22. Januar … wenn man nicht sterben darf…

In den letzten Tagen hab ich mich mit einem Buch über Sterbehilfe beschäftigt. Ziemlich schonungslos berichtet die Autorin aus einem Pflegeheim, in dem sie sich als Helferin hat anstellen lassen. Von Menschen, die mit glasklarem Verstand in ihrem sterbenden Körper vor sich hin vegetieren – manche monatelang, jahrelang. Viele von ihnen wünschen sich nichts so sehr auf dieser Welt, als einfach sterben zu können. Erlöst zu werden vom Gefangensein in ihrem eigenen Körper, von den Schmerzen, die auf Dauer mit keinem Schmerzmittel mehr zu stillen sind. Und bei vielen kommt die Einsamkeit dazu; kein Besuch, keine Familie, die sich kümmert. Mancher hat nur Kontakt zu Menschen, wenn jemand das Essen vorbei bringt oder kommt, um den wunden Körper im Bett alle paar Stunden zu wenden.

Mein Vater hat keine ganze Woche in einem solchen Pflegeheim verbracht. Diese Hilflosigkeit, ihn dort liegen zu lassen, nichts für ihn tun zu können, die war betäubend. Da einfach wieder rauszugehen, ihn in seinem – dank Morphium – Dämmerzustand zurückzulassen, das fühlte sich an wie Verrat, wie herzlose Gleichgültigkeit. Dabei war es einfach nur die nackte, erbarmungslose Wahrheit, dass ich nichts für ihn tun konnte. Nichts, außer vielleicht beten. Lass ihn sterben, lieber Gott. Nimm ihn zu dir, so bald wie möglich…

Jeder geschlechtsreife und zeugungsfähige Mensch darf Kinder in die Welt setzen. Jeder. Kaum einer mischt sich da ein. Aber niemand in Deutschland darf frei entscheiden, wann er sterben darf. Menschen durchleiden körperliche Qualen bei langer Krankheit, bis zum bitteren Ende. Ein Tier hätte man lange vorher schon eingeschläfert. Erlöst. Und das, obwohl man das Tier, welches scheinbar leidet, weder fragen kann, ob es Sterben möchte noch wie sehr es Schmerzen hat. Man glaubt einfach, es sei besser für das Tier, zu sterben. Und ein Mensch, der von sich aus darum bittet, sterben zu dürfen, hat kein Recht dazu…

Ich hoffe sehr, Deutschland ändert irgendwann seine Gesetze dazu!

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