10. September … wenn wir aus Liebe zerstören…

„Warum ist die Lampe erloschen? Ich habe sie mit meinem Mantel umhüllt, um sie vor dem Wind zu schützen; deshalb ist die Lampe erloschen.

Warum ist der Fluss ausgetrocknet? Ich habe einen Damm quer durch den Fluss gebaut, damit er nur mir dienen möge; deshalb ist der Fluss ausgetrocknet.

Warum ist die Blume verwelkt? Ich hab sie stürmisch und voller Liebe an mein Herz gedrückt; deshalb ist die Blume verwelkt.

Warum ist die Saite der Harfe zerrissen? Ich versuchte eine Note anzuschlagen, die zu hoch für sie war; deshalb ist die Saite gerissen.“ Rabindranath Tagore

Wie oft fragen wir uns, warum etwas ist, wie es ist. Warum etwas nicht funktioniert hat, obwohl wir doch so viel dafür getan haben? Es so sehr gewollt haben? All unsere Kraft investiert haben? Selten kommen wir auf die Idee, dass es genau an der Art, WIE wir etwas versucht haben, scheitert. Wenn wir etwa das Licht beschützen wollen vor dem Wind und übersehen, dass wir ihm damit die notwendige Luft nehmen, durch die es erst brennt. Oder wir vor lauter Egoismus die Dinge so sehr verändern, dass sie in ihrer Form nicht mehr existieren können. Wenn wir vor lauter Liebe so sehr drücken, dass es das, was wir so sehr lieben, einfach zerdrückt. Aber auch, wenn wir einfach nicht mehr zufrieden werden, noch mehr wollen und noch mehr und dann irgendwann das eine herausfordern, das zu viel ist. Und da fragen wir uns dann oft, warum, weshalb, wieso – und uns entgeht manchmal, dass wir ganz allein etwas getan haben, dass es am Ende nicht zuließ. Wenn wir etwas so sehr beschützen wollen und es genau damit zerstören. Blind vor eigenem Interesse nur noch auf uns selbst fixiert sind und nicht mehr merken, dass wir mit unserem Handeln zwar unser Ziel erreichen, aber das, was wir am Ende haben wollen, dann gar nicht mehr funktionieren kann. Oder wenn wir dem Menschen, den wir so sehr lieben, Angst machen mit der Wucht unserer Gefühle. Vielleicht nicht nur, dass er mit so viel Liebe gar nicht umgehen kann, sondern auch glauben muss, nicht mal einen Bruchteil von dieser großen Liebe zurück geben zu können. Oder unsere Gier, die uns vergessen lässt, dass wir bescheiden bleiben sollte; bescheiden und dankbar – denn dann kommt das mehr von ganz allein.

Vielleicht sollten wir uns von Zeit zu Zeit einfach nur ein wenig Zeit nehmen, wenn wir scheitern. Nachsehen, was wir wirklich getan haben und wie viel Versagen in unserem eigenen Handeln manchmal steckt. Wir glauben oft, etwas war uns einfach nicht vergönnt, sollte nicht zu uns, war nicht für uns gedacht. Und übersehen dabei das einfachste; wir haben es auf dem Weg zu uns zerstört…

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