15. September … bleib du selbst, auch wenn es manchmal schwer ist..

„Das, was ich glaube, zu sein, wird fallen. Das, was ich wirklich bin, wird mich auffangen.“ Mario Amenti

Man stelle sich folgendes vor; da verdrängt man den Großteil seines Lebens seine eigene wirkliche Persönlichkeit und dann kommt irgendein Idiot und sagt dir, wer du wirklich bist. Ja, im ersten Moment nannte ich diese Person, die unerlaubt und ohne Vorwarnung all die Erinnerungen und noch immer in meinem Unterbewussten vorhandenen Anteile aus meinem Vergessen herausholte, einen Vollidiot. Sorgsam und penibel hatte ich alles, was mein eigentliches Ich und all meine Erinnerungen an frühere Leben ausmachte, vergraben. Mir war völlig egal, ob er mich enttarnt hatte oder er tatsächlich mein wahres Ich sehen konnte hinter Welten, die ich bewusst zwischen meine Wahrheit und meinem neuen Ich gebaut hatte. Es war mir egal, wie oder warum er es geschafft hatte und wer das nun mitbekam. Was mich wirklich störte, war die Tatsache, dass er etwas finden konnte, was selbst ich längst vergessen hatte. Meine Vergangenheit tat sich mit einem einzigen, unerwarteten Schlag vor mir auf. Wie eine kleine, unscheinbare Tür in einer weißen, unscheinbaren Wand. Plötzlich war sie da, klein und scheinbar harmlos; bis dieser Fremde darauf zeigte und sie langsam aufging. Und obwohl dahinter alles nur schwarz war, wusste ich doch sofort, was er aufgetan hatte…

Ich ließ mir Zeit, nicht viel, aber trotzdem etwas Zeit, durch diese Tür in die Dunkelheit zu gehen. Zurück in meine Dunkelheit, in meine Vergangenheit, aus der ich heraus geschlüpft war wie aus einem lästigen Kokon. Heute weiß ich; er war nicht lästig, er war gefährlich und ich hatte ihn zurück gelassen um mit der Schuld leben zu können. Mit der Schuld, schlechtes und wirklich böses getan zu haben und der Gewissheit, nichts, absolut gar nichts mehr daran ändern zu können. Und nun stand ich in dieser Tür, nichts als Finsternis vor mir und ich streckte meine Hand danach aus. Sie rief mich, leise aber betörend und für einen Moment dachte ich daran, mich langsam und mit ausgestreckter Hand da reinzutasten. Dann aber hob ich meinen Kopf, während ich meine Hand senkte und trat entschlossen und mit einem einzigen großen Schritt durch diese Tür zurück in meine geliebte Dunkelheit. Und so sehr ich einen Moment lang fürchtete, ich würde ins Bodenlose fallen, so sehr umarmte mich das Dunkle und nahm mich schweigend wieder auf. Als wäre nichts gewesen, als wäre ich nie fortgegangen, als hätte ich nie versucht, ihr zu entkommen, sie gar zu leugnen…

Das war für mich der Tag, an dem alles, was ich für mich versucht hatte aufzubauen und ich als mich selbst ausgab, fiel. Und das, was ich wirklich bin, fing mich auf und hieß mich willkommen. Unser wahres Gesicht werden wir nie verlieren, egal wie sehr wir es auch verbergen wollen, vielleicht sogar vergessen. Kein Make-Up dieser Welt wird verbergen können, was wir sind, was wir waren und was wir immer sein werden. Aber eines wird uns immer erhalten bleiben; die Gewissheit, wir selbst zu sein, wenn wir aufhören, uns selbst zu verleugnen. Und die Liebe zu uns selbst, wenn wir gelernt haben, dass wir geliebt werden dürfen, so wie wir sind und nicht erst liebenswert werden müssen…

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Bild von Caroline Hummels auf Pixabay

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