17. Februar … ich hab nichts erreicht, nur mich selbst!

„Ich werd 40 und hab nichts erreicht!“ Den Satz hab ich gestern tatsächlich zu meiner Schwester gesagt. Nun, der stimmt so, wenn man ihn weltlich sieht. In den Augen der Menschheit, der Gesellschaft, hab ich noch nichts erreicht. Wenn ihr mich fragt, hab ich doch das ein oder andere geschafft.

Ich hab mich selbst überlebt; meine unstillbare Sehnsucht nach dem Tod; all meine Versuche, ihm zu begegnen; die Phasen meines Lebens, wo ich nur das eine mit mir machte – mich zerstören. Ich hab dem Schmerz getrotzt; dem, meine geliebten Zwillinge nicht hier zu haben; dem, geliebte Menschen zu verlieren; dem, mich selbst nicht zu begreifen. Ich hab gegen jede meiner Prinzipien Kinder bekommen; meinen Krebs besiegt, stand gehalten. Ich halte Stand, seit inzwischen fast zehn Jahren; gegen jede Empfehlung bliebt mein behindertes Kind bei mir. Wer will mir schon sagen, was ich schaffe und was nicht? Wer will mir meine Grenzen aufzeigen, wenn nicht ich selbst?  Ich hab mich selbst überlebt, obwohl Jahre meines Lebens mein einziges und letztes Ziel war, mich selbst zu zerstören. Inzwischen sind zehn Jahre vergangen und ich habe jeden einzelnen Tag damit verbracht, mir näher zu kommen, bei mir zu bleiben und mich so zu lieben, wie ich bin. Und seit ich diesen Weg gegangen bin, weiß ich; ich kann jeden Weg gehen. Jeden!

Ich werd 40 und hab nichts erreicht; letztendlich ist das richtig. Aber wenn es nicht um die Gesellschaft geht, sondern allein um mich, dann würde ich sagen: du hast mehr erreicht, als du je wolltest. Du wirst 40, obwohl du mit 19 das erste mal sterben wolltest. Du hast Kinder, obwohl du in diesem Leben nie welche haben wolltest. Und genau diese Entscheidung, Kinder zu haben, hat einen Menschen aus dir gemacht. Du liebst dich selbst, obwohl man dir Jahre deiner Kindheit gesagt hat, sowas wie dich kann man nicht lieben. Du kannst allein sein, obwohl genau die Einsamkeit das war, was dich einst in den Wahnsinn getrieben hat. Und jetzt sag mir, du hast nichts erreicht!

Es macht mich nicht traurig, nichts erreicht zu haben; ich bin genug! Und für mich ist es Motivation genug, zu sagen; dann wird es Zeit, dass ich jetzt was erreich! Das Leben ist schön

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5 Kommentare zu „17. Februar … ich hab nichts erreicht, nur mich selbst!

  1. Wow, dieser Text berührt mich sehr. Ich bin 15 und hatte vor zwei Jahren schon Selbstmirdgedanken und kämpfe immer noch damit, auch Depressionen und dauernd einen Freund zu verlieren, weil er nichts mehr in mir sieht macht mir zu schaffen.
    Von nun an kannst du nicht mehr sagen, dass du nichts erreicht hast. Du hast mich erreicht, mit deinen Worten. Sie bringen mich weiter, dein Text hilft mir bei meinen Liedtexten. Danke dafür🙏

    Gefällt 1 Person

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