21. Dezember … vor sich selbst kann man nicht fliehen…

… ich hab mal geglaubt, irgendwann werde ich aufwachen und einfach leben. Das kommt schon noch, nur Geduld. Ich müsste nur warten, bis es von allein anfängt. Dieses „wer bin ich und wo will ich hin?“ hat mich Jahre rumgetrieben. Dieses Gefühl, nicht geliebt zu werden – von niemandem – hat mich oft in die Knie gezwungen. Vor allem, wenn es still um mich wurde, konnte ich die Einsamkeit hören; wie sie immer lauter wurde und immer mehr an mir nagte. Mein einziger Trost war immer, dass sich das alles irgendwann ändern würde. Eines Tages, von ganz allein. Aber es änderte sich nie.

Manchmal wollte ich einfach nur noch schreien, ganz laut. „Ist draußen irgendwer, der meinen Namen kennt, für den ich nicht vergessen bin?“ (Rosenstolz). Würde mich jemand hören? Wie laut würde ich wohl schreien müssen? Ist da jemand? Nachts bin ich früher oft mit dem Auto auf die Autobahn, die Musik ganz laut, bis das Blech vibrierte von der Bassbox im Kofferraum. Und dann hab ich gebrüllt, aus meinem tiefsten Inneren, bis die Kehle weh tat und die Tränen kamen. In mir tat alles weh, jeder leise Gedanke, jedes kleinste Gefühl. Weil ich das Leben nicht verstand, mich selbst nicht begriff und weil da draußen niemand war, der mir auch nur eine einzige Frage beantworten hätte können. Was hätte ich dafür gegeben, es wäre einfach nur jemand gekommen und hätte mich in den Arm genommen? Einfach so, Wärme spüren, den Puls des Lebens, der in mir viel zu leise geworden war…

Heute kenn ich jede dieser kleinen Wunden auf meiner Seele und wenn mich eine ansieht, dann küss ich sie und lächel. Ihr habt mich groß gemacht, meine Narben, groß und stark. Ihr habt meinen Weg gepflastert und ich durfte wachsen an euch, auch wenn es lange danach ausgesehen hat, dass ich an euch zerbrechen würde. Manchmal schaut mich noch heute die Einsamkeit an und zwinkert mir zu. Sie sagt lange schon nichts mehr, wir sehen uns nur an und erinnern uns, wie schwer es mal war. Und dann geht sie wieder, ganz leise, wie sie auch gekommen ist. Sie weiß, dass ich sie nie mehr annehmen werde; wohl auch nie vergessen, aber ganz sicher nicht zurück nehmen werde.
Gestern haben wir uns lange angesehen und als sie ging, war ich einfach nur dankbar dafür, dass ich sie besiegt habe. Egal, wie weh es manchmal tut, wie sehr uns manchmal etwas fehlt, wie tief der Abgrund auch mal ist, vor dem wir stehen und in den wir blicken; wir dürfen nie aufgeben. Weder die Hoffnung noch uns selbst! Es spielt keine Rolle, ob uns da draußen noch wer kennt. Ob uns jemand hört, wenn wir schreien. Viel wichtiger ist, dass wir uns unser selbst bewusst sind, uns unsere verdiente Aufmerksamkeit schenken, uns selbst lieben, auch wenn wir manchmal glauben, nichts und niemand auf dieser Welt wäre dazu fähig. Es ist nicht Stärke, immer aufrecht stehen zu bleiben und das kann auch niemand. Stärke ist, wenn wir niemals aufhören, es wieder zu versuchen. Bis wir uns selbst hören…

 

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