20. Oktober … wenn Kinder lehren

Manchmal seh ich mir meine Kinder an und mir geht durch den Kopf, was ich wohl alles falsch gemacht habe. Wie viel Dinge haben sie an mir gesehen und durch mich gelernt, die sie besser nicht gelernt hätten! Und wann ist mir bloß entgangen, wie groß die beiden schon sind? Erst in der letzten Zeit ist mir immer mehr bewusst geworden, wie viel ich durch meine Kinder gelernt hab.

Durch meine Kinder lernte ich laufen; nicht wie früher, von einem Problem zum nächsten, fliehend vor mir selbst. Sondern mit festen Schritten genau da hin, wo wir hin wollen; vielleicht mal langsamer, mal schneller, auch über Umwege. Aber kein einziger Weg wurde seit meinen Kindern aufgegeben und bisher habe ich mich immer mir selbst gestellt, wenn ich mir in den Weg kam.

Durch meine Kinder lernte ich fühlen. Nicht nur kämpfen, überleben, sondern auch den Schmerz jeder Wunde spüren und verstehen. Der lange Weg meines Verstandes, dass nicht nur ich in meinem Kampf verletzt werde, sondern auch andere – oft jene, die wir lieben. Wie sinnlos Kampf ist, hab ich erst durch meine Kinder begriffen. Wer immer bereit ist, zu kämpfen, bekämpft letztendlich nur sich selbst.

Durch meine Kinder lernte ich, was Liebe ist. Nicht die gesprochene, die geschworene, die nichts ist als leere Worte. Sondern die, die aus dem Stein in deiner Brust wieder ein pulsierendes, lebendiges Herz macht. Zwar eines, das auch wieder Schmerz fühlen kann aber auch die Fähigkeit, wieder damit lieben zu können.

Durch meine Kinder lernte ich, was Zeit ist. Vielleicht hab ich von dem Teil, der mir ganz allein zur Verfügung steht, nur noch sehr wenig übrig. Dafür ist der lebenswerte Teil, der Sinn und Spaß macht, enorm gestiegen. Ich musste lernen, dass man für manches einfach länger braucht und für andere Dinge keine Zeit mehr ist. Aber am meisten wurde mir klar; du kannst noch so viel Zeit haben, wichtig ist allein, mit wem du sie verbringst, womit du sie füllst.

Durch meine Kinder lernte ich, ich selbst zu sein. Mit all meinen Macken und Fehlern. Mit Wunden, die heute keine Rolle mehr spielen; mit Erinnerungen, aus denen ich mir ein Kleid nähte und es trage, wann immer ich leben geh.

Durch meine Kinder lernte ich leben. Etwas, das ich fast aufgegeben hatte; verlernte vor lauter Kampf; vergessen hatte vor lauter Schmerz. Ich lernte leben, ohne wenn und aber, ohne Scheu und Angst, ohne mich zu rechtfertigen, ohne das Gefühl, auch nur ein einziger Moment davon könnte sinnlos sein.  Und ich danke meinen Kindern für jeden Schritt, den ich mit ihnen machen durfte und noch machen werde. Ich wünschte, ich hätte euch lehren können, was ihr mich lehrt…

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