21. Februar … das ist nicht fair!

„Das Leben ist nicht fair“ – diesen naiven Gedanken habe ich lange gehabt. Immer wenn man sich wieder ein Stück weit aus dem Dreck gezogen hat, ist man im nächsten Moment im nächsten Loch versunken. Knietief und erst mal resignierend; nicht schon wieder, nicht noch mal, warum ich? Wie ein schockgelähmtes Tier, welches sich starr seinem Schicksal ergibt. Erst wenn man bis zum Hals feststeckt, versunken ist, erwachen die Lebensgeister; ich muss hier raus, will nicht untergehen!

Das Leben ist nicht fair, wenn man endlich Möglichkeiten hätte, sich zu entwickeln, fortzuschreiten, nach oben zu kommen. Wenn Möglichkeiten entstehen und wieder und wieder scheitern an meiner simplen Lebenslage. Wie der Topf voller Gold am Ende des Regenbogens, den man endlich findet. Nur um festzustellen; es soll nicht sein, es wird nie sein weil es nur Wunschdenken ist. Wie dieser magische Moment, wenn morgens der Tag die Nacht still und leise küsst, der erste Lichtstrahl in der Dämmerung zwischen Licht und Dunkelheit; ein Zauber für Sekunden und dann auch schon wieder vorüber. So still und schön und doch nichts, was man festhalten kann für die Wirklichkeit…

Das Leben ist nicht fair, wenn einem Menschen begegnen, auf die man ein Leben lang gewartet hat, nur um festzustellen, dass es nicht sein soll, nicht sein darf, vielleicht nie sein wird. Um verstehen zu lernen, dass diese Sehnsucht in unserem Herzen nie vergehen wird; vielleicht, weil sie alles sein wird, was uns bleibt…

Das Leben ist nicht fair, denken wir manchmal. Aber was, wenn es da draußen tatsächlich Dinge gibt, um die wir kämpfen müssen, dieses eine mal? Für die wir aufstehen müssen mit unseren alt gewordenen Knochen, unserem müden und doch wachgebliebenen Geist und mit unserem längst vergessenen Schwert, welches dort in der Ecke liegt, im Staub seiner Zeit. Wie schnell wären wir bereit, es für andere zu tun? Für jene, die wir lieben, gehen wir da raus und kämpfen. Was ist mit uns selbst? Da erwacht die Kämpferin in mir, hebt verschlafen ihren Kopf, sieht mich erwartungsvoll an. Ich kann das Glänzen in ihren Augen sehen, so voller Kampfeslust. „Einmal noch, komm!“, ruft sie mir schweigend zu. „Dieses eine mal noch“, diesmal fast flehend. Ich seh sie an, vielleicht einen Augenblick zu lange und winke dann ab. „Das Leben ist kein Kampf“, sag ich leise aber wissend. „Das Leben ist kein Kampf und wenn etwas zu uns gehört, wird das auch kampflos geschehen.“ Den Zorn in ihren Augen kann ich nicht nur sehen, sondern besonders auch spüren. Wie sehr sie kämpfen will! Es dauert lang, bis sie sich wieder schlafen legt und fast bedauer ich es ein wenig, wie gehorsam sie ist…

Das Leben ist nicht fair, denke ich manchmal und dann muss ich lächeln…

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