31. August … muss das wehtun oder darf das heilen?

Immer wieder werd ich gefragt, was es denn bedeutet, wenn man etwas in sich heilt oder gar das innere Kind heilt. Jeder Mensch wird irgendwann mal von oder durch jemanden verletzt. Sei es der Partner, der einen betrügt oder der beste Freund, der einen verraten hat. Es gibt viele Möglichkeiten, verletzt zu werden; Fakt ist; wir werden alle verletzt. Es ist also nicht die Frage, ob und wie sehr wir verletzt werden, sondern wie wir damit umgehen. Wir können diese Wunde, die uns jemand gemacht hat, offen halten, weil wir sie immer und immer wieder beklagen und aufs Neue vorzeigen. Dass wir sie dadurch wieder und wieder aufreißen, bluten lassen und selbst verantwortlich dafür sind, dass diese Wunde nicht heilt, das entgeht den meisten dabei.

Nun hat jeder Mensch eine Kindheit, wird erzogen und durch das Vorleben der Eltern geprägt. Und gerade als Kind werden wir oft verletzt, weil die kalte, raue Welt da draußen für eine Kinderseele zu viel ist und sie nicht immer davor beschützt wird oder wurde. Daraus entstehen Verhaltensweisen, im schlimmsten Fall ein Trauma, welche wir ein Leben lang mit uns tragen. Oder wir heilen sie. Wir finden ihren Ursprung und lassen es zu, dass dieser wunde Punkt, der eben dann in unserer Kindheit liegt, heilt.

Vielleicht sollte man sich da eines ganz bewusst klar machen; Heilung bedeutet nicht, dass man nie verletzt wurde. Diese Tatsache wird immer bleiben und lässt sich nicht rückgängig machen. Aber wir können zulassen, dass eine Verletzung nicht mehr unser Leben bestimmt. Wenn unsere Lieblingsvase zerbricht, haben wir zwei Möglichkeiten; wir werfen die Scherben weg oder wir kleben sie wieder zusammen. Reparieren wir die Vase, dann haben wir wieder zwei Möglichkeiten; wir beklagen, dass die Vase sichtbare Sprünge hat und mal kaputt war oder wir freuen uns, dass sie uns erhalten blieb und man die Sprünge kaum sieht – weil wir sie, so gut es eben ging, repariert haben. Und genau so geht es uns. Wenn wir einen Sprung haben, dann können wir genau den jeden Tag anschauen und bedauern, dass es ihn gibt. Wir können uns fürchten, dieser Sprung könnte größer werden, sichtbar sein, uns irgendwann entzweien. Oder wir nehmen eine große Portion unserer Liebe zu uns selbst in die Hand und dichten damit – so gut wir eben können – diesen Sprung ab. Und dann lernen wir die Freude darüber zu spüren, dass wir eben nur einen Sprung hatten und nie ganz zerbrochen sind. Das ist die Art, wie wir damit umgehen können; halten wir uns selbst fest und beisammen, bis wir wieder heil sind oder bedauern wir unsere Verletzung, bis wir auseinanderfallen?

Ich bin genug – das heißt, ich genüge, vor allem mir selbst. Ich muss nicht zweifeln an mir selbst oder meinem Wert. Ich darf mich lieben, so wie ich bin. Und ich darf mich selbst lieben, ganz besonders, wenn es weh tut. Wenn ich verletzt bin. Wenn es Zeit ist, mich zu heilen. Und wenn ich mich sorgfältig heile, behutsam meine Wunden pflege, dann werd ich auch die Narben irgendwann lieben können. Manchmal sind sie alles, was geblieben ist…

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