6. August … bleib bei dir, du bist es wert!

„Ganz gleich, wohin du auch gehst, überall wirst du dir selbst begegnen.“ Unbekannt

Freiheit bedeutet nicht, überall hingehen zu können, sondern sich selbst immer und überall nicht ertragen zu müssen, sondern lieben zu dürfen. Es gab Zeiten, da versuchte ich, mich selbst zu ertragen. Und umso mehr ich mich darauf konzentrierte, umso schwerer wurde es. Es war mit der Zeit nicht das Problem, mich ertragen zu müssen, sondern irgendwann die Erkenntnis; ich fühle mich gezwungen, mich ertragen zu müssen. Ich war ein Mensch geworden, der nicht einfach sein kann, versuchen kann, zu bestehen, sondern der sich einen Weg erkämpfen musste, sich selbst auszuhalten. Mag sein, es war der erste Ansatz, um etwas ändern zu können. Immerhin hatte ich damals die Selbsterkenntnis, dass irgendwas mit mir gründlich schief gegangen war und ich nicht mehr morgens einfach in den Spiegel sehen konnte, ohne mich selbst zu hassen….

Ich weiß nicht, wer von euch schon mal an dem Punkt war, wo er sich wünschte, sich niemals selbst begegnen zu müssen. Der ist so tief, der Punkt, so unfassbar tief und dieser eine Blick in den Spiegel, der mein Leben verändert hat, brannte sich tiefer in meine Seele als Hunderte Jahre Leben und Wissen. Wie Salzsäure fraß sich der Schmerz durch mich hindurch und hinterließ Scham und Pein. So sehr ich meine Augen vor mir selbst verschließen wollte, um mich, dieses Elend nicht mehr sehen zu müssen, so sehr zwang ich mich selbst, endlich hinzusehen. Sieh dir an, was du aus dir gemacht hast. Sieh dir die Striemen und Narben an, auf deinem Körper, auf deiner Seele, auf deinem Herzen. Kannst du überhaupt noch unterscheiden, was am lautesten in dir brüllt? Welcher Teil von dir den größten Schmerz auszuhalten hat? Und ist dir je in den Sinn gekommen, dass du allein dafür verantwortlich bist? Brutal ehrlich und schonungslos nahm ich mich selbst ins Gericht und ignorierte jede Träne auf meinem Gesicht, jeden Stich in mein blutendes Herz, jedes Winseln meiner Seele. Ich richtete mich selbst und zum ersten mal seit sehr langer Zeit blieb ich stehen, blickte mir selbst im Spiegel in die Augen und dachte nicht mal dran, abzuhauen. Mein halbes Leben war ich vor mir selbst geflohen, es war endlich an der Zeit, damit aufzuhören. Wie in Schockstarre hörte ich mir selber zu und mit jeder Wahrheit, die ich mir wütend ins Gesicht schleuderte, wurde ich ehrlicher, aber auch ruhiger. Irgendwann ruhig genug, um mich nur noch weinen zu lassen und dann nahm ich mich endlich in den Arm…

Wie viele Jahre das inzwischen her ist und wie sehr es mich weiter gebracht hat auf meinem Weg. Meilen, viele endlose Meilen weit hat es mich gebracht und ich habe es nie bereut. Egal, was wir fühlen, wie sehr etwas schmerzt, wie hart uns etwas trifft; weglaufen ist nie eine Option. Zumindest keine, die man wählen sollte. Wir können vor dem Sturm fliehen, eine gewisse Zeit bestimmt auch vor der Wahrheit, aber eines werden wir nie können; vor uns selbst fliehen. Und wenn du Länder, Kontinente hinter dir lässt; du wirst dich mitnehmen, dich selbst und dir – wo auch immer du hingehen magst – dort wieder selbst begegnen. Lerne, mit dir selbst zu leben; fliehen wirst du vor dir nie können…

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