19. September …irgendein Teil in mir ist froh…

Einer meiner letzten Arbeitstage heute. Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir der Gedanke, dass der Laden zugemacht wird, immer besser. Ich hab in nur viereinhalb Jahren jeden Mitarbeiter da drin überdauert. Ich glaub, ich kann sie gar nicht alle zählen, die da in der ganzen Zeit gekommen und gegangen sind. 9 Vorgesetzte hab ich erlebt da drin und wer jetzt denkt, die alte Hexe hat sie alle davon gejagt, dem muss ich leider sagen; du irrst! Ich hab sogar versucht, jedem einzelnen zu helfen. Ein Fass ohne Boden hat nun mal keinen Boden; das hat inzwischen wohl auch der Inhaber verstanden…

Ich könnte allein ein Buch über diese letzten viereinhalb Jahre schreiben; ein Buch voller Unfassbarkeiten, Kuriositäten und „So macht man es nicht“ – Ratschlägen. Allein die Tatsache, dass ich in all den Jahren nicht eine einzige vernünftige Pause in dem Betrieb gemacht habe, ist erschreckend. Kein dank, egal wie oft ich an meinen freien Tagen doch wieder arbeiten gegangen bin, weil Personal fehlte oder krank wurde. Nichts. Und doch werd ich es auch missen, meinen Job. Es war ein Job und immerhin war es Gastronomie, was schon immer meins war…

Ich fand es ja schon unpassend, von meinem Vorgesetzten hören zu dürfen, dass wir den Laden die letzten drei Wochen noch rocken sollen. Zumal er scheinbar seine Arbeit schon eingestellt hat… Uns jetzt aber großzügig vorzuschlagen, uns bei unserer bisherigen Konkurrenz zu bewerben, die würde uns mit offenen Armen empfangen, fand ich einfach nur übel. Immerhin haben wir vor einem guten Jahr fast das gesamte Personal von der Konkurrenz aufgenommen; die kamen reihenweise zu uns geflüchtet und wir hörten unglaubliches. Lohn wurde nicht bezahlt, Schichten mehrfach ganz allein gemacht, weil einfach kein Personal erschien und vieles mehr. Wir waren entsetzt und irgendwie auch ein wenig erleichtert; scheinbar war es dort noch schlimmer als bei uns… Uns jetzt gnädig an diesen Laden zu verweisen finde ich unterirdisch, aber gut…

Trotz allem, ich war immer dankbar, dass ich Arbeit hatte. Und genau mit dieser Dankbarkeit werd ich meinen Job da drin beenden und gehen. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge geh ich da raus; das war mein Weg! Und jetzt ist er vorbei…

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2 Kommentare zu „19. September …irgendein Teil in mir ist froh…

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