16. Januar … in der Wahrheit findet man Demut…

Wisst ihr, was mich immer wieder sehr erdet? Demut! Wir sollten nie verlernen, zu hören, wenn sie uns etwas sagen will.

Gestern war ich auf Arbeit und nahm einen Anruf entgegen. Am Telefon war eine sehr junge Frau, welche mich fragte, ob wir einen Job zu vergeben haben. Ich tat das übliche, wie bei jedem Bewerber; ich bat sie, uns ihre Bewerbungsunterlagen zukommen zu lassen. Da fing sie an, zu erzählen. Wie alt sie ist, dass sie in einer Behinderteneinrichtung lebt (sie nannte den Namen der Einrichtung und ich kenne diese durch meinen Sohn) und dass sie sich wirklich sehr viel Mühe bei der Bewerbung geben würde. Sie klang etwas verzweifelt, fast schon flehend und erzählte mir ein paar Details über sich. Ich stand nur da, in unserer kleinen Vorbereitungsküche auf Arbeit und lauschte fast schon fasziniert. Das Mädchen lebt in der Behinderteneinrichtung, welche ich mir für meinen Sohn schon einmal angeschaut habe. Wenn er in ein paar Jahren mit der Schule fertig sein wird, dann wird er auch irgendwann betreut wohnen. Wir haben es uns zusammen angesehen und darüber gesprochen, mein Sohn und ich. Und als mich das Mädchen gestern auf Arbeit anrief, hatte ich im Geist meinen Sohn vor mir stehen. So würde er mal sein. Seine Kindheitsträume von Bagger, Pool, Haus und Pferd würden in der Realität platzen. Sie werden an der einfachen Tatsache scheitern, dass er wohl nie eine Berufsausbildung machen wird, sondern in irgendeinem simplen Job angelernt wird. Als mir bewusst wurde, dass er vielleicht nie selbstständig ein Bewerbungsgespräch führen wird, wurde mir klar, dass mir zwar all die Dinge, die die Zukunft von meinem Großen betreffen, ziemlich realistisch bekannt sind, ich sie aber noch lange nicht begriffen habe. Nachdem ich das Gespräch mit der Anruferin beendet hatte, entschuldigte ich mich im Geiste bei meinem Sohn, dass ich ihm kein normales Leben schenken konnte…

Ich sehe und erlebe meinen Sohn als sehr zufriedenen, oft glücklichen kleinen Kerl und denke mir oft, dass er gar nicht begreift, wie anders er ist. Ihm geht es da drin, in seiner kleinen Welt, wohl weitaus besser, als vielen von uns in der „Normalität“. Und ich denke, wir machen uns viel zu selten klar, wie viel Glück eigentlich ein gesunder Mensch hat und wie viele Chancen mehr. Chancen, die wir oft einfach verstreichen lassen, ohne je einen Gedanken daran zu verschwenden, dass nicht eine davon selbstverständlich ist…

Lasst es uns mehr schätzen, dass die meisten von uns gesund sind und ein eigenständiges Leben führen können. Letztendlich hatten wir in einem entscheidendem Moment einfach nur Glück. Aber manchmal vergessen wir das…

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Ein Kommentar zu „16. Januar … in der Wahrheit findet man Demut…

  1. Ja, etwas mehr Demut wäre häufig angebracht. Allerdings ist es trotz aller Lippenbekenntnisse etwas nicht gern gesehenes. Stattdessen üben sich viele in Forderungen an das Leben, die Gesellschaft und was weiß ich nicht noch. Traurig.

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