7. November … ertrage dich selbst und du erträgst die Welt…

Seit ziemlich genau einem Jahr und zehn Monaten befasse ich mich mit mir selbst, drösel meine ganze Vergangenheit auf und geh meinen Weg. Zerlege Momente, die unglaublich schmerzhaft waren; zerlege sie so lange, bis ich jedes winzige Detail davon kenne und so vertraut damit werde, dass ich nichts davon mehr fürchten muss. Halte fest die wunderschönsten Erinnerungen und geh in die Dankbarkeit, sie gelebt haben zu dürfen. In den letzten Tagen wurde mir eines immer mehr bewusst; der Zeitpunkt, als die Entscheidung für mich reifte, Kinder zu bekommen, der Weg dahin, der ziemlich chaotisch war und nicht immer leicht und all die Konsequenzen, die ich bis heute damit lebe – erlebe – ; diesen Zeitraum habe ich bis heute nicht angerührt. Warum eigentlich?

Die Frage kann ich so im Moment nicht beantworten, aber ich versuche, sie zu finden. Mein Leben war vor meinen Kindern sehr bunt; manchmal ging es mir verdammt gut und in anderen Zeiten wusste ich morgens nicht, wo ich abends schlafen konnte. Oft stand ich an Abgründen (Emotional), die so tief waren, dass man den Boden unten nicht ausmachen konnte. Manchmal bin ich da rein gestürzt, manchmal konnte ich mich selbst retten oder wurde gerettet. Und dann gab es Momente, da hab ich die Arme weit ausgebreitet und bin gesprungen. Weil ich endlich frei sein wollte von all dem Schmerz und der Dunkelheit. Jahre meines Lebens hatte ich eine sehr große Sehnsucht in mir; zu sterben. Gerettet hat mich letztendlich die Tatsache, dass ich damals nicht allein sein konnte – und auch nicht alleine sterben wollte… Ich habe viel erlebt, gesehen, verloren, gefunden; zufrieden oder gar glücklich war ich nie.

Und dann war mein erster Sohn auf dem Weg auf diese Welt. Zwei Monate vor seiner Geburt zerfiel mir mein geliebter Alfa Romeo unter dem Hintern und ich verlor so ziemlich das letzte von „Wert“, was ich damals hatte. Und doch stand ich auf, erhobenen Hauptes, sah mir immer wieder in die Augen und blieb ruhig. Die Angst, dieser Welt nicht gewachsen zu sein, nicht bestehen zu können, mehr noch, zu versagen, war fort. Ich war mir sicher, ich kann alles schaffen, auch das, auch ein Kind; das, was ich bis dahin am allerwenigsten in diesem Leben wollte. Seit ich meinem Sohn das erste mal in seine damals anthrazitfarbenen Augen gesehen hab, ist der Friede bei mir und ich bin ein zufriedener Mensch, der jeden Tag nur zufriedener wird. Als ich am wenigsten hatte, wurde mir die größte Verantwortung übergeben und das wertvollste geschenkt. Vielleicht habe ich mich noch nie mit dieser Zeit beschäftigt, weil sie keine Fehler hat. Weil sie schwer war, oft zu viel, isolierend, herausfordernd und doch die schönste Zeit, die ich je hatte und in meinen Augen perfekt. Weil ich gelernt habe, dass einem das Leben nichts schenkt, wenn man nicht bereit ist, etwas anzunehmen. Und weil ich begriffen habe, dass man alles hat, was man zum Leben braucht, man muss es nur erkennen. Ich selbst bin mein Sinn und wenn ich ihn an mein Leben weitergebe, dann wird mein Leben Sinn haben. Und jetzt geh ich wieder in meine Stille, da ist einiges los…

IMG_1818 (1)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s