4. Mai … was auch immer da oben ist, gib auf ihn acht!

Zwar hatte ich nicht vor, darüber zu schreiben, aber es beschäftigt mich zu sehr. Erst mal eine kurze Vorgeschichte:

Mein Bruder ist verheiratet und anfangs mochte ich seine Frau gar nicht. Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass sie eigentlich eine sehr freundliche, herzliche Person ist und ich sie nur nicht mochte, weil sie Aufmerksamkeit von meiner Mutter genoss – und das von Anfang an – die ich nie bekommen habe. Ich gab den Groll gegen sie auf, denn sie konnte ja nichts dafür und inzwischen ist der Draht zu ihr besser, als der zu meinem Bruder. Da sie aber fast 100 km von uns weg wohnen, sieht man sich eigentlich nur zu Familienfeiern, welche aber immer sehr schön sind. Es herrscht immer eine gute Stimmung, wir werden herzlich und mit viel Gastfreundschaft bewirtet; ich fahr immer gerne hin. Die Familie der Frau meines Bruders wohnt in der Nachbarschaft und ist auch oft dabei. Alles herzliche Leute, manchmal etwas laut – sie scherzen, trinken manchmal ein Schnäpschen, lachen sehr viel – aber alles fleißige und nette Leute.

Die Frau meines Bruders hat eine verheiratete Schwester und ihr Sohn hatte nun leider einen schweren Unfall. Dabei erlitt er schwere Kopfverletzungen, wurde inzwischen zweimal operiert, liegt im künstlichen Koma. Ein 22 – jähriger junger Mann, mitten im Leben. Als ich die Nachricht Donnerstagmorgen erhielt, war ich zunächst so irritiert. Ein paar mal im Jahr sieht man diese Leute, hat sich nie groß mit ihnen befasst. Oft war es mir zuviel; zu viele Menschen, zu laut, zuviel Stimmung. Was ich aber irgendwann bewundert habe; sie verbringen sehr viel Zeit miteinander, gehen immer herzlich miteinander um und es gab nie ein böses Wort. Ganz anders, als in meiner Familie…

Und plötzlich bangt man selbst um diesen jungen Mann, schluckt schwer, wenn man nachts eine Nachricht aufs Handy bekommt; Not – OP. Heute Mittag die Entwarnung, es geht ihm wieder besser. Es beschäftigt mich sehr, obwohl wir nicht ein sehr inniges Verhältnis haben, uns selten sehen. Aber ich fühle zutiefst mit den Eltern, mit allen Angehörigen und ich hoffe ständig, es nimmt ein gutes Ende. Ich bin froh, kann ich heute wieder solche Anteilnahme haben, dieses Mitgefühl aufbringen, in überraschend hohem Maße. Es macht mich menschlich, es sagt mir; dein Herz ist längst nicht mehr aus Stein. Nur sehr bedauerlich, muss ich es auf diese schreckliche Art und Weise herausfinden…

Manchmal bin ich mir nicht sicher, zu was ich bete, wenn ich bete. Oft zu allen Mächten, die mich umgeben und im Moment hauptsächlich nur um eines; lass diesen jungen Mann bitte wieder gesund aufwachen!

river-4154748_1920

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s