30. September … die Dinge, die uns rufen…

Ein lieber Freund bei FB hat mir die Tage ein Foto geschickt, auf dem mehrere Schwerter zu sehen waren. Dazu stellte er mir die Frage: „Welches davon würdest du wählen?“ Mein Blick wanderte über 5 völlig verschiedene Schwerter und sofort sagte meine innere Stimme: „Das mittlere, das gehört zu uns.“ Ich schmunzelte und sah mir dann in Ruhe jedes Stück einzeln an. Dann war mir klar; ich hätte das zweite von links gewählt, aber meine Seele rief nach dem in der Mitte….

Kennt ihr das, wenn euch etwas von Anfang an fesselt? Euren Blick nicht mehr loslässt und euch das Gefühl gibt, dass man es haben muss und erst dann wird es wieder still sein? Manchmal begegnen wir Dingen, die einst wichtig für uns waren. Sie haben mal zu uns gehört, in früheren Leben, auf anderen Wegen, in längst vergangener Zeit. Manches davon war uns so vertraut und wichtig, dass unsere Seele sich an sie erinnert und uns dann leise, aber sehr bestimmt mitteilt, dass wir es uns zurück holen müssen. Dabei kommt es vor, dass wir selbst uns für etwas ganz anderes entscheiden würden. Vielleicht eine ganz andere Farbe wählen würden oder eine schlichtere Form. Aber ein Teil in uns beharrt auf etwas anderes.

Der bisher für mich am meisten beeindruckende Ruf war in meiner Jugend. Mit einem Freund war ich im Urlaub und wir durchstreiften einen  Souvenirladen. Taschen, Kleider und Tücher aus allen möglichen Stoffen lagen aus. Truhen und Kisten aus jedem Metall und Holz gab es zu bestaunen. Der Laden war nicht groß, aber bis unter die Decke voll mit kleinen, kunstvollen Schätzen. Alle davon ignorierte ich. Mich rief ein kleines, unscheinbares Regal am Ende des Ladens. Noch konnte ich nicht sagen, was genau nach mir rief. Ich musste nur dort hin und mir nehmen, was dort lag, mehr wusste ich nicht. Vor dem Regal angekommen, grinste mich ein schneeweißer, in Originalgröße und perfekt nachgeformter, menschlicher Totenschädel aus Gips an. Seine leeren Augenhöhlen starrten mich an, fesselnden regelrecht meinen Blick und schienen zu pulsieren. Er sagte nicht „Nimm mich mit“, sondern schlicht und einfach „Ich gehöre zu dir“. Und so konnte ich mich erleben, wie ich vorsichtig nach ihm griff, ihn behutsam auf meine Hand nahm und mehr oder weniger im vorbeigehen beim Verlassen des Ladens seinen Preis erfragte und diesen umgehend bezahlte. Keinen Moment lang legte ich ihn dafür beiseite, ich vermied sogar, ihn aus den Augen zu lassen. Ich trug ihn heim, erst ins Hotel, am Ende der Woche zu mir nach Hause. Dort bekam er ein kleines Podest und es verging fast ein Jahr, bis er mich daran erinnerte, wofür ich ihn benötigte.

Wir sollten von Zeit zu Zeit diesem Ruf folgen und unser Hab und Gut wieder vervollständigen. Doch manchmal sollten wir abwägen; es gibt Dinge, die wir bewusst in der längst vergangenen Zeit gelassen haben, um unser Leben zu verändern. Um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Und manchmal, um frei zu sein von den Mächten, die nach uns riefen. Die Frage ist, ob wir stärker sind und widerstehen…

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