3. Juli … gegen die Angst geht manchmal nicht!

Immer mehr kann ich chronisch kranke Menschen verstehen oder jene, die unter Depressionen oder ähnlichem leiden. Man nimmt euch oft nicht ernst, belächelt euch; manchen wird sogar unterstellt, sie würden vieles nur vortäuschen. Und falls ich selbst mal so urteilen konnte – und ich fürchte, früher habe ich sowas getan – entschuldige ich mich in aller Form bei jedem Betroffenen…

Wie es dazu kommt? Vorgestern war ich beim orthopädischen Chirurgen wegen meinem Rücken. Ich hatte Glück und konnte direkt zum MRT. Allerdings wollten die mich komplett in die Röhre fahren und zwar Kopf voran. Obwohl ich bei dem Gedanken sofort Herzrasen bekam, da ich unter extremer räumlichen Platzangst leide, stimmte ich einem Versuch zu. Die freundliche Dame wollte mich so schnell wie möglich komplett durch die Röhre fahren, ich solle die Augen schließen. Wenn ich durch bin, könne ich mit nach hinten gestrecktem Kopf bei meiner Körpergröße mit etwas Glück hinten raus schauen. Als die Bahre stehen blieb, freute ich mich darüber, dass es so schnell gegangen war und öffnete erleichtert die Augen. Ich glaub, mein Puls ist noch nie so schnell nach oben gejagt, wie in dem Moment; ich war rundum umgeben von dieser Stahlröhre. So schnell wie möglich ließ ich mich da raus holen und verließ fluchtartig die Praxis, während ich gegen Tränen kämpfte und versuchte, Puls und Atmung unter Kontrolle zu bekommen…

So weit, so gut. Inzwischen weiß ich, dass man auch Beruhigungsmittel verschreiben lassen kann, um dieses vor der MRT – Untersuchung zu nehmen. Gestern hab ich den halben Tag deswegen telefoniert. Von „… ein wenig zusammenreißen werden Sie sich trotzdem müssen…“ von Seiten der Ärzte über „Augen zu und durch“ bis „… da muss man dich halt einschläfern, um ein MRT zu machen…“ – und das unter Gelächter von einem angeblichen Freund – musste ich mir alles anhören. Leute, nicht böse sein, ich hab viel Humor, ich hab viel Willen und ich kann einiges ab, aber ich weiß jetzt, wie man sich fühlt, wenn man eine Grenze im Leben erreicht, die andere nicht dulden. Wenn man nicht verstanden wird, nicht mal das Gefühl entgegen gebracht wird, dass jemand versucht, dich zu verstehen. Wie muss es chronisch kranken Menschen erst gehen, die ein ganzes Leben an Grenzen leben müssen? Sich rechtfertigen müssen, sich immer wieder zusammenreißen sollen, sich nicht so anstellen sollen. Was, wenn Menschen einfach wirklich ihre Grenzen haben und zwar an Stellen, wo wir sie uns manchmal einfach nicht vorstellen können? Vielleicht sollten wir Menschen – auch den starken – einfach mal glauben, wenn sie sagen, sie haben eine Grenze erreicht. Wissen sie – wissen wir selbst – nicht am Besten, wie weit wir gehen können? Was wir schaffen?

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung, auch wenn es mir grade enorme Umstände macht. Sie macht mich empathisch, menschlich und gibt mir einen Teil von mir selbst wieder, den ich verloren geglaubt habe; Mitgefühl. Und ich werde in Zukunft wieder mehr drauf achten, es für andere zu haben. Ein einziger hat mich bisher ernst genommen mit meinem Problem; ein sehr guter Freund, der leider chronisch krank ist…

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