29. Mai … lieb dich auch dann, wenn du es am wenigsten verdient hast!

So, meine Entscheidung ist gefallen. Scheinbar gibt es im Moment keine vernünftige und bezahlbare Lösung für mein Zahnproblem. Dieses besteht übrigens aus einem sehr schiefen Zahn im Frontbereich, der sich langsam aber sicher von alleine rausdreht und irgendwann ausfallen wird. Er entstellt mich etwas, meinte der Kieferchirurg charmant. Ja, das tut er, dankeschön! Warum bloß hab ich mich nicht längst drum gekümmert? Ja warum? Diese Frage kam in den letzten Tagen in mir auf…

Nun, ich erinnere mich an Zeiten, da war ich 15, 16 Jahre alt. Damals war ich jung und schön *kicher* – Haare bis zum Hintern, lange schlanke Beine, Schmollmund… Wenn ich im knappen Rock in den Bars unterwegs war, hätte ich viele mit nach Hause nehmen können, immer wieder. Was ich aber nie getan habe, denn genau das hat mich mein halbes Leben lang zutiefst verletzt; die Männer fanden mich geil, nicht schön. Sie wollten mit mir ins Bett für eine Nacht und nicht ein Leben miteinander verbringen. Und wer jetzt sagt, das lag am kurzen Rock; nein, lag es nicht. Auch „anständig“ bekleidet erging es mir nicht anders. Und das, obwohl ich nie One-Night-Stands hatte…

Hab ich mich zu dieser Zeit jemals selbst geliebt? Nein, denn sonst hätte es mich nicht so tief verletzt. Dann hätte ich mich nämlich selbst in den Arm genommen und es wäre gut gewesen…Als ich lernte, mich selbst zu lieben, war meine einst geglaubte Schönheit längst dahin. Das Top – Figürchen verschwunden, die Löwenmähne ergraut und ausgedünnt. Zwei Kinder und manch Krankheit haben Spuren hinterlassen. Und doch kann ich erst heute aufrichtig das, was von mir übrig ist, in den Arm nehmen. Ich kann mir in die Augen sehen und mir aus tiefstem Herzen selbst aus Überzeugung sagen, dass ich mich liebe. So, wie ich bin, mit all meinen optischen Fehlern und charakteristischen Ecken und Kanten. Ich lernte, mich zu lieben, ganz einfach so, wie ich bin. Und genau das hat mich geheilt, am meisten von dem trügerischen Glauben, perfekt sein zu müssen. Heute weiß ich, das werde ich – wie jeder andere auch – nie sein. Und das muss ich auch gar nicht, denn ich bin genug und das reicht völlig! Vielleicht hat es deswegen so lange gedauert, dass ich mich um mein kleines, optisches Problem kümmer; ich musste erst mal zu mir selbst. Bei mir selbst ankommen. Rausfinden, ob ich mich wirklich lieben kann, so wie ich bin. Ja, ich kann! Und nächste Woche kommt mein Hexenzahn, wie ich ihn immer liebevoll nenne, raus. Nur raus, erst mal ersatzlos. Und dann einfach mal sehen, was passiert. Manche Dinge im Leben hinterlassen Lücken, die niemand braucht. Und ich geh jetzt ins Vertrauen, dass sich meine von alleine schließt. Zumindest soweit, dass sie mich nicht mehr stört…

 

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