24. März … wenn ich groß bin, werd ich Müllmann!

So sehr mein großer Sohn mich manchmal mit seinen Eigenheiten an den Rande des Wahnsinns treibt, so faszinierend kann er manchmal auch sein. Seit er laufen kann, hat ihn Müll interessiert. Jeder Mülleimer wurde begutachtet, jeder Unrat auf der Strasse bestaunt. Wenn er Ferien hat, sitzt er oft draußen vor der Tür und wartet auf die Müllabfuhr. Wenn unsere Tonne dann endlich geleert wird, läuft er dann immer ein paar Strassen mit. Inzwischen kennen ihn die Jungs von der Müllabfuhr und manchmal darf er dann ein klein wenig helfen. Das macht ihn unglaublich stolz!

Gestern hat er wieder seine Arbeitshandschuhe angezogen, sich einen großen Müllbeutel geschnappt und ist Müll einsammeln gegangen. Er hat hier bei uns ein festes Gebiet, in dem er sich bewegen darf, daran hält er sich. Man kennt ihn inzwischen und wenn ich mich immer mal wieder auf den Weg nach draußen mache, um zu sehen, wo er ist, dann treff ich fast immer wen, der es mir sagen kann. Er spricht ja unterwegs jeden an, bittet die Menschen, keinen Müll auf den Boden zu werfen; viele finden toll, was er macht. Abends kam er wieder mit ein paar Euro heim, immer wieder stecken ihm Nachbarn ein paar Münzen zu. Im Winter hat er ja oft den ganzen Tag bei uns hier die Strasse rauf und runter Schnee geräumt. Unermüdlich, kam nur zum Trinken oder um auf Toilette zu gehen nach Hause. Auch da füllte sich sein Sparschwein von Tag zu Tag mehr.

Was mich anfangs fast in den Wahnsinn getrieben hat – die Tatsache, dass er jeden Müll anfassen wollte – ist heute für ihn ein wichtiger Bestandteil seiner Freizeit. Er schafft Ordnung auf dieser Welt – etwas, was er in seiner eigenen, in seinem Kopf, so nicht kann. Es gibt ihm Halt in seinem Chaos und im Gegensatz zu allem anderen ist es etwas, womit er sich sehr lange beschäftigen kann. Er hat Arbeitshandschuhe vom Baumarkt, eine orange Arbeitslatzhose und meistens trägt er noch eine Warnweste. Bekannt wie ein bunter Hund, mein Sohn, aber was das schöne ist; die meisten mögen ihn so wie er ist. Finden toll, was er macht. Und lassen ihn sein, wie er ist. Inzwischen bin ich froh, hab ich ihm da nie einen  Riegel vorgeschoben bei seinem etwas seltsamen Hobby. Wir haben einen Weg gefunden, wie es für uns beide vereinbar ist und ihn erfüllt es sehr. Und was sich andere dabei denken, ist mir längst egal geworden. Seine Welt ist nun mal anders, als unsere. Und wer, wenn nicht er selbst, findet da den für ihn besten Weg…

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