18. Oktober Lektion Menschlichkeit

Schon länger bin ich hier im Netz in diversen Gruppen unterwegs. Eine davon eine reine Frauengruppe voller Hexen und dergleichen. Was mich anfangs irritierte – ein Zusammensein ohne Neid und Missgunst, dafür in sehr liebevollem Ton und absolutem gegenseitigen Annehmen- wurde für mich meine persönliche Wohlfühlgruppe und kleine Schwesternschaft.

In eben dieser Gruppe fragte vor einer Weile eine Frau, ob es Alleinerziehende in der Gruppe gibt, die es nicht immer so einfach haben. Sie wolle einer davon einfach eine kleine Freude machen. Ich stellte mich für dieses kleine Geschenk nicht an, hinterließ aber unter ihrem Beitrag eine Nachricht, in der ich mich für so viel Menschlichkeit bedankte. Daraufhin bekam ich von ihr eine Nachricht, in der sie mich fragte, ob sie auch mir eine kleine Freude machen darf. Ich versuchte, das Ganze aufzuklären, merkte aber, wie sehr vom Herzen das alles bei ihr kam und stimmte zu. Ich bat sie, meinem kleinen Sohn eine Kleinigkeit zukommen zu lassen. Er muss daheim immer zurückstecken wegen seinem behinderten Bruder. Sie fragte nach meiner Adresse und nach Vorlieben meines Kindes. Beides nannte ich ihr und dann verging Zeit.

Gestern kam ich nach Hause und wunderte mich über ein Päckchen von Amazon. Neugierig machte ich es auf, ich hatte doch gar nichts bestellt! Plötzlich hielt ich einen Pullover in der Hand zum Lieblingsthema meines kleinen Sohnes. Im ersten Moment wurde ich etwas sauer; wie hatte es der kleine Herr geschafft, sich etwas ohne meine Erlaubnis im Internet zu bestellen? Ich hatte doch alles gesichert! Da fiel mir ein kleiner Zettel in die Hand und als ich ihn las, wurde mir klar; diesen hochwertigen Pulli hatte mir die fremde Frau aus dem Internet geschickt; oder besser gesagt, meinem Sohn! Ich war baff, packte das schöne Stück wieder sorgfältig ein und legte es dahin, wo mein Sohn mit Sicherheit sein würde, kaum wäre er daheim.

Er fand ihn sehr schnell und rief „Du bist die beste Mutter auf der ganzen Welt!“ Obwohl mich das sehr rührte, klärte ich ihn auf, wo der Pulli wirklich herkam und wie wunderbar es eigentlich ist, dass es solch selbstlose, herzensgute Menschen gibt! Wieder und wieder musste ich ihm den kleinen Zettel vorlesen mit den Worten der Schenkerin drauf. Am Ende klebte ihn mein Sohn über sein Bett, daneben das Etikett von seinem neuen Pulli, zog ihn sich lächelnd über und schlüpfte ins Bett. Ich brachte es nicht mal über mich, ihm zu sagen, dass wir das neue Kleidungsstück erst mal waschen sollten, so glücklich strahlte er.

Das ist mein ganz persönlicher Engel da draußen. Einfach so fremden Menschen eine solche Freude zu machen, das ist Herzenswärme, das ist Nächstenliebe; das ist das, was ich grade versuche, meinen Kindern zu erklären. Es gibt auch Engel da draußen und manchmal hat man das Glück, einem zu begegnen…

 

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