18. September … wenn das Leben dich mahnt, mal wieder dankbar zu sein!

Es kann bei einem selbst grad noch so übel laufen im Leben; immer wieder heilsam finde ich – leider – Krankenhaus – bzw Klinikbesuche. Wir sind dort ja öfter, mein Großer wird wegen seiner Behinderung von einer Klinik betreut. Manchmal brauchen wir eine Notaufnahme; zum Glück meistens wegen irgendwelchen Verletzungen, die abends oder am Wochenende passieren und vernünftig versorgt werden müssen. Gestern waren wir in einer großen Klinik, um ein EEG und weitere Untersuchungen am Kopf von meinem Sohn machen zu lassen. Endlich mal abklären, ob es sich wirklich um Migräne handelt. Ich persönlich hab ja immer noch seinen Unfall im Hinterkopf, der inzwischen 6 Jahre her ist und uns einen riesen Schreck eingejagt hatte. Damals war mein Sohn übermütig von einer niedrigen Kommode in sein Gitterbett gesprungen und hatte dabei mit seinem Kopf genau das Kopfteil vom Bett getroffen; sprich das durchgehende Brett am oberen Ende von seinem Bett. Er brüllte damals etwa 10 Minuten und wurde dann bewusstlos. Ich rief sofort den Notarzt, obwohl man ihm nichts angesehen hat; nicht aufgeschlagen, keine Beule, nichts. Und doch war mir sofort klar, da stimmt was nicht. Er wurde dann mit dem Hubschrauber in eine Klinik geflogen, da sein Blutdruck für ein paar Minuten über 300 war während seiner Bewusstlosigkeit. Gefunden wurde damals nichts, obwohl wir ein paar Tage auf der Intensiv verbrachten. Bis heute weiß kein Mensch, was das war, aber seit mein Kleiner regelmäßig diese Migräneanfälle hat, wünsche ich mir sehr, dass man sich den Kopf doch noch mal genauer anschaut. Gestern war es endlich soweit. Zwar müssen wir auf das Arztgespräch jetzt leider eine Woche warten, die Untersuchungen haben wir aber erst mal geschafft…

Jedenfalls saß ich die meiste Zeit auf dem Flur und hab auf mein Kind gewartet. Und dann sieht man notgedrungen all die anderen Patienten vorbeilaufen, fahren, huschen, humpeln,… Von den Kindern, welche mir gestern begegnet sind – wir waren in der Kinderambulanz – war mein 8-jähriger gestern der älteste. Ein kleines apathisch wirkendes Baby auf dem Arm seiner Mutter, welche verzweifelt einer Ärztin hinterlief und um Antworten flehte, war schwer zu ertragen. Tränen schoßen mir in die Augen, als ich sie mit zitternden Stimme fragen hörte „Welche Regionen im Gehirn sind es? Wird sie es irgendwann können?“. Ich bin kein Arzt, ich hab keine Ahnung, um was es geht, ich kann das nur erahnen. Aber die Stimme der Mutter und dieses Baby auf ihrem Arm, das sind solche Momente, die mich immer wieder Demut lehren. Demut davor, dass wir es wahrlich nicht immer leicht haben und doch sehr viel Glück hatten. Ein kleines Mädchen, etwa 3 Jahre alt, wurde in einem Buggy vorbei geschoben, Mund, Augen und die ganze Haltung von dem Kind sahen auf den ersten Blick nach schweren Behinderungen aus. Während die Mutter das Kind durch den Flur schob, erkundigte sie sich bei einer Ärztin, welche neben ihr herlief, welche Klinik ihr jetzt noch weiterhelfen könne. Ihr sei egal, wie weit es weg sei, wohin sie dafür müsse…

Meine Kinder können laufen, lachen, sprechen, leben. Wir hatten Glück, trotz allem und haben immer wieder viel Zeit zwischen all unserem Stress, unser Leben und unsere Möglichkeiten zu genießen. Es geht nicht darum, zu wissen, dass es anderen schlechter geht als uns selbst. Sondern darum, zu begreifen und vor allem schätzen zu können, was wir haben. Mag sein, mein Großer ist behindert und hat die ein oder andere Baustelle dazu. Mag sein, sein Bruder hat Migräne und irgendwas, was die Menschheit für auffällig hält. Aber sie sind zwei aufgeweckte, ziemlich clevere Kerlchen mit viel Ideen und Blödsinn im Kopf und immer am Kichern und Lachen. Sie haben weitaus mehr Fähigkeiten und Möglichkeiten, als Dinge, die ihnen fehlen oder im Weg stehen könnten. Und sie lernen jeden Tag; du musst auf dieser Welt nicht perfekt sein, nicht alles können, nicht immer dabei sein. Du musst nur rausfinden, wer du bist und was auf dieser Welt zu dir gehört. Und das wirst du besser können als manch anderer. Und nur darum geht es; sei du selbst, mit allem was du hast und bist und nicht dein Scheitern an dir selbst, weil du Dinge von dir verlangst, für die du nicht gemacht bist. Und vergiss niemals, dass du von Anfang an mit einem Geschenk gesegnet wurdest; du bist gesund geboren. Zumindest gesund genug, um ein normales freies Leben zu führen. Vergesst den Mangel, den jeder von uns in irgendeiner Form hat. Bleibt dankbar für das, was euch gegeben wurde, als man euch das Leben schenkte…

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