6. Juni … Hoppe, hoppe Reiter geht auch mit der Sniper…

Da bin ich wieder, mit Zahnlücke! Oh menno, hätte ich gewusst, wie bombenfest dieser schiefe Zahn noch sitzt, ich hätte einen Teufel getan, ihn mir ziehen zu lassen! Das war eine Tortur! Meine liebe Ärztin hat ja gleich mal alles betäubt, die kennt mich und meine unglaubliche Schmerzempfindlichkeit im Zahnbereich. Und dann ging es auch schon los mit dem Gewackel und Gedrücke. Ja, richtig, in alle Richtungen hat sie teilweise schon fast mit Gewalt meinen Zahn gedrückt und gewackelt, bis ich ihr per Handzeichen mitteilte, dass das dann doch ziemlich weh tat. Und wie das weh getan hat….

Ich als alter Schisser – reine Nervensache, wie ich festgestellt habe – muss da unglaublich im Kopf arbeiten, damit ich Zahnarzt bewältigen kann und hab ja meine Methoden entwickelt. Mit geschlossenen Augen stell ich mir immer irgendeine Szene vor, in der ich grad stecke. Als gestern die Zange kam, schloss ich meine Augen und dachte grad nach, wohin ich im Geiste jetzt reisen könnte, da tauchte ein sanfter, großer Pferdekopf vor mir auf. Domspatz! Er blies mir schnaubend seinen warmen Atem ins Gesicht, während ich mir dachte; der muss längst tot sein! Richtig, denn auf Domspatz bin ich als Kind immer geritten und da war dieses wunderschöne, schwarze Pferd schon nicht mehr jung. In dem Reitstall, in dem er damals stand, galt er als kleiner Teufel. Nicht jeder durfte auf ihm reiten und ich gehörte zu den wenigen, die er mit seinem wilden Galopp nicht aus dem Sattel geworfen hat. Eine Weile sahen wir uns in meinen Gedanken an, während meine Hand ihn vorsichtig streichelte. Die Stimme der Zahnärztin riss mich aus meinen Gedanken…

„Atmen sie mal ruhiger, ganz ruhig atmen. Vor allem auch ausatmen!“ Jetzt erst merkte ich, dass ich beinahe hechelte wie ein Hund. „Sniper“ schoss es mir durch den Kopf! Wozu Zocken alles gut ist, man glaubt es nicht! In meinen Shooter – Games spiele ich meistens Sniper (Scharfschütze); da ist eine sehr ruhige Hand, also ruhiges Atmen wichtig. Ich rief mir gedanklich also eine Sniper in die Hand, setzte an und visierte durch das Zielfernrohr den Feind an; in diesem Fall leider grade meine Zahnärztin. Das Fadenkreuz wischte von links nach rechts über ihr Gesicht. „Ruhig atmen“, ermahnte ich mich in Gedanken jetzt selber und versuchte, das Fadenkreuz auf ihre Stirn zu bringen. Als es sich dort endlich eingependelt hatte und zur Ruhe kam, hörte ich meine Zahnärztin zufrieden: „Geht doch!“ Ja klar geht das, aber du willst ganz sicher nicht wissen, warum…

Nun, ich hab diese kleine Tortur „Hexenzahn“ überstanden; letztendlich saß ich gedanklich auf einem schwarzen Pferd mit erhobener Sniper, aber es hat geklappt. „Mut zur Lücke“, hat mein kleiner Bruder neulich gesagt. Ja, Mut zur Lücke, ich hab jetzt beides; eine Lücke und den Mut, sie erst mal so stehenzulassen…

stallion-422110_1920

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s