertrauen: in jemanden, etwas sein Vertrauen setzen; auf jemanden etwas bauen; sicher sein, dass man sich auf jemanden, etwas verlassen kann

Was ich gar nicht mag, sind Menschen in meiner Wohnung. dabei geht es gar nicht um unser kleines, vertrautes Chaos, sondern viel mehr darum, dass ich an meinen privaten Dingen niemanden haben will; vor allem nicht in der Nähe meiner Energien. Von daher kommt nur meine Familie in meine Wohnung und sehr wenige andere Menschen.

Vor zwei Jahren hab ich jemandem vertraut. Wir kannten uns persönlich und haben dann eine Weile viel geschrieben per email, manchmal telefoniert. Als ich mein Buch verlegen lassen wollte, bot er mir seine Hilfe an und als er in meiner Nähe war – er lebte damals in Hamburg – kam er ein paar Tage zu mir. Da ich ohnehin ein paar Dinge lernen musste, wählte ich damals Vertrauen. Mein Großer reagierte ziemlich aggressiv auf diesen Mann, was ich aber darauf schob, dass mein Sohn es nicht gewohnt war, einen Mann in meiner Wohnung zu haben. Allerdings fing mein Besuch ziemlich schnell an, nach einem Haus zu suchen. Auf meine Frage hin, ob er hier in der Gegend bleiben wolle, meinte er nur; ja, er werde sich jetzt um uns kümmern. Ich müsse auch nicht mehr arbeiten gehen und für meinen großen Sohn suchte er nach einer besseren Schule. Er plante unsere Zukunft, ohne ein einziges mal darüber zu sprechen. Und nein, wir hatten keine Beziehung oder irgendwas in diese Richtung. Ich weiß bis heute nicht, was ihn damals trieb. Nach zehn Tagen bat ich ihn, damit aufzuhören oder zu gehen. Er verschwand daraufhin spurlos und ohne sich noch einmal zu melden.

Erst drei Monate später hatte ich plötzlich an meinem Geburtstag einen meiner Lieblingsfilme auf dem Laptop. Quasi über Nacht wurde der Film wie von Geisterhand runtergeladen. Er wusste von dem Film, er hatte während seines Besuchs ein Poster davon in einer TV-Zeitschrift gefunden und er hatte es mir in der Küche aufgehängt, weil ich meinte „Oh cool, der Film ist der Hammer!“ Ich ging davon aus, dass er wohl während seines Besuchs an meinem Laptop war und zum Spaß das vorbereitet hatte. Allerdings hinterließ er in den letzten zwei Jahren immer wieder Spuren auf meinem Rechner oder Laptop, die eindeutig auf ihn verweisen. Er ist IT-Spezialist und kennt sich da sehr gut aus. Zwar hab ich inzwischen den Rechner ausgetauscht und den Laptop und doch schaffte er es immer wieder.

Letzte Woche hab ich den Rechner mal wieder platt gemacht und Windows neu aufgesetzt. Dabei hab ich restlos alles gelöscht, vorher nur die Kinderfotos und paar wichtige Dokumente auf eine externe Festplatte gezogen. Mein Rechner war also jungfräulich rein in den letzten Tagen. Gestern hatte ich plötzlich drei Dokumentseiten von meinem Buch in meinem Dokumentenordner und ein Foto von diesem Mann. Während ich meiner Schwester am Handy darüber berichtete, folgten die Fotoalben mit den Bildern von meinen Kindern aus dem Jahr 2017. Nur aus diesem Jahr wurden mir die Fotoalben unter Dokumente auf den Rechner geladen. Mir reichte es. Ich fuhr zur Polizei, doch der freundliche Beamte dort konnte mir nicht weiterhelfen. Er notierte sich meine Daten und versprach, einen geeigneten Kollegen für mich zu finden, der sich der Sache annehmen sollte. Falls ich noch komplette Daten von diesem Mann hätte, der da scheinbar aus der Ferne auf meinen PC zugreift, sollte ich es ihm vorbeibringen; Adresse, Geburtsdatum, vielleicht ein Bild von ihm. Ja, das Bild, welches mir auf den Rechner geladen wurde, das würde ich ihm bringen.

Ich fuhr also heim, ging an meinen Rechner und machte meine Dokumente auf. Das Foto war verschwunden. Ebenso die Fotoalben von Dezember 2017 und Januar 2018 – genau die Ordner, in denen Fotos aus der Zeit seines Besuches hätten sein können. Verschwunden. Nun gut, ich hatte sie ja noch auf der externen Festplatte, also schaute ich dort nach. Doch auch dort fehlen genau diese Alben. Auch jeglicher email-Kontakt mit ihm ist gelöscht, alles weg. Während ich ratlos in meiner Wohnung stand, klingelte mein Telefon. Der Herr von der Polizei gab mir eine Telefonnummer von der Cyber-Crime- Abteilung mit der Bitte, denen meine kompletten Routerdaten zukommen zu lassen. Sie könnten dann ermitteln, von wo aus jemand auf meinen Rechner zugreift. Ich fühlte mich so nackt, so gläsern, so wehrlos. Für mich ist dieser Mann nicht greifbar, ich kann ihn weder kontaktieren, noch mich wehren. Und er kann scheinbar auf meinem Rechner machen, was er will. Kann er mir auch schaden? Und warum macht er das? Daheim telefonierte ich nochmal mit meiner Schwester. In ihren Augen ist es sogar möglich, dass er bis heute unbemerkt in meine Wohnung geht, wenn ich nicht da bin. Und wenn ich lange genug darüber nachdenke, könnte das sogar sein. also was, wenn ich der Polizei meine Routerdaten gebe und die mich dann belächeln; gute Frau, da greift keiner drauf zu von außen. Das würde heißen, er macht es von innen! In meiner Wohnung! Heute werd ich erst mal meine Schlösser austauschen, nur für den Fall, dass er sich einen Schlüssel hat nachmachen lassen. Und ich werde zusehen, dass ich mein Vertrauen nicht verliere. Bisher hat er mir nicht geschadet und ich bleibe im Vertrauen, dass er es weiterhin nicht tun wird. Was auch immer er mit seinen Spielchen bezweckt; ich werd es überdauern und mein Vertrauen auch!

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Bild von Lisa Caroselli auf Pixabay

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