28. Juli … das ist doch nicht schlimm!

„Es gibt schlimmere Kinder“, sagte gestern eine Dame zu mir, welche an der Kasse hinter mir stand. Wie jeden Samstag ging ich am frühen Morgen mit meinem großen Sohn einkaufen und merkte schnell, dass das nicht sein Tag war. Er wurde immer wieder ausfallend, schubste den Einkaufswagen immer wieder mit Schwung quer durch den Laden, schimpfte und schrie, bis ich kurz davor war, das Weite zu suchen. Nachdem ich im Schnelldurchgang meine Einkaufsliste durchgesprintet war, schob ich schnellstmöglich den Wagen Richtung Kasse, während ich meinen Sohn losschickte, noch schnell was zu holen – irgendwie musste ich ihn ja vom Wagen trennen. Während ich all unsere Sachen auf das Laufband packte, hörte man mein Kind erneut wie eine Sirene durch den Laden heulen. Innerlich langsam „21, 22, 23,…“ zählend, leerte ich weiter unseren Einkaufswagen und lächelte flüchtig, als mein Blick die Kundin hinter mir streifte. Gerade, als ich mich von ihr wegdrehen wollte, sprach sie zu mir: „Es gibt schlimmere Kinder…“

Ach ja, gibt es die? Und nun? Soll mich das beruhigen? Oder soll ich mir jetzt erst mal Gedanken machen, dass mein Kind mal wieder so schön aufgefallen ist, dass man sich dazu äußern muss? Und wenn wir schon mal dabei sind; definiere doch bitte mal „schlimmer“? Ich persönlich würde es heute so definieren; wenn ich mit einem verhaltensauffälligen Kind einkaufen gehe, welches einen extrem schlechten Tag hat, dann finde ich es schlimm, wenn ich „ausversehen“ beim abbiegen in eine Regalreihe in ein Gespräch zwischen Verkäuferin und einer älteren Dame platze und sofort merke, dass man sich grade tierisch über mein Kind aufregt. Mir selber sagt man natürlich kein einziges Wort ins Gesicht, sondern sieht schnell weg und verhält sich so, als wäre man grade eben erst auf dem Planet Erde erschienen. Noch schlimmer finde ich es übrigens, wenn dann besagte ältere Dame mich dann an der Kasse angrinst und mir mit auf den Weg gibt, dass es schlimmere Kinder als meines gibt.

Nun, um es auf den Punkt zu bringen; es gibt immer irgendwas auf dieser Welt, das schlimmer ist. Allerdings gibt es für mich keinen Satz auf dieser Welt, der das Wort schlimm und mein Kind gleichzeitig beinhaltet. Manchmal denke ich noch heute an einen Satz, den mein Sohn gesagt hat, als er noch ganz klein war. „Mama“, hat er gesagt, „ich weiß, warum ich in deinen Bauch wollte; weil ich gewusst habe, dass du die beste Mama auf der Welt bist!“ Nein, ich bin ganz sicher nicht die beste Mutter auf der Welt, aber ich werde immer etwas besonderes in deiner Behinderung sehen und ganz sicher nie etwas schlimmes!

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